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Bischöfliches Jugendamt / BDKJ

Wie geht entscheiden? – Über hundert Teilnehmer bei Jugendwerkwoche in Augsburg

05.02.2018

Augsburg (pba). Emotional verdichten, eindeutige Botschaften senden, Konflikte suchen: Dazu hat heute der Autor und Politikberater Erik Flügge aus Köln rund hundert Verantwortliche der kirchlichen Jugendarbeit im Bistum Augsburg im Haus St. Ulrich in Augsburg aufgerufen. Sein Vortrag zum Thema „Christus und die Jugend – Kommunikation im Namen des Herrn“ fand im Rahmen der dreitägigen Jugendwerkwoche im Haus St. Ulrich statt. Die Fortbildungsveranstaltung steht heuer unter dem Motto „Wie geht Entscheiden?“ und setzt sich mit der Berufungspastoral und Entscheidungsfindung junger Menschen auseinander.

Kirchlich Außenstehende würden die Kirche oftmals als einen „Schuppen“ wahrnehmen, der sich nach außen „ohne jedwede Dynamik“ präsentiere, stellte Flügge zu Beginn seines Vortrags auf launige Art und Weise fest. In Gottesdiensten werde das Bild einer Gegenwelt erschaffen: ein „menschenleerer Raum“, ein „seltsames Setting“, in dem es um Gott gehe, sagte er und wies auf eine „fehlende Oberflächenspannung“ hin. Um Kirche erfolgreich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, sei eine emotionale Verdichtung nötig. „Wir müssen über Emotionalität unser Gegenüber erreichen“, betonte er. Diese Emotionalität müsse auch klare Botschaften enthalten: „Der Mensch braucht eine idiotensichere Botschaft ohne Hintertür“, verwies Flügge auf die Notwendigkeit einer eindeutigen statt mehrdeutigen Kommunikation. Wenn es jedoch um Gott als Adressaten gehe, unterstreiche gerade die fremd anmutende Gebets- und Liturgiesprache dessen Besonderheit.

Kritisch äußerte sich der Autor und Politikberater gegenüber einer kirchlichen Kommunikation, die von ihm oftmals als „mutlos“ und „voller Angst getrieben“ wahrgenommen werde. Flügge rief die Verantwortlichen in der Jugendpastoral deshalb dazu auf, Konflikte zu suchen. „Ohne Konflikt keine Spannung“, betonte er abschließend.               

Prof. Dr. Katharina Karl, Leiterin des Jugendpastoralinstituts Don Bosco in Benediktbeuern, referierte danach zum Thema: „Wie geht entscheiden? Qual der Wahl und die große Freiheit“. Die Grundvoraussetzung, um eine Entscheidung treffen zu können, sei „Freiheit“. Diese wiederum entstehe aus der Entwicklung einer Identität des Subjekts, stellte Prof. Dr. Katharina Karl als ersten Punkt ihres Vortrags fest. Darüber hinaus sei es wichtig, das Entscheiden als einen Prozess zu betrachten. Gerade junge Menschen würden sich heute vor allem mit „überschaubaren“ und „vorläufigen Projekten“ identifizieren. Projekthaftes Engagement sei bei Jugendlichen beliebt. „Was kann Kirche da anbieten?“, stellte Prof. Dr. Karl hinsichtlich einer Berufungspastoral als Frage in den Raum. Bei Entscheidungsfindungen sei letztlich der Moment ausschlaggebend, wenn sich bei einem Menschen Herz, Kopf und Bauch klar würden, was er wirklich wolle. Und dennoch: „Entscheiden hat immer mit dem Herzen zu tun“, sagte Katharina Karl. Die Begleiter/-innen in der Berufungspastoral warnte die Professorin abschließend vor einer Glaubensmanipulation: Es sei wichtig, an der Freude der Jugendlichen mitzuarbeiten, anstatt sich ihres Glaubens zu bemächtigen.                      

Mit einem Spiel, das ähnlich gestaltet war wie das TV-Kinderquiz „1, 2 oder 3“, wurde die Jugendwerkwoche von den Verantwortlichen des Bischöflichen Jugendamtes und des BDKJ Diözesanverband Augsburg am Vormittag eröffnet. „Bei dem Spiel geht es darum, Entscheidungen zu treffen. Die einen gehen nach dem Kopf, die anderen nach dem Herz, wiederum andere nach dem Bauch. Was sind Kriterien, um Entscheidungen zu treffen?“, stellte Diözesanjugendseelsorger Dr. Florian Markter in seiner Begrüßung zum diesjährigen Motto der Jugendwerkwoche fest. Auch Domkapitular Dr. Wolfgang Hacker griff das Thema in einer kurzen Ansprache auf: „Wir alle hoffen und wünschen uns, dass wir mit unseren Entscheidungen im richtigen Lebensfilm gelandet sind.“ Ob seine eigene Entscheidung zum Priester richtig gewesen sei, könne er nur bejahen: „Weil Gott sich für mich entschieden hat.“     

Im Rahmen der Jugendwerkwoche werden in diesem Jahr zwei Preise verliehen: Der Bischof-Simpert-Preis am Montagabend sowie der Filmpreis „BeruFunk!“ am Dienstagabend. Beide Preise werden von Weihbischof Florian Wörner überreicht.

Prof. Dr. Katharina Karl, Leiterin des Jugendpastoralinstituts Don Bosco in Benediktbeuern, referierte zum Thema: „Wie geht entscheiden? Qual der Wahl und die große Freiheit. Foto: Maria Steber / pba.
Prof. Dr. Katharina Karl, Leiterin des Jugendpastoralinstituts Don Bosco in Benediktbeuern, referierte zum Thema: „Wie geht entscheiden? Qual der Wahl und die große Freiheit. Foto: Maria Steber / pba.