PIETRO ORSEOLO

Mönch, Einsiedler
Namensdeutung: der Fels (lat.-griech.)
Namenstage: Pietro, Petrus, Peter, Pier, Pierre, Pedro, Pit, Pere, weibl.: Petra, Pierrette
Gedenktag: 10. Januar

Lebensdaten: geboren 928 in Venedig, gestorben am 10. Januar 987 oder 988 in der Abtei Saint-Michel-de-Cuxa bei Prades (Pyrénées-Orientales)

Lebensgeschichte: Pietro Orseolo stammte aus einer der einflussreichsten Patrizierfamilien Venedigs und vermählte sich mit Felicia Malipiero (oder Badoèr) aus noch bedeutenderer Familie. Ihr Sohn Pietro II. sollte von 991 bis 1009 Doge (von lateinisch dux – Herzog) werden, ihre Tochter ehelichte den Patriziersohn Giovanni Morosini. Zwei Dokumente des Dogen Pietro IV. Candiano aus den 960er und 970er Jahren weisen Orseolo als einen Befehlshaber der venezianischen Flotte aus.

Am 12. August 976 wurde Pietro Orseolo einstimmig zum Dogen gewählt – einen Tag, nachdem Pietro IV. Candiano wegen seiner Nähe zur ottonischen Kaiserdynastie ermordet worden und bei der Revolte die halbe Stadt in Flammen aufgegangen war. Orseolo gehörte der Partei an, welche die Interessen der Lagunenstadt stets gleichermaßen gegen das deutsche Herrscherhaus wie gegen das byzantinische Reich vertrat, und könnte zu den Verschwörern gehört haben.

Orseolo erreichte als Friedensmaßnahme einen Ausgleich mit der Witwe seines Vorgängers, einer Verwandten der Kaiserin Adelheid, und stiftete aus eigenem Vermögen den Wiederaufbau des Dogenpalastes sowie den Neubau des Markusdoms, für den er die goldene Altartafel – die Pala d’oro – in Konstantinopel in Auftrag gab. 2000 Pfund in Gold soll er für die Opfer des Stadtbrandes sowie für die Armen aufgewendet haben. Überdies ließ er ein Spital errichten. Als außenpolitischen Erfolg konnte er 977 die erneute Handelsvereinbarung mit Istrien verbuchen.

Währenddessen wuchs die von den deutschen Kaisern geförderte Opposition. 977 besuchte der katalanische Abt Garin (auch Guarin oder Warin), der über Gerbert von Aurillac, den späteren Papst Silvester II., mit der ottonischen Familie befreundet war, auf der Rückreise von einer Pilgerfahrt nach Rom die Markusreliquien in Venedig. Bei zwei Zusammenkünften appellierte Garin an das Gewissen des Dogen, ihm in die Abtei Saint-Michel-de-Cuxa in die Pyrenäen zu folgen, um Sühne für das mit Gewalt errungene Dogenamt zu leisten.

In der Nacht zum 1. September 978 verließ Orseolo heimlich Venedig in Begleitung seines Schwiegersohns Giovanni Morosini und zweier Einsiedler: Marinus und Romuald, ebenfalls einem Vertrauten des deutschen Kaisers, der bei der Überzeugung des Dogen, der Welt zu entsagen, mitgewirkt hatte. Über einen Aufenthalt in der Abtei Sankt Michael bei der Klus bei Turin gelangten sie nach Cuxa, wo ihn Romuald das Eremitenleben lehrte. Dort starb Orseolo als einfacher Mönch am 10. Januar 987 oder 988.

Verehrung: 1027 seliggesprochen, wurde Orseolo in der Abteikirche und 1644 unter einem Romualdsaltar beigesetzt. Nach seiner Heiligsprechung 1731 erbat sich Venedig Reliquien für den Markusdom, wo sie jedes Jahr am 14. Januar in Gegenwart des Dogen im Rahmen eines Hochamts ausgestellt wurden. Von Cuxa wurden die Reliquien Orseolos 1790 zum Schutz vor dem Furor der Französischen Revolution in die Pfarrkirche Saint-Pierre von Prades übertragen. Der Kamaldulenserorden begeht seinen Gedenktag am 19. Januar.

Mitpatron: von Venedig

 

Weitere Heilige des Tages:
Gregor X., Papst
Paulus von Theben, Einsiedler
Léonie Aviat, Ordensgründerin