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Orden

Große Erfolge bei Restaurierungsarbeiten im Kloster Maria Medingen

28.11.2017

Augsburg (pba). Der verheerende Brand im Kloster Maria Medingen liegt nun schon mehr als zwei Jahre zurück. Vor gut einem Jahr sind die Schwestern wieder in ihre Räumlichkeiten im Klostergebäude eingezogen. Auch die Klosterkirche wird wieder genutzt. Nach dem Brand war sie im gesamten Innenraum von einer dünnen Rußschicht überzogen. Was sich seit dem Brand bei den Restaurierungsarbeiten getan hat, erläuterten heute Experten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) sowie der Restaurierungsfirmen und Versicherungen bei einem Presserundgang. „Es ist für uns ungemein beeindruckend mitzuerleben, wie es im Kloster wieder hell wird – äußerlich und innerlich“, freute sich Schwester Elke Prochus, Provinzoberin der Dillinger Franziskanerinnen, über die Fortschritte. Sie sei dankbar für die Zusammenarbeit und Unterstützung aller Beteiligten, die zu dieser Entwicklung „von kohlrabenschwarz ins Helle“ beigetragen hatten.  

Vor allem in der Margareta-Ebner-Kapelle hatte das Feuer schwere Schäden verursacht. Etwa die Hälfte des Deckenfreskos von Vitus Felix Rigl (1755) war bei dem Brand herabgestürzt. Die übrigen Flächen des Deckenbildes waren stark verrußt. Bei der Entfernung dieser Rußschicht erzielte das Restaurierungsatelier Amann aus Weißenhorn erstaunliche Erfolge. „Zunächst waren wir uns sicher, dass wir um eine Rekonstruktion nicht herumkommen“, betonte Bernhard Symank, Leiter der Restaurierungswerkstätten beim Landesamt für Denkmalpflege. Johannes Amann und seinen Leuten sei es aber gelungen, ein System zu entwickeln, mit dem Teile des originalen Bestandes wiedergewonnen werden können. Das sei eine Sensation, versicherte der Restaurator weiter. Denn dank dieser neu entwickelten Methode, bei der Reinigungsgele und Lasergeräte zum Einsatz kommen, müssten die Fresken nun nicht mehr gesamtflächig rekonstruiert werden.

Ebenfalls erheblichen Schaden hatten damals Altar, Gestühl und Chörleingitter der Kapelle sowie das Mobiliar in der angrenzenden Sakristei erlitten. Die Restaurierung der Sakristeimöbel übernahmen die Werkstätten Wiegerling aus Gaißach. In Zusammenarbeit mit den Restaurierungswerkstätten des Landesamts für Denkmalpflege entwickelten sie dafür ein spezielles Konzept. „Jeder hatte Ideen, die zusammengeflossen und zu dem gewachsen sind, was wir heute hier sehen“, erinnert sich Dr. Katharina von Miller, Restauratorin im Fachbereich Möbel beim BLfD. Ebenfalls gelang es den Werkstätten Wiegerling, nach vielfältigen Arbeitsproben große Teile des Schnitzwerks der Chörleingitter zu erhalten. Auch für die Restaurierung der historischen Sägefurniere in der Sakristei wurden umfangreiche Versuchsreihen durchgeführt, die zum Erfolg führten. Die 3 bis 4 Millimeter starken Furnierhölzer hatten sich durch die Hitze und das Löschwasser stark gewölbt. Durch eine Rückformung konnten die Verformungen geglättet werden.

Für die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten seien bislang rund 79.000 Arbeitsstunden angefallen, fasst Günter Selentin von der Versicherungskammer Bayern den Arbeitsaufwand zusammen. In dieser Zeit haben die Restauratoren unter anderem 5.000 qm Wand- und Deckenflächen bearbeitet und 3,5 km Sockelleisten verlegt. Insgesamt sei mit Kosten von etwa 20 Millionen Euro zu rechnen.

Trotz großer Fortschritte befinden sich bisher nur wenige Teile der Kunstausstattung wieder an ihrem ursprünglichen Platz. Ziel sei es aber, das gesamte Kloster so auszustatten, wie vor dem Brand. Um dies zu ermöglichen, können Patenschaften für die Restaurierung von Bildern und Votivtafeln übernommen werden, erklärte Schwester Elke. „Nur so schaffen wir für diejenigen, die nach uns kommen eine Zukunft, in die auch die Kunst und Kultur der Vergangenheit eingebettet ist.“