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Erwachsenenbildung

Direktor Dr. Florian Schuller nimmt nach 18 Jahren Abschied von der Katholischen Akademie Bayern

02.10.2018

München (KNA). Die Kanzlerin war bei ihm zu Gast, der Bundespräsident und auch ein späterer Papst: Die Katholische Akademie Bayern ist als Gemeinschaftseinrichtung der sieben bayerischen Diözesen ein zentraler Treffpunkt von Kirche und Gesellschaft. Jetzt steht ein Wechsel an ihrer Spitze an. Hört man Monsignore Dr. Florian Schuller (71) eine Weile zu, hatte er 18 Jahre lang eines der schönsten Ämter inne, das die katholische Kirche in Bayern kennt: Von einer "tollen Aufgabe mit unwahrscheinlichen Gestaltungsmöglichkeiten" schwärmt der Priester aus dem Bistum Augsburg, von großer Freiheit und auch von Vertrauen. Am heutigen Dienstag,
2. Oktober, wird er als Direktor der Katholischen Akademie Bayern verabschiedet.

Der Schwabe geht aus freien Stücken, denn satzungsgemäß kennt sein Amt keinerlei Frist. "Ich weiß, was ich aufgebe und ich weiß zugleich, dass es richtig ist", sagt er. Jetzt soll ein Jüngerer ran. Oder vielleicht eine Jüngere? Direktor Schuller sagt, er wisse selber nicht, wer nach ihm kommt. Frühzeitig habe er sich schon zu Jahresbeginn aus der Nachfolgesuche ausgeklinkt. Nun aber gilt es Platz zu machen. Die Schränke in seinem Büro sind schon geräumt, einige Bücherregale muss er noch leeren bis Ende des Monats.

"Demütiges Selbstbewusstsein", lautet die Überschrift über den feierlichen Ausstand. Laut Schuller handelt es sich hier nicht um eine Kurzcharakteristik seiner selbst, wohl aber um eine Haltung, die der katholischen Kirche nach seiner Ansicht gut zu Gesicht stünde: "Nicht rumeiern, sich entschuldigen müssen, wie man denkt, aber dem anderen auch nichts aufdrücken."

Die Katholische Akademie Bayern mit Sitz in Schwabing unweit des Englischen Gartens zählt zu den wichtigsten Begegnungsstätten der katholischen Kirche in Deutschland. Sie versteht sich als "Forum des freimütigen Gesprächs über Kirche und Gesellschaft" und wurde 1957 gegründet. Ihre Veranstaltungen werden jährlich von rund 15.000 Teilnehmern besucht, darunter 18 Prozent Nichtkatholiken.

Monsignore Schuller und sein Studienleiterteam stehen für die gepflegte Kontroverse. "Spinner laden wir nicht ein", lautet eine schon vom Vorgänger übernommene Maxime. Was heißt, dass manches aktuelle Reizthema, das sich nicht adäquat besetzen lässt, eben nicht ins Programm kommt. Wobei der promovierte Dogmatiker und bekennende Harry-Potter-Fan keine Berührungsängste kennt. So konnte er auch Leute wie Profiboxer Sven Ottke oder Extremkletterer Thomas Huber in seinem Haus begrüßen.

Gefragt nach den Sternstunden seiner Amtszeit, denkt der scheidende Akademiedirektor weniger an aufsehenerregende Debatten wie etwa diejenige 2004 zwischen dem Philosophen Jürgen Habermas und Kardinal Joseph Ratzinger über "Vernunft und Religion". Schuller spricht lieber von der "Begegnung mit faszinierenden Menschen", etwa mit der hochbetagten Freya von Moltke, Witwe eines der Verschwörer vom 20. Juli 1944. "Die Power dieser unwahrscheinlich nüchternen, klar denkenden Frau" begeistert ihn noch heute - genauso wie das Zusammentreffen mit dem Dirigenten und Naturschützer Enoch zu Guttenberg, "bis in die Knochen katholisch und agnostisch zugleich".

Zu Direktor Schullers Vermächtnis zählt zweifellos das ab 2001 eingerichtete umfassende Nachhaltigkeitsmanagement. Inzwischen verbraucht der Akademiebetrieb nur noch halb so viel Primärenergie wie damals. Das zum Areal zählende Schloss Suresnes wurde trotz Denkmalschutzauflagen in diesem Sinne mustergültig modernisiert. So zählt die Einrichtung inzwischen zu den ökologischen Leuchttürmen der Kirche in Deutschland. Stolz ist der Priester auch auf das kürzlich verabschiedete bayerische Fördergesetz zur Erwachsenenbildung, auf den Weg gebracht von katholischen Politikern aller Landtagsfraktionen.

Um seine Zukunft ist dem Direktor nicht bang. "Ich bin und bleibe Dorfseelsorger mit Leib und Seele." Schon als Hochschulpfarrer in Augsburg wohnte er in der Landkreisgemeinde Straßberg. Hier war er bisher nebenamtlich selbstständiger Pfarrer, hier wird er weiter mithelfen, Kinder taufen, Verstorbene zur letzten Ruhe geleiten.

Was die Akademie betrifft, hat er eine Art Gelübde abgelegt. Er will sie zwei Jahre lang nicht mehr betreten. "Nicht weil es mir dort nicht mehr gefällt, sondern weil es sinnvoll ist, einen klaren Schnitt zu machen."