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Jahresempfang des Bischofs

Früherer Behindertenbeauftragter der Regierung zu bioethischen Fragen: „Wir müssen Grenzen setzen“

Vor Beginn des Jahresempfangs: Bischof Dr. Konrad Zdarsa gemeinsam mit Festredner Hubert Hüppe. (Fotos: Annette Zoepf / pba)
Vor Beginn des Jahresempfangs: Bischof Dr. Konrad Zdarsa gemeinsam mit Festredner Hubert Hüppe. (Fotos: Annette Zoepf / pba)
09.10.2018

Augsburg (pba). Der frühere Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe hat gestern Abend beim Jahresempfang des Bischofs von Augsburg vor einem Umgang mit menschlichem Leben gewarnt, der die verfassungsmäßig garantierte unantastbare Würde des Menschen missachtet. „Wir müssen politische und gesellschaftliche Grenzen setzen, sonst wird es keine Grenzen geben“, sagte er mit Blick auf die Entwicklungen der Biomedizin in den vergangenen Jahrzehnten. Als langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestags empfahl er den heute verantwortlichen Politikern und Wissenschaftlern, aber auch der Gesellschaft insgesamt, einen selbstkritischen Blick zurück. Dieser müsse eng verbunden sein mit der Frage, ob man in der Vergangenheit nicht den einen oder anderen Schritt zu weit gegangen sei, so Hüppe.

Bischof Dr. Konrad Zdarsa begrüßte im Haus Sankt Ulrich mehr als 300 Gäste aus Wirtschaft und Politik, Kultur und Kirche, die „in der gemeinsamen Verantwortung Gott und den Menschen gegenüber“ in ihrem Bereich wirken. Eine persönliche Verantwortung, die sich auch daran messen lassen müsse, „wie wir mit dem Leben umgehen“, wie es im Untertitel des Festvortrags „Der achte Tag der Schöpfung“ heißt. Der Bischof gab zu bedenken, dass Menschen, die sich für eine „Kultur des Lebens“ stark machen heutzutage als „Feinde der Freiheit“ und „Gegner der Selbstbestimmung“ bezeichnet würden. In einer Gesellschaft, in der das Recht auf Leben verhandelbar geworden ist, sei etwas grundsätzlich aus der Ordnung geraten, so Bischof Konrad. Gerade Deutschland habe in Sachen Lebensschutz „eine besondere Verpflichtung“.

An diese historische Verantwortung erinnerte auch Hüppe in seinem Vortrag. Ein Thema, das unser Leben mehr verändert habe, als es manche wahrhaben wollten, sei die Pränataldiagnostik (PND). Diese habe seit den ersten Fruchtwasseruntersuchungen bei Schwangeren in den 1970er Jahren eine rasante Entwicklung genommen und endete allzu häufig mit der Entscheidung, wer leben dürfe und wer nicht. „Ich behaupte, das ist Selektion“, erklärte der Festredner besonders mit Blick auf die vorgeburtlichen Bluttests, die er für nicht verfassungsgemäß hält. Dadurch werde ein gesellschaftliches Klima erzeugt, das die Eltern unter Druck setzt und dazu führt, dass Babys mit Behinderung überhaupt nicht mehr zur Welt kommen. Kinder mit Down Syndrom leiden nicht daran, sondern er habe den Eindruck, dass manche mehr Freude am Leben haben als vermeintlich „normale“ Menschen, versucht Hüppe eine Haltung zu korrigieren, die sich offensichtlich in vielen Köpfen festgesetzt habe.

Unumstößlich sei für ihn deshalb die Ewigkeitsgarantie des Artikels 1 unseres Grundgesetzes. „Die Forschung hat ihre Grenzen dort, wo die Würde des Menschen angetastet wird.“ Hier verlaufen für ihn die ethischen Grenzen des vom Menschen Machbaren, angefangen bei der Forschung an embryonalen Stammzellen bis hin zum Klonen. Es habe viele Versprechungen gegeben, aber bis heute keine einzige therapeutische Anwendung. Deshalb dürfe es keine Forschung in diesem Bereich geben, selbst wenn es hohe Ziele gebe, bekräftigte Hüppe, der sich als Fan der adulten Stammzellforschung bezeichnete. „Die größte Form der Diskriminierung ist die Tötung eines Menschen“, warb er mit drastischen Worten für ein gesellschaftliches Umdenken und stellte die provokante Frage in den Raum: „Reicht es aus, der menschlichen Gattung anzugehören, um vom Tötungsverbot geschützt zu sein?“

Musikalisch umrahmte das Trio Sonare unter Leitung des Memminger Chordirektors Maximilian Pöllner den Festabend.

 

Das Trio Sonare bestehend aus Maximilian Pöllner (Flügel), Verena Eggensberger (Violine) und Brigitte Mang (Violoncello) spielte Werke von Antonio Lotti und Georg Philipp Telemann.
Das Trio Sonare bestehend aus Maximilian Pöllner (Flügel), Verena Eggensberger (Violine) und Brigitte Mang (Violoncello) spielte Werke von Antonio Lotti und Georg Philipp Telemann.

 

Hubert Hüppe ist 1956 in Lünen geboren und war rund zweieinhalb Jahrzehnte Mitglied des Deutschen Bundestags. Er setzte sich beruflich und privat bis heute in verschiedenen Funktionen für das uneingeschränkte Recht auf Leben ein, speziell für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Als stellvertretender Vorsitzender der Enquete-Kommission Recht und Ethik in der modernen Medizin, als behindertenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion und als Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen legte er während seines gesamten politisches Lebens den Schwerpunkt auf Themen des Lebensschutzes.