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Karwoche

Karfreitag: "Es ist vollbracht" (Joh 19,30)

14.04.2017

Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Kreuzes. Er ist daher strenger Fast- und Abstinenztag für die Gläubigen, – ein Ausrufezeichen in unserem Speiseplan. Wozu? Unsere Versöhnung mit Gott geschieht durch die rückhaltlose Selbsthingabe Jesu Christi: So sagte er beim Letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,24). Für diese Realität, die unsere Wirklichkeit übersteigt und für jeden auch die Überwindung der Grenze des Todes bedeutet, sollen wir durch bewussten Verzicht und Konzentration auf das Geschehen sensibilisiert werden. Von daher versteht es sich von selbst, dass der Verzehr von Edelfischen und anderen kulinarischen Leckerbissen wie er an Aschermittwoch und Karfreitag zunehmend üblich wird, für Christen mit dem Fastengebot nicht in Einklang zu bringen ist, auch wenn diese an sich nicht unter das Abstinenzgebot fallen.

Wir feiern den Karfreitag zu einer ungewohnten Zeit: die Gläubigen versammeln sich in den Pfarreien zur Todesstunde Jesu, also um 15 Uhr, zur Feier vom Leiden und Sterben Christi (vgl. Gotteslob Nr. 308). Diese Feier ist keine Messfeier, sondern besteht aus drei Hauptteilen: dem Wortgottesdienst mit drei Schriftlesungen und den großen Fürbitten, der Erhebung und Verehrung des heiligen Kreuzes und einer Kommunionfeier.

Im Wortgottesdienst wird zunächst eine Lesung aus dem Propheten Jesaja vorgetragen, der über das stellvertretende Leiden des Gottesknechtes sagt: "Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen ... durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jes 53,4 f.). In der zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief wird dieser Gedanke auf das Leiden Jesu bezogen: Jesus, der Sohn Gottes, ist "für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden“ (Hebr 5,9). Und schließlich wird in der Passion nach dem Johannesevangelium der Leidensweg Jesu im unmittelbaren Anschluss an das Letzte Abendmahl bis zur Grablege verkündet (Joh 18,1-19,42). In der Johannespassion kommt in den letzten Worten Jesu unmissverständlich zum Ausdruck: Dieser Tod ist weder Verhängnis noch Zufall. Er ist Gottes freie Selbsthingabe bis zum Äußersten: "Es ist vollbracht" (Joh 19,30).

Daher wird das Kreuz verehrt als Zeichen der radikalen Liebe Gottes zu den Menschen: Um sie mit sich zu versöhnen, hat er in Jesus Christus allen Schmerz und alle Schuld dieser Welt auf sich genommen.   Zu Beginn der Kreuzverehrung wird ein verhülltes Kreuz zum Altar getragen und durch den Priester schrittweise enthüllt. Dabei singt er dreimal: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt“. Die Gemeinde antwortet: „Kommt, lasset uns anbeten“. Die Gläubigen verehren anschließend Jesus Christus als ihren Erlöser, indem sie vor dem Kreuz niederknien oder sich verneigen.

In der anschließenden Kommunionfeier wird erfahrbar: Wir haben Anteil an dieser Erlösung erhalten, uns ist eine innige Christusgemeinschaft geschenkt.

In vielen Pfarreien gibt es am Karfreitag (meist schon vormittags)  –  wie auch sonst während der Fastenzeit  – Kreuzwegandachten, in denen das Leiden und Sterben Jesu von seiner ungerechten Verurteilung zum Tode bis zur Kreuzigung betrachtet wird. Diese kann man auch privat zuhause beten (vgl. Gotteslob Nr. 683).