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Reformationsgedenken

Heilung von Erinnerungen: Ökumenischer Buß- und Versöhnungsgottesdienst im Augsburger Dom

Gemeinsames Gebet um Versöhnung im Zeichen des Kreuzes. (Foto: Annette Zoepf/pba)
Gemeinsames Gebet um Versöhnung im Zeichen des Kreuzes. (Foto: Annette Zoepf/pba)
02.04.2017

Augsburg (pba). Im Hohen Dom zu Augsburg ist heute Abend Geschichte geschrieben worden: Gemeinsam haben evangelische und katholische Christen miteinander das Gedächtnis der Reformation gefeiert – „zum ersten Mal“, richtete sich Bischof Dr. Konrad Zdarsa bei der Eröffnung des Gottesdienstes an die Gläubigen. „In der Vergangenheit haben Jahrhundertfeiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen vertieft“, so Bischof Konrad. „Im Jubiläumsjahr 2017 soll es anders sein. Wir wollen nach den gemeinsamen Wurzeln, den wechselseitigen Herausforderungen und den verbindenden Zukunftsaufgaben fragen.“ Zugleich bekundete Regionalbischof Michael Grabow, Oberkirchenrat im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: „Unser Wille zur Profilierung war stärker als die Suche nach Gemeinsamkeiten. Heute wollen wir Gott um sein Erbarmen für das bitten, was wir einander angetan haben. Wir wollen Gott aber auch für das danken, was wir aneinander haben.“

Nach einem von Augsburgs evangelischer Stadtdekanin Susanne Kasch vorgetragenem Bußpsalm, Kyrie-Rufen von Bischofsvikar Prälat Dr. Bertram Meier und einem Gebet um Versöhnung, das beide Bischöfe abwechselnd sprachen, wurde als äußeres Zeichen der Versöhnung ein Kreuz auf dem Altar aufgerichtet, das zuvor wie eine störende Barriere auf dem Altar quer gelegt war. Auch in seiner Predigt ging Regionalbischof Grabow auf die wechselvolle Geschichte der Konfessionen ein. „Wir leben in einer Region, die wie wenige andere von der Reformation und Gegenreformation geprägt ist“, betonte er. Augsburg und Schwaben seien von den kriegerischen Folgen der Reformation entvölkert und verheert worden. Er erinnerte an Lauingen an der Donau, dessen Bürger innerhalb eines Jahrhunderts sieben Mal die Konfession wechseln mussten. Aber er blieb bei diesen leidvollen Erfahrungen nicht stehen. „In etlichen Dörfern im Ries lebten über Jahrhunderte Katholiken und Protestanten friedlich zusammen und teilten sich sogar den Gottesdienstraum.“ Dies sei ein „wunderbares Zeichen des ökumenischen Miteinanders, das schon vor Jahrhunderten den Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft gewiesen hat“, so Regionalbischof Grabow.

Die Bischöfe Konrad Zdarsa und Michael Grabow standen der Liturgie im Hohen Dom vor. (Foto: Annette Zoepf/pba)
Die Bischöfe Konrad Zdarsa und Michael Grabow standen der Liturgie im Hohen Dom vor. (Foto: Annette Zoepf/pba)

Nur im gemeinsamen Lernen, im Schauen auf die Konflikte und auf die Beispiele gelungener Gemeinschaft könne es gelingen, Erinnerungen zu heilen. In den vergangenen 50 Jahren habe sich viel verändert. Die laut Regionalbischof Grabow „wunderbare Zusammenarbeit in den vielen Gemeinden vor Ort“ habe zu einem ganz alltäglichen und normalen Umgang miteinander geführt. „Mit Freude und Dankbarkeit haben wir erkannt, dass das, was uns verbindet, unendlich viel größer ist als das, was uns trennt.“ Er sei fest davon überzeugt, dass dieses Jahr einer heilsamen und gemeinsamen Erinnerung uns im gegenseitigen Verständnis unserer Wege, die gemeinsame Wege in der Kraft des Heiligen Geistes seien, weiter bringe. „Wir können uns vergeben, was wir uns im Laufe der letzten 500 Jahre angetan haben. Wir können mit Freude darauf blicken, was auch an Gutem gewachsen ist, an gemeinsamem Glauben, gemeinsamem Beten und gemeinsamem Handeln.“ Diesen gemeinsamen Glauben bekundete die Gottesdienstgemeinde im Anschluss an die Predigt im Gebet des Großen Glaubensbekenntnisses.

Dieser Gottesdienst solle nicht folgenlos bleiben, unterstrich Bischof Konrad am Ende der etwas länger als eine Stunde dauernden Liturgie. Beide Bischöfe trugen deshalb abwechselnd verschiedene Selbstverpflichtungen vor: Etwa die grundlegenden Gemeinsamkeiten im Glauben in allen Formen der Verkündigung hervorzuheben und gemeinsam in dieser Welt Zeugnis von Gott abzulegen; die ökumenische Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit auf allen Eben kirchlichen Lebens zur fördern und im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes alles zu unterlassen, was Anlass zu neuen Zerwürfnissen zwischen den Kirchen gibt; sowie den konfessionsverschiedenen Ehen alle Hilfestellungen zu leisten, die ihren gemeinsamen Glauben stärken und die religiöse Erziehung ihrer Kinder fördern. Diese Selbstverpflichtungen und der Segen durch die beiden Bischöfe setzten den Schlussakzent des Gottesdienstes – bevor die Gemeinde „Nun danket alle Gott“ sang und die Zelebranten mit Applaus verabschiedete.

Musikalisch gestaltet wurde der ökumenische Versöhnungsgottesdienst vom Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler und Domorganistin Claudia Waßner.