06.02.2015 09:00

(pba) Im Bistum Augsburg beginnt an diesem Wochenende die Pastoralvisitation. Anfangen wird Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger im Dekanat Schwabmünchen, genauer gesagt in der Pfarrei St. Felizitas in Bobingen. Generalvikar Harald Heinrich, der ebenfalls zu den von Bischof Konrad eingesetzten Visitatoren gehört, erzählt von seinen persönlichen Erinnerungen, aber auch von seinen Hoffnungen, die er mit den Visitationen verbindet. Die Fragen stellte Karl-Georg Michel.

Generalvikar Harald Heinrich (Foto: pba)

Herr Generalvikar, Sie waren früher Pfarrer in Pfronten im Allgäu. Haben Sie dort auch schon mal selber eine Visitation erlebt?

Als Pfarrer von Pfronten habe ich direkt keine Visitation erlebt, sondern nur „indirekt“, weil genau in dem Jahr (1997), als ich dort Pfarrer geworden bin, eine Visitation stattgefunden hat. In den elf Jahren, in denen ich in Pfronten Pfarrer war, fand dann keine Visitation mehr statt.

Aber vielleicht als Kind? Ich selber erinnere mich noch gut an eine Visitation durch Weihbischof Rudolf Schmid in meiner Heimatpfarrei …

Meine Erinnerung geht tatsächlich zurück in meine Kindheit beziehungsweise Jugend, nämlich nach Weißensberg. Dort war Bischof Dr. Josef Stimpfle im Rahmen einer Visitation bei uns zu Besuch. Das hat sich mir in meinem Gedächtnis sehr gut eingeprägt. Wohl auch deshalb, weil es das erste Mal war, dass ich persönlich unseren Bischof damals erlebt habe, ihm begegnet bin. Ich kann gar nicht genau erklären warum, aber ich kann mich tatsächlich noch sehr gut an den Gottesdienst und sogar an seine Predigt erinnern. Bischof Stimpfle war doch eine durchaus beeindruckende, auch markante Bischofsgestalt.

"Visitation" – das klingt ziemlich formal. Was muss man sich denn darunter konkret vorstellen?

Formal geht es zunächst um eine kirchenrechtliche Verpflichtung. Es geht um Begegnung, Besuch der Pfarreiengemeinschaften unserer Diözese. Im Vorfeld haben die Pfarreien einen Erhebungsbogen ausgefüllt: Kennenlernen der Situation vor Ort, Wertschätzung, aber auch gemeinsam überlegen: Wo sind die Probleme, wie können die jeweiligen Schritte aussehen, die wir in der Pastoral angehen müssen? Ich denke, wichtige Themen sind dabei vor allem die Bedeutung des Sonntags, die Feier der Eucharistie, die Sakramentenvorbereitung - um nur ein paar wenige Stichworte zu nennen.

Wie oft gibt es solche Besuche in den Pfarreien?

Das Kirchenrecht sieht eigentlich vor, dass der Bischof alle fünf Jahre seine gesamte Diözese visitieren soll. Hier ist wohl an sehr überschaubare Diözesen gedacht. In unserem Bistum ist dies von der Größe her, mit nahezu 1000 Pfarreien, völlig unmöglich. Zuletzt wurde unter Bischof em. Viktor Josef Dammertz OSB visitiert, die Visitationen liegen also bereits 10 bis 15 Jahre und länger zurück.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie sähe der konkret aus?

Mein Wunsch für uns als Visitatoren im Blick auf die Gemeinden ist, dass für beide Seiten gute und im Glauben bestärkende Gespräche und Begegnungen mit möglichst vielen Menschen stattfinden können, die vor allem auch von einem großen gegenseitigen Wohlwollen geprägt und gekennzeichnet sind.

Sie haben eben den Erhebungsbogen im Vorfeld erwähnt. Aber wie geht es eigentlich danach weiter?

Heute würde man da wohl vor allem das Wort „Nachhaltigkeit“ nennen. Es geht um konkrete Zielvereinbarungen: Was sind die nächsten Schritte für unsere Pfarreiengemeinschaft unter den veränderten Bedingungen? Wie sieht Pastoral heute aus? Wo müssen wir mehr zusammenarbeiten, damit das Ziel Seelsorgeeinheit sich noch mehr verwirklicht? Dies betrifft sicher auch die Zusammenarbeit auf Dekanatsebene.