Porträtreihe: „Unsere Dekane“

Hoch zu Ross zu Ehren des Hl. Leonhard

06.11.2020 11:15

(Inchenhofen). Was Stefan Gast bei seinen vielfältigen Aufgaben als Pfarrer und Dekan oft hilft, ist sein Humor. So ging es dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden von Inchenhofen bereits vor dem offiziellen Amtsantritt des Pfarrers. Als er ihn fragte: „Reiten’S denn auch mit beim Leonhardiritt?“, bekam er zur Antwort: „Wenn’S a stabiles Ross haben, schon!“

Dekan Stefan Gast hält den „eisernen Leonhard“ in seinen Händen, der beim Leonhardiritt festlich geschmückt auf einer Stange durch die Straßen von Inchenhofen getragen wird. (Foto: Viktoria Zäch / pba)

„Ein überraschender Umzug im Jahr 2007 war es“, sagt Stefan Gast, „als ich von der schwäbischen Pfarreiengemeinschaft Stauden ins altbayerische Inchenhofen zog.“ Nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers wurde er vom damaligen Bischof Dr. Walter Mixa gebeten, dorthin zu wechseln. Mit 80 Einzelpfarreien in 20 Pfarreiengemeinschaften ist Stefan Gast zugleich als Dekan für das Dekanat Aichach-Friedberg zuständig. Es wurde 2012 im Zuge der Bistumsreform vom vergangenen Bischof Dr. Konrad Zdarsa aus den zwei Dekanaten Aichach und Friedberg zusammengelegt.

In „Leahad“, wie die Einheimischen zu Inchenhofen sagen, wird jedes Jahr das Leonhardi-Fest als großer Festtag begangen. Zum Festtag im November, der Gedenktag ist der 6. November, kommen viele Gläubige weit über die Region hinaus. Gefeiert wird mittlerweile am nächstliegenden Sonntag. Der bereits vom Fürstenfelder Abt Paul Herzmann 1459 eingeführte Pferderitt gilt als der älteste in Bayern. Etwa 200 Pferde, mehrere Musikkapellen und Trachtengruppen nehmen daran teil. Auch wird der „eiserne Leonhard“, eine alte Bronzefigur, extra zu diesem besonderen Anlass hervorgeholt und festlich geschmückt auf einer Stange durch die Straßen getragen. Und mit diesem Hintergrund war der erste Leonhardiritt auch für Stefan Gast ein besonderer. Viele Augen richteten sich auf den „neuen“ Pfarrer, der seine Reifeprüfung hoch zu Ross ohne Probleme meisterte.

Aber so ganz ohne Reiterfahrung war er gar nicht, wenn auch seine letzten Ritte zu Pferd schon viele Jahre zurückliegen: Denn einer von Gasts Brüder hält Haflinger auf seinem Anwesen in Waltenhofen im Allgäu, etwa sieben Kilometer südlich von Kempten. Gerne erinnert sich Pfarrer Gast auch noch an einen Tipp seines alten Heimatpfarrers zurück, der sich in Inchenhofen Jahre später bewahrheiten sollte. Anlässlich der Taufe des Neffen begleitete Stefan Gast seinen ehemaligen Pfarrer zu einem Spaziergang auf eine Anhöhe mit Blick über die Felder und Koppeln des Hofes. Als der betagte Pfarrer die Pferde auf der Weide sah, fragte er den angehenden Priester: „Kannst du auch reiten?“ Und fügte folgenden Ratschlag an: „Man weiß nie, ob man als Pfarrer nicht einmal reiten können muss.“

Aufgewachsen ist Stefan Gast mit sieben Geschwistern in einer „ganz normalen christlichen Familie“, wie er selbst sein Elternhaus bezeichnet. Die landwirtschaftliche Arbeit und der regelmäßige Kirchenbesuch prägten die Kindheit und Jugend von ihm und der Familie. Nach der Realschule holte er im Gymnasium Sankt Matthias in Waldram sein Abitur nach. Im Anschluss an das Theologiestudium wurde er mit 28 Jahren am 4. Mai 1997 in Augsburg von Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz OSB zum Priester geweiht.

Auf seinem Weg zur Berufung ist ihm ein Ereignis aus der Kindheit noch heute besonders gut in Erinnerung. Als 9-jähriger wurde er von seinen Eltern zu einer Primiz in die Nachbargemeinde mitgenommen. Unter strömendem Regen drängten viele Gläubige in die Kirche. „Ich stand mit meiner Mutter im Eingangsbereich der Kirche, konnte also nichts sehen, nur über den Lautsprecher hören. Trotzdem war ich so beeindruckt von der ganzen Zeremonie und der Atmosphäre, dass ich zu Hause dann immer ‚Pfarrer‘ nachgespielt habe“, berichtet Stefan Gast.
Von einer Begebenheit der Primiz berichtete ihm seine Mutter außerdem sehr gerne: Während der Messe drehte sich ein Mann zu ihnen um, deutete auf den Buben und sagte: „Der da wird auch mal so ein Herrle (Pfarrer) werden.“ – „Scheinbar hatte dieser alte Mann einen prophetischen Blick!“, meint Stefan Gast augenzwinkernd.

Mit seiner persönlichen, offenen Art und seiner Kommunikationsfähigkeit kann Dekan Gast gut auf Menschen zugehen. „Mir ist eine respektvolle und wertschätzende Zusammenarbeit sehr wichtig. Das gute Miteinander und der Frieden untereinander liegen mir dabei sehr am Herzen, sowohl mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, als auch unter den Gläubigen und deren Familien“, betont Stefan Gast. „Sich zu grüßen und gegenseitig zu respektieren muss immer drin sein“, so der Geistliche weiter.

Ein Herzensanliegen ist für Dekan Stefan Gast außerdem die Feier der Liturgie: „Ich will die Heilige Messe ordentlich und feierlich begehen. Ich versuche eine enge Beziehung und Freundschaft zu Jesus Christus zu pflegen.“ Als seine Aufgabe sieht er genau das an: „Die Menschen zu Jesus Christus hinführen und diese Beziehung auch selbst leben.“ Ganz wichtig ist ihm dabei außerdem: „Ich will auch als Mensch erfahrbar bleiben, nicht nur als Pfarrer oder Dekan meine Aufgaben erledigen.“

So liegt ihm sehr am Herzen, die einzelnen Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft zusammenzubringen. Besonders gelungen ist das, wie er es selbst empfindet, bei der Pfarrvisitation im Jahre 2018. „Es gab zum Visitationstermin, dem Christkönigsfest, zwei zentrale Messen, zu denen viele Gläubige aus der ganzen Pfarreiengemeinschaft zusammengekommen waren. Hier konnten wir alle gemeinsam beten und feiern und die Pfarreigrenzen wurden aufgebrochen“, freut sich der Geistliche rückblickend.

Um Kraft zu schöpfen, verweile er selbst gerne in der stillen Kirche. „Ich nehme mir Zeit fürs Gebet, um zur Ruhe zu kommen und um nachzudenken.“ Bei seinen vielfältigen und zahlreichen Aufgaben ist sich Dekan Stefan Gast sicher: „Der Humor hilft über einiges hinweg: Es ist der Knopf, der verhindert, dass der Kragen platzt.“

 

Text: Viktoria Zäch
Juli 2020