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Trauer

Pontifikalrequiem: Abschied von Bischofsvikar Prälat Karlheinz Knebel im Hohen Dom zu Augsburg

Nach dem Pontifikalrequiem wurde der Verstorbene zu seiner letzten Ruhestätte in der Grablege des Augsburger Domkapitels geleitet. (Foto: Nicolas Schnall / pba)
Nach dem Pontifikalrequiem wurde der Verstorbene zu seiner letzten Ruhestätte in der Grablege des Augsburger Domkapitels geleitet. (Foto: Nicolas Schnall / pba)
10.11.2017

Augsburg (pba). Das Bistum Augsburg, das Domkapitel, Vertreter anderer Diözesen, Priester, Diakone und hunderte Trauergäste haben heute von Prälat Karlheinz Knebel Abschied genommen. Der Bischofsvikar für Kirche, Kultur und kirchliche Bildung starb am vergangenen Samstag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren. „Wir haben uns hier versammelt, um Gott für das Leben unseres Bruders, meines Stellvertreters Prälat Karlheinz Knebel, zu danken und dafür, dass wir gemeinsam mit ihm auf dem Weg sein durften“, richtete sich Bischof Dr. Konrad Zdarsa zu Beginn des Pontifikalrequiems im Hohen Dom an die Gläubigen.

Generalvikar Harald Heinrich blickte in seiner Predigt auf Prälat Knebels fast 40-jähriges priesterliches Wirken zurück - von seiner Kaplanszeit in Schrobenhausen, Nördlingen und Kempten, über die Pfarrstellen in Utting und in seiner Heimatstadt Füssen bis hin zu den Augsburger Jahren als Generalvikar, Domkapitular, Summus Custos und Bischofsvikar. Er würdigte den Verstorbenen dabei als einen Menschen, der gerne daheim, in einem verlässlichen Haus gewesen sei. „Zuhause und gerne da sein in dieser Welt, sich freuen an ihrem Reichtum, den wir unserem Gott, dem Freund des Lebens verdanken, und sich dennoch nicht verschließen vor ihren Fragen“, das habe Karlheinz Knebel gepflegt, so der Generalvikar. Es sei ihm wichtig gewesen, sich um das Haus der Welt und das Haus der Kirche gut zu sorgen und beide nie auseinanderdriften zu lassen. Als Herausforderung für die Kirche von heute habe er es erkannt, „den Anschluss zwischen Tradition und Moderne zu schaffen, zu suchen nach einer Sprache, auch einer Bild- und Formensprache, die das Bewährte nie über Bord wirft, es aber auch für den Menschen von heute zugänglich, verstehbar und, wenn es gut geht, attraktiv zu machen.“

Als Generalvikar habe der Verstorbene „keine immer leichten Jahre“ im Bistum, aber auch in der ganzen Kirche erlebt. Karlheinz Knebel habe Brücken zu bauen versucht, wo Risse entstanden waren. „Stets diente er in großer Loyalität seinem Bischof, dem er Ehrfurcht und Gehorsam versprochen hatte.“ Und damit sei es ihm egal in welcher Funktion und Aufgabe in seinem priesterlichen Leben stets ernst gewesen. „Wir sind dankbar für das, was er mit seinen Gaben und Talenten, seiner Tatkraft und mit vielen gottgeschenkten Gelegenheiten im Lauf seines Lebens für die Kirche von Augsburg getan hat.“

Binnen weniger Monate sei das Haus seines Lebens nun erschüttert worden, blickte der Generalvikar auf die tödliche Krankheit von Bischofsvikar Knebel. „Sein schneller Tod bringt nicht nur die Normalität unseres Alltags, sondern auch unser sonst so stabiles Lebensgebäude ins Wanken.“ Aber er habe sich dem nahen Tod sehr bewusst, aufrecht, ja glaubensstark gestellt. „In dieser erschreckend neuen ,Unbehaustheit‘ blieb er bis zuletzt bewundernswert heiter, ruhig-gelassen, so wie viele ihn zeitlebens kannten.“ 

Auf dem Sarg lag das Bahrtuch des Ritterordens vom Hl. Grab zu Jerusalem ausgebreitet, davor das Ordenskreuz am schwarzen Band. Links dahinter auf den Altarstufen befanden sich das violette Birett und das Kreuz, das er als Domkapitular bei liturgischen Anlässen um den Hals getragen hatte, sowie Lektionar, Kelch und Stola sowie ein Bild des Verstorbenen. Der Platz, den er bis zu seinem Tod im Chorgestühl als Domkapitular eingenommen hatte, blieb während des Requiems leer.

Das Pontifikalrequiem wurde musikalisch vom Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler mit der Missa Quinti Toni von Orlando di Lasso gestaltet. Im Anschluss daran wurde Domkapitular Knebel im Innenhof des Domkreuzgangs durch Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger in der Grablege des Augsburger Domkapitels beigesetzt.

Die letzten Worte aber gehören dem Verstorbenen. In ergreifender Weise lässt er die Trauergemeinde an seinen Gefühlen und Gedanken während seiner letzten Lebenswochen teilhaben. Denn auf dem Krankenbett schrieb Prälat Knebel folgendes Gebet auf, das auf der Rückseite des Sterbebildchens abgedruckt ist:

Franz von Assisi zu Bruder Leo:

„Auch Schmerzen sind ein Gebet“.

Das Fleisch schreit.

Es sehnt sich nach Erlösung.

Ich brenne, ein Teil von mir ist Fleisch.

Fest verbunden. „Geist und Fleisch ist der Mensch“.

Ich liege in der Matratzengruft (Heine) und rufe zu Gott.

Gott ist ins Fleisch gekommen,

incarnatus est.

Schmerzen sind auch ein Gebet.

Alles muss sich auf den Weg machen und über sich hinaus greifen.

Bis wir ganz bei ihm sind im Licht.

 

(aufgeschrieben am 13. Oktober 2017)