Porträtreihe "Unsere Dekane"

Karl-Bert Matthias: Ein Kölner im Allgäu

24.04.2020 10:17

(Oberstaufen) Dekan Karl-Bert Matthias hat einen weiten Weg hinter sich: Der gebürtige Rheinländer ist seit fast 19 Jahren als Seelsorger im Oberallgäu tätig und setzt sich dort besonders für die Armen und Schwachen ein. Kein Wunder, dass man ihn in Oberstaufen gerne den "kölschen Franziskus" nennt.

Dekan Karl-Bert Matthias fällt auf: Der große, stattliche Mann mit dem gepflegten, grauen Bart und der dunklen, markanten Brille vor den wachen Augen ist niemand, den man so schnell übersehen würde. Und wenn der 61-jährige Leiter des Dekanats Sonthofen mit unverkennbarem Kölner Dialekt zu sprechen beginnt, horchen viele Einheimische auf. Sein entschiedenes Engagement in der Kirchengemeinde brachte ihm unter anderem Beinamen ein wie „Don Camillo aus Kölle“ oder „kölscher Franziskus“. Die Menschen in seiner neuen Heimat, der Pfarreiengemeinschaft (PG) Oberstaufen im bekannten Schrothkur-Ort im Westen des Oberallgäus, wo er seit 2018 wirkt, haben ihren Pfarrer längst als dazugehörig akzeptiert und liebgewonnen.

Aufgewachsen auf dem Land vor der Stadt Köln in Pulheim, wurde er nach seinem Studium der Katholischen Theologie und Philosophie, daneben im zweiten Studienfach Christliche Archäologie, Kunstgeschichte und vergleichende Theologie, am 28. Juni 1991 im Kölner Dom zum Priester geweiht. Als Kaplan und Kreis-Jugendseelsorger in Bedburg und Köln-Porz war Matthias auch Kurat der Georgs-Pfadfinder und Präses der Kolpingfamilie. Kardinal Joachim Meisner vertraute ihm nach seiner Kaplanzeit die große Stadtrandgemeinde Köln-Worringen an, die er aus gesundheitlichen Gründen schon nach vier Jahren verlassen musste.

Sein Weg führte ihn so ins schöne Oberallgäu. Für das Bistum Augsburg leitete er von 2001 bis 2018 die Pfarreiengemeinschaft Bad Hindelang. Seit 2012 war er Prodekan, im Oktober 2016 folgte die Ernennung zum Dekan des Dekanats Sonthofen. Im November 2018 dann wechselte er auf eigenen Wunsch aus dem Ostrachtal ins westlich gelegene Oberstaufen. „Ich wollte noch einmal eine neue Pfarreiengemeinschaft übernehmen, die bereits aus den Kinderschuhen herausgewachsen war und laufen gelernt hatte.“

Gemeinsam mit den Mitgliedern der Pfarreien möchte er in Oberstaufen ein lebendiges Gemeinde- und Pfarrleben gestalten, hat der Geistliche bei seinem Antrittsgottesdienst vor gut einem Jahr betont. Als Pastoraltheologe verfolgt er besonders im Umgang mit der Jugend eine zeitgemäße Vermittlung der christlichen Botschaft. „Das mag ich besonders: den guten Kontakt zur Jugend, vor allem auch zu den jungen Erwachsenen und jungen Ehepaaren“, betont der Dekan. Bei vielen Anlässen nimmt er sich viel Zeit, die er mit ihnen verbringt. Die Grundlage seiner Tätigkeit als Seelsorger ist für ihn die Verbindung von Liturgie und Diakonie. Matthias: „Ich habe bei meiner Priesterweihe versprochen, mich um die Menschen, besonders um die Armen und Kranken zu kümmern.“ Auch die Ökumenische Zusammenarbeit mit den evangelischen Nachbargemeinden ist für ihn sehr selbstverständlich und wichtig.

Nach mehr als einem halben Jahr Übergangszeit in einem Ferienzimmer auf einem Bauernhof in Oberstaufen-Zell hat sich Karl-Bert Matthias im umgebauten Pfarrhaus nun mittlerweile häuslich eingerichtet und fühlt sich langsam heimisch. In den vier Pfarreien Aach, Steibis, Oberstaufen und Thalkirchdorf hält er neben den Werktagsgottesdiensten, Taufen und Hochzeiten am Wochenende abwechselnd samstags und sonntags immer zwei Gottesdienste. „Der Vorteil ist, dass die Gottesdienstbesucher so auch in die anderen Pfarreien fahren und diese kennenlernen“, sieht er positive Aspekte in einer aus Zeitmangel geborenen Lösung.

„Wenn ich nicht überall in der Pfarreiengemeinschaft so ein tolles Helferteam hätte wie im Pastoralrat, den Pfarrgemeinderäten und den Kirchenverwaltungen sowie in den Gruppen und Gremien, würde ich das alles so nicht schaffen“, stellt er voller Hochachtung vor den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fest. „Zweifelsohne ist es eine weitere Herausforderung für uns alle, die Fragen vieler Gemeindemitglieder zufriedenstellend zu beantworten: Wie wird das werden? Können wir auch zukünftig alle Anliegen und Bedürfnisse nach Seelsorge der Menschen in einer so großen Pfarreiengemeinschaft gerecht werden?“, meint Pfarrer Matthias weiter. „Trotz all dieser Fragen sehe ich der kommenden Zeit mit viel Gottvertrauen und auch guten Mutes entgegen. Natürlich kommen auf uns alle auch Veränderungen zu, aber Veränderungen sind auch die notwendigen Konsequenzen, um angemessen auf die Zeichen der Zeit zu reagieren“, fährt er fort.

Gottesdienstgestaltung und Sonntagspredigten sind ihm daher ein großes Anliegen, wozu er sich gerne viel Zeit für die Vorbereitung nimmt. Auch für außergewöhnliche Gottesdienste findet der Dekan eine Lücke im Terminkalender: Im Sommer feiert er besonders gern Bergmessen und Sonnenaufgangsgottesdienste am Gipfelkreuz, als leidenschaftlicher Motorradfahrer hält er Motorradgottesdienste oder er steht bei Skifahrermessen im Winter auch schon mal auf der Skipiste.

Erkannt wird er überall, „sogar, wenn ich privat beim Skifahren unterwegs bin“, erzählt er „vielleicht liegt es an meiner Brille“, mutmaßt der Pfarrer schmunzelnd. Er ist gesellig, gern mit Menschen zusammen und hat sich in Oberstaufen bereits mehreren Vereinen sowie einer Volkstanzgruppe angeschlossen. Als Rheinländer wurde ihm die Freude am Karneval bereits im Elternhaus in die Wiege gelegt, wie es allgemein heißt. So fährt er jährlich für die jecke Karnevalszeit in seine alte Heimat und pflegt auch im Allgäu diese Tradition.

Als er letztes Jahr erstmals beim Oberstaufener Pfarrball dabei war, lobte der Dekan als Preis für das beste Kostüm von ihm selbstzubereitete „Kölner Rievkoche“ aus. Das als Astronauten verkleidete Team der Kita Oberstaufen siegte und wurde natürlich von Karl-Bert Matthias in der Küche der Kindergarteneinrichtung längst bestens bekocht.

„Ich selber komme aus einer großen Familie und habe vier verheiratete Geschwister, neun Nichten und Neffen“, bemerkt Matthias, dem der Kontakt zu seiner Familie sehr wichtig ist, denn er weiß: „Sie holt mich oft auf den Boden der Tatsachen und in die Realität des Alltags zurück!“

Und so meint er abschließend, neben dem Gottesdienst, einer personalen Seelsorge, der Diakonie und der Gemeinschaft sei es ihm wichtig, „den anderen Zeugnis von dem abzulegen, was einen selber trägt! Ein festes, tiefes Gottvertrauen und eine große Portion Lebensfreude!“

Text: Sabine Verspohl-Nitsche
Januar 2020

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