Schreiben des Papstes

Bischof Bertram: "Eine pastorale Piste für alle Hirten"

Papst Franziskus hat in einem Schreiben vom 10. Juni das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, abgelehnt. Hier das Statement von Bischof Bertram zum Papstschreiben im Wortlaut.

„Ich sehe in den Worten des Papstes ein Zeichen der herzlichen Beziehung zwischen Papst Franziskus und Kardinal Marx. Darauf wird der Kardinal in seinem weiteren Wirken bauen können. Gleichzeitig werden in dem persönlichen Brief des Papstes auch grundsätzliche Anliegen deutlich, die ihm wichtig sind: Aufklärung und Aufarbeitung des Missbrauchs, das Schuldbekenntnis begangener Fehler, die Notwendigkeit einer geistlichen Reform von Jesus her und nicht einer Reformation, die ‚Ideologen der Reform‘ wünschen. Interessant ist, was der Papst nicht sagt: Obwohl er synodale Prozesse in allen Ortskirchen will, verliert er kein Wort über den Synodalen Weg. Sein Anliegen ist eine spirituelle Erneuerung, die sich der Krise stellt, aber sich nicht in Konflikten verausgabt. Franziskus redet auch nicht vom „toten Punkt“, sondern vom „Keim der Hoffnung“, der in der Krise steckt. Krise heißt für ihn auch, sich der Wüste auszusetzen.

An diesen Gedanken, die er an Kardinal Marx richtet, kann sich jeder Bischof in dieser delikaten Zeit ausrichten und mit Franziskus die ernste Frage stellen: ‚Was muss ich angesichts dieser Katastrophe tun?‘ So gesehen, scheint der Brief wohl an Kardinal Marx adressiert zu sein, doch eigentlich zeigt er eine pastorale Piste für alle Hirten in Deutschland auf. Mit seinem Schreiben will der Papst uns als Bruder im Glauben stärken und gleichzeitig einladen, innezuhalten, nicht vor der Verantwortung zu fliehen und verfügbar zu bleiben. Der Papst – ganz ignatianisch – schreibt hier fast wie ein geistlicher Begleiter, der uns zu Exerzitien einlädt.“