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Geschichte der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Westerheim

Geschichte der Pfarrei Westerheim

Westerheim hat seit früher Zeit eine Pfarrkirche besessen. Die erste Nachricht über eine Kirche in Westerheim erhalten wir im Jahre 1099 bei der Stiftung des Klosters Ochsenhausen. Die beiden Widumsgüter in Oberwesterheim deuten an, dass dort die ursprünglich dem hl. Martin geweihte Pfarrkirche stand. Jede Kirche musste vom Stifter mit dem Pfarrhof und mindestens 12 Jauchert Grund zum Lebensunterhalt des Pfarrers ausgestattet sein. Dieser der Kirche gewidmete Besitz war das Widum. Ein weiteres Widumsgut, war in Unterwesterheim, jetzt Standort der Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“.

Westerheim gehörte ohne Zweifel zu den ältesten Pfarreien des Territoriums Ottobeuren und wurde nachweislich im 12. und 13. Jahrhundert mit Geistlichen versehen. Das Patronatsrecht besaß ursprünglich wohl der Bischof von Augsburg, der Zehntherr war. Ab 1439 versorgten Mitglieder des Kreuzherrnordens aus Memmingen die Pfarrei Westerheim. Während des 30jährigen Krieges war die Pfarrstelle teilweise verwaist. Die Kreuzherrn wirkten bis nach der Säkularisation ungefähr 1809 in Westerheim. Nach der Aufhebung der Klöster wurde die Pfarrei vom Ordinariat Augsburg besetzt.

Kapellen und Kirchen in der Pfarrei

Heiligkreuzkapelle


Die Kreuzherrn bestimmten die Heiligkreuzkapelle (Friedhofskapelle) Ende des 16. Jahrhunderts zur Pfarrkirche. Der jetzige noch erhaltene Chor der Kapelle ist im spätgotischen Stil, also im 15. Jahrhundert, erbaut. Auch der Flügelaltar, die Kreuzigung Christi darstellend, mit seinen wertvollen Figuren, stammt aus dieser Zeit. Beachtenswert sind weiter eine stehende Muttergottes um 1470, eine Salvator-Figur, ein Holzrelief um 1600 und das Gestühl aus dem Jahre 1710. 1707 wird berichtet dass die Pfarrkirche Hl. Kreuz viel von Wallfahrern besucht wird, besonders an den Festen des hl. Kreuzes, von dem dort ein Partikel aufbewahrt ist. 1805 wurde die Klosterpfarrei Westerheim in eine Säkular-Welt-Pfarrei umgewandelt. Die Pfarrkirche wurde auf staatliche Anordnung hin 1809 zum Abbruch verkauft. An den noch belassenen Chorraum, den die Gemeinde am 8.5.1809 um 60 Gulden erhielt, wurde 1821 die Kapelle angebaut. 1922 wurde die Kapelle restauriert. Das mit einem blauen Sternenhimmel übertünchte Deckengemälde, es stellt den hl. Martinus dar, wurde freigelegt und erneuert.


Muttergotteskapelle

(ehemaliges Kaufhaus Hebel)

Pfarrkirche wurde 1808 die mitten in der Ortschaft gelegene Muttergotteskapelle.Im Visitationsbericht von 1590 steht das sie ursprünglich den Aposteln Petrus und Paulus geweiht war. Sie wurde vergrößert und der hl. Martin wurde Kirchenpatron. Im Jahre 1842 klagte Dekan Königsberger, dass die Kirche für die fast 600 Seelen große Pfarrgemeinde viel zu klein sei.Die Pfarrei entschied sich für einen Neubau und verkaufte 1879 die Muttergotteskapelle an die Geschwister Thomas und Anna Burtscher, die das Gebäude umbauten und als Wohn- und Kaufhaus nutzten.

Die jetzige Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Der Neubau einer Kirche ließ dennoch lange auf sich warten. Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass man sich mit dem Staat nicht über die Ablösesumme (Abbruch der HL. Kreuzkirche) einigen konnte. Es kam hinzu, dass Dekan Königsberger zunächst nur an einen Erweiterungsbau dachte und auch schon Pläne anfertigen ließ, diese aber von seinem Nachfolger, Pfarrer Hohenecker, wieder verworfen wurden. Hohenecker der für einen Neubau eintrat, musste die Verwirklichung seiner Idee schließlich seinem Nachfolger, Pfarrer Michael Ehrenhuber, überlassen. Im Frühjahr 1877 wurde der Grundstein gelegt. Er ist im südwestlichen Eckpfeiler in einer Höhe von etwa 80 cm eingemauert. Die ausgehauene Vertiefung des Sandsteins enthält eine Urkunde und die damaligen Münzen. Schon im Frühjahr 1878 konnte der Turm aufgerichtet werden. Der Backsteinbau mit seinem 52 m hohen Turm weist innen und außen eine konsequente neugotische Gestaltung auf. Im Jahr 1879 war der Bau der Kirche vollendet und sie konnte am 9. September ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Kosten beliefen sich auf 120 000 Mark. Die Kirche wurde am 13. Juni 1880 durch Bischof Pankratius von Dinkel eingeweiht.

Baugeschichte der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

1873 - Erfolgreiche Ablösungsverhandlungen mit dem Staat

1876 - Protokoll des Bauplatzes, Umsiedlung des Bauernhofes (heute Rampp Andreas)

1877 - Grundsteinlegung

1877 - Herbst - Kuppel mit Kreuz werden auf Turmspitze gebracht

1878 - Aufziehen der neuen Glocken

1879 - Mai - Baubeendigung

1879 - August - Aufstellen der Altäre

1880 - Konsekration der Kirche

Bauamtmann Gustav Renner aus Memmingen fertigte den Plan und war zugleich bautechnischer Leiter. Spenglerarbeiten - Theodor Diesel aus Memmingen, Maurerarbeiten - Stiermann aus Kaufbeuren, Glasmalerei - Dr. Oidtmann aus Aachen, Schieferdach - Unger aus Memmingen, Schlosserarbeiten - Anton Winkler aus Fellheim, Dachstuhl - Matthäus Baudrexl aus Westerheim, Glocken - Fritz Hamm aus Augsburg, Kirchenuhr Johann Neher aus München, Schreinerarbeiten - Wilhelm Engel aus Babenhausen.


Judas-Thaddäus-Kapelle

Die Kapelle wurde von der Familie Depprich 1967 anlässlich des 100 jährigen Firmenjubiläums errichtet.

Barbara-Kapellenmarterl


Erstmals erwähnt wird die Kapelle 1507 bei der Errichtung der neuen Zollstätte bei St. Barbara durch die Klosterherrschaft Ottobeuren. Der ehemals vorhandene Friedhof bei der Kapelle deutet auf die Pestzeit Mitte des 14. Jahrhundert hin. 1525 Zerstörung der Kapelle im Bauernkrieg, Wiederaufbau und Weihe durch das Kloster Ottobeuren. 1809 Entweihung der Kapelle. Die Zollstätte wurde als landwirtschaftliches Gebäude genutzt, das Anwesen „beim Käppeler“ wurde 1941 abgebrochen. Zur Erinnerung an diesen geschichtsträchtigen Ort wurde anlässlich der 1250 Jahrfeier 2015 das Barbara-Kapellenmarterl errichtet.