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Ulrichswoche

Der heilige Ulrich geht auf Reisen nach Kempten: Reliquienschrein zieht hunderte Gläubige an

Ulrich geht auf Reisen nach Kempten: Prozession mit dem Ulrichsschrein zur Basilika St. Lorenz. (Foto: Sabine Verspohl-Nitsche / pba)
Ulrich geht auf Reisen nach Kempten: Prozession mit dem Ulrichsschrein zur Basilika St. Lorenz. (Foto: Sabine Verspohl-Nitsche / pba)
06.07.2017

Augsburg/Kempten (pba). Den Marktbesuchern auf dem Hildegardplatz in Kempten bot sich gestern ein nicht alltägliches Bild: Mit einer feierlichen Prozession wurde der Reliquienschrein des heiligen Ulrich über die von zahlreichen Gläubigen gesäumten Treppenstufen der Basilika St. Lorenz getragen. Hier empfing ihn Bischof Dr. Konrad Zdarsa und leitete damit einen besonderen Tag ein, der mit dem Pontifikalgottesdienst begann. Zudem gab es die Möglichkeit zu Gebet und Beichte sowie Einzelsegnungen mit dem Ulrichsreliquiar zu empfangen.

Stadtpfarrer Dekan Dr. Bernhard Ehler wünschte sich in seiner Begrüßung, dass ein Glaubensfest gefeiert werde, ein Tag des Gebetes und der Begegnung mit Gott. Eine große Ehre für die Stadt sei es, so Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, dass der Bistumspatron und der heutige Bischof 1.000 Jahre später gemeinsam zu Gast seien. Das sei auch ein Anlass, sich als pilgerndes Gottesvolk neu zu orientieren.

Zusammen mit dem Bistumspatron begrüßt zu werden, sei eine unfassbare Ehre für ihn, wandte sich Bischof Konrad an die Gläubigen. Dies mache ihm bewusst, in welche Nachfolge er berufen worden sei. Gemeinsam mit Priestern, Diakonen und hunderten Gläubigen aus den umliegenden Dekanaten feierte Bischof Konrad anschließend das Pontifikalamt, das musikalisch von Orchester, Solisten und dem Chor der Basilika unter der Leitung von Benedikt Bonelli mit der Missa d-moll von Franz Xaver Richter gestaltet wurde.

Es sei notwendig, christlich gewachsenes Brauchtum wie die Ulrichswoche auch mit christlichem Inhalt zu füllen und mit einem christlichen Lebensstil zu hinterlegen, betonte Bischof Konrad in seiner Predigt. Der Empfang der göttlichen Offenbarung dränge nach außen, er ziele auf die Gemeinschaft der Gläubigen und auf die Verkündigung des Glaubens. Viel besser als mit dem Leitwort der diesjährigen Ulrichswoche könne dies seiner Meinung nach nicht zusammengefasst werden: „Verkündet Gottes Heil von Tag zu Tag“.

Tagsüber war für die Wallfahrer aus den umliegenden Pfarreien und Dekanaten einiges geboten: eine Ausstellung von Messgewändern und liturgischen Geräten in der großen Sakristei der Basilika; die Schau „Leuchtendes Mittelalter“ im Alpinmuseum, die auch Bilder und Statuen des heiligen Ulrich zeigt; eine Führung durch die Prunkräume in der Residenz sowie Einblicke in die Caritas-Einrichtungen. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Tafelladens der Caritas hatten eine Kartoffelsuppe zubereitet, die sich auch Bischof Konrad in Begleitung von Dekan Ehler, Pfarrer Ulrich Lindl, Leiter der Hauptabteilung „Kirchliches Leben“, schmecken ließ. „Mir kommt es sehr entgegen, dass ich auf diese Weise diese Stelle hier in Kempten kennenlerne“, so der Bischof.

Die Geschäftsführerin des Caritasverbandes Kempten-Oberallgäu, Jennifer Wörz, gab dem Bischof einen kurzen Überblick auf das vielfältige Engagement: Mit 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei ihr Verband mittlerweile der größte innerhalb der Diözese Augsburg, er biete 27 verschiedene Dienste an, wie etwa den Tafelladen, der Lebensmittel an Bedürftige weitergibt, oder die Wärmestube in Sonthofen. In 30 Helferkreisen seien mehr als 1000 Ehrenamtliche im Einsatz, führte Wörz aus. „Das ehrenamtliche Engagement hält unsere Gesellschaft zusammen“, betonte die Geschäftsführerin. Es bestehe ein gutes Miteinander zu anderen karitativen Einrichtungen, betonte sie.

„Ein großes Ereignis für das Bistum und das gesamte Allgäu“ sei der Besuch des Ulrichschreins in Kempten, bewertete Karin Ruf aus Reichholzried die Bedeutung dieses Tages. Wenn der Bischofspatron nach Kempten reise, sei es für sie selbstverständlich, zu diesem Festtag in die Basilika zu kommen, meinte auch Patricia Kuisle aus Wildpoldsried. Hildegard Riedelsheimer erklärte: „Ich wollte einmal den Bischof kennenlernen.“ Sie sei vor kurzem aus dem Bistum Speyer nach Kempten gezogen und habe nun die Gelegenheit genutzt, Bischof Konrad persönlich zu erleben.

Eine besondere Verbindung zum heiligen Ulrich haben Karin und Franz Gropper: Als Stellvertreter der St.-Ulrich-Gemeinde in Seibranz bei Bad Wurzach waren sie sogar aus der Nachbardiözese in die Basilika gekommen. In ihrem Ort, das den Heiligen im Wappen trage, habe der Legende nach während einer Wassersnot der heilige Ulrich den Lindauer Bischof Konrad getroffen. Als Ulrich seinen Bischofsstab in die Erde gerammt hatte, sei aus diesem Loch frisches heilkräftiges Quellwasser gesprudelt – ein Brunnen erinnert noch heute an diese Begebenheit. Sie beide lebten ganz im Glauben und seien völlig überwältigt von dem Pontifikalamt, schilderte das Ehepaar.

Der Krankensalbungsgottesdienst, die Pontifikalvesper mit Liturgiegesang der Schola Gregoriana Combodunensis und eine von den Chören des Dekanats Kempten gestaltete Heilige Messe zur Verabschiedung der Gebeine des heiligen Ulrich rundeten den Tag ab.

In Erinnerung an die Schlacht auf dem Lechfeld (955) wurde im Jahr 1955 unter Bischof Dr. Joseph Freundorfer erstmals die diözesane Ulrichswoche begangen, die in diesem Jahr unter dem Leitwort „Verkündet Gottes Heil von Tag zu Tag“ (Psalm 90,2) steht. Im Rahmen der 60. Ulrichswoche verließ der Reliquienschrein 2015 erstmals Augsburg und wurde im Kloster Ottobeuren feierlich empfangen, 2016 ging es für den Schrein nach Benediktbeuern und nun war er am 5. Juli, einen Tag nach dem Gedenktag des heiligen Ulrich, in Kempten.