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Interreligiöser Dialog

Das Anderssein wertschätzen: Vertreter verschiedener Religionen treffen sich zu religiösem Austausch

13.07.2017

Rund 50 Angehörige verschiedener Religionen und Religionsgemeinschaften sind gestern im Haus Sankt Ulrich zusammen gekommen. Bereits zum zweiten Mal hatten der Verantwortliche für den interreligiösen Dialog im Bistum Augsburg, Bischofsvikar Prälat Dr. Bertram Meier, sowie die Mitglieder der diözesanen Arbeitsgruppe Interreligiöser Dialog zu einem Begegnungsabend eingeladen. Die offene und wertschätzende Atmosphäre ermöglichte einen vertieften Austausch zu den Themen „Beten und feiern“ und ließ die Teilnehmer auf einem Stationenweg viel Neues erfahren, aber auch manches Vertraute in fremdem Gewand entdecken.

„Ich lade zu einem spirituellen Dialog ein“, wies Prälat Dr. Meier auf das Ziel der Veranstaltung ein. „Wir wollen einander kennenlernen und mitteilen, wie jeder in seiner Tradition betet und religiöse Feste feiert.“  Vertreter/-innen von fünf Religionen bzw. Religionsgemeinschaften hatten Präsentationen vorbereitet oder informierten in Form einer Gesprächsrunde.

Schwerpunkt der jüdischen Station waren die Hohen Feiertage, die nach unserem Kalender meist auf Ende September/Anfang Oktober fallen und mit dem Neujahrsfest Rosch Haschana (wörtl. Kopf des Jahres) beginnen und dem Yom Kippur, dem höchsten Feiertag, enden. Um die Symbolik des Wunsches, das neue Jahr möge rund und süß werden, auch sinnenfällig zu machen, lagen Apfelschnitze bereit, ein mit Honig gefülltes Schälchen sowie zwei Challot. Den runden Hefezopf, der unserem Osterfladen ähnelt, gibt es in dieser Form nur an Neujahr; sonst gehört er an jedem Schabbat in Langform auf den festlich geschmückten Tisch. Der Versöhnungstag selbst dient mit strengem Fasten und ganztägigem Gebet dazu, einen Jahresrückblick zu halten, seine Sünden zu bereuen und Gott um Verzeihung zu bitten.

Gebet und Fürbitte waren auch ein Thema bei der Station, die den muslimischen Glauben vorstellte. Ein Vertreter aus München erläuterte neben den fünf täglichen Gebetszeiten die beiden heiligen Nächte der Himmelfahrt Mohammads und der ersten Offenbarung durch den Engel Gabriel. Da sich unter den Teilnehmern Angehörige der drei buddhistischen Richtungen zusammenfanden, informierten sie gemeinsam über ihre Meditationshaltungen und die „Kathina Zeremonie“. Besonders interessierten die Ausführungen der Bahai-Vertreter, da diese junge Religion, die alle heiligen Bücher der anderen Religionen anerkennt und in ihrem Gottesdienst auch immer wieder zu Gehör bringt, noch wenig bekannt ist.

Wie Christen als Katholiken persönlich und gemeinschaftlich beten und Eucharistie feiern, verdeutlichten Mitglieder des Liturgiekreises der Augsburger Pfarrei St. Ulrich und Afra anschaulich in der Hauskapelle vor Ort.

Im Anschluss an den Stationenweg gab es Gelegenheit zum vertieften Kennenlernen: Ein jüdischer Teilnehmer interessierte sich besonders für das Alevitentum und fand einen kompetenten Gesprächspartner im alevitischen Barden des hiesigen Zentrums. Ein muslimisches Ehepaar wollte von Pfarrer Bernhard Holz, Mitglied der interreligiösen Arbeitsgruppe, mehr zur Hl. Messe wissen.

Die gute Gesprächsatmosphäre und die gastfreundliche Form der Begegnung haben viele Teilnehmer/-innen positiv wahrgenommen. Als persönliche Erkenntnis formulierte eine Buddhistin: „Das Ziel haben wir gemeinsam. Die Wege sind unterschiedlich.“