PIUS IX.

Papst
Namensdeutung: der Fromme (lat.)
Namenstage: Pius, Pio, weibl.: Pia
Gedenktag: 7. Februar

Lebensdaten: geboren am 13. Mai 1792 in Senigallia, gestorben am 7. Februar 1878 in Rom

Lebensgeschichte: Graf Giovanni Maria Mastai-Ferretti wurde in Senigallia im damaligen Kirchenstaat geboren. Wegen einer epileptischen Krankheit, von der er jedoch vollständig genas, musste er als Kind seine schulische Ausbildung unterbrechen. Nach philosophisch-theologischen Studien in Rom wurde er zum Priester geweiht und leitete zunächst das berühmte römische Waisenhaus „Tata Giovanni“. Von 1823 bis 1825 hielt er sich als Mitglied der päpstlichen Delegation im antiklerikal gewordenen Chile auf und übernahm bei seiner Rückkehr die Leitung des Sankt-Michaels-Hospizes in Rom.
Papst Leo XII. ernannte ihn mit gerade einmal 35 Jahren zum Erzbischof von Spoleto. Dort und ab 1832 als Bischof von Imola machte er sich einen Namen als liberaler Reformer. 1840 zum Kardinal ernannt, ging er 1846 als Favorit der liberalen Kardinäle ins Konklave und nahm nach seiner Wahl zum Papst den Namen Pius IX. an. Er gab dem Kirchenstaat eine Verfassung, gewährte politischen Gefangenen eine Amnestie, führte zahlreiche Reformen ein, verlieh Pressefreiheit und war dem technischen Fortschritt gegenüber sehr aufgeschlossen. Was sein Vorgänger Gregor XVI. noch die „Wege Satans“ genannt hatte, wurde von Pius IX. breit gefördert: Eisenbahn, Telegraphie, öffentliche Beleuchtung – und selbst ließ er sich fotografieren.
Doch als er die nationale Eingliederung des Kirchenstaates trotz seiner Sympathien für ein geeintes Italien verweigerte, brach im europäischen Revolutionsjahr 1848 auch in Rom ein Volksaufstand aus; sein Premierminister Pellegrino Rossi wurde ermordet, und er musste fliehen. Als er zwei Jahre später, nach der Wiederherstellung seiner Macht durch französische Truppen, nach Rom zurückkehren konnte, war sein Wohlwollen liberalen Strömungen gegenüber aufgebraucht.
1854 verkündete er feierlich das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens und verurteilte 1864 mit einem gewichtigen Lehrschreiben „Zeitirrtümer“ wie Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus, Demokratie sowie Meinungs- und Pressefreiheit. 1869 berief er das Erste Vatikanische Konzil ein, dessen bekannteste Beschlüsse die Unfehlbarkeit des Papstes in ausdrücklich entschiedenen Glaubens- und Moralfragen sowie die oberste Leitungsgewalt des Papstes in der Kirche (Jurisdiktionsprimat) sind.
Doch bis 1869 musste er den Untergang des Kirchenstaats mitansehen und betrachtete sich selbst zuletzt als „Gefangener im Vatikan“, der ihm einzig als souveränes Hoheitsgebiet verblieben war. Mit dem Verlust der weltlichen Macht gewann das Papstamt jedoch ein immenses geistliches und moralisches Prestige, nicht zuletzt deswegen, weil Papst Pius IX. durch die Schaffung hierarchischer Strukturen auf der ganzen Welt die Präsenz der Kirche vermehrte. Er starb 1878 in Rom. Mit fast 32 Jahren ist sein Pontifikat das bisher längste in der Geschichte gewesen.

Verehrung: Gleich nach seinem Tod wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet, der jedoch erst im Heiligen Jahr 2000 mit der Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. seinen Abschluss fand. Sein Grab befindet sich in der Basilika San Lorenzo fuori le mura in Rom.

 

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