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St. Anna in Schöffau

Der nachfolgende Text ist auszugsweise dem Heftchen "Vom Inselkloster zur Pfarrei am Staffelsee", gestaltet von Günter Bitala, entnommen. Das Heftchen ist im Pfarrbüro erhältlich.

Über viele Jahrhunderte hinweg mussten auch die Schöffauer Bürger den beschwerlichen Weg zur Pfarrkirche auf der Insel Wörth zurücklegen. Wann die heutige Dorfkirche gebaut wurde, lässt sich nicht genau festlegen. Sie dürfte vor 1621 entstanden sein.

Es handelt sich um einen Kirchen-Neubau, der Mauerreste aus dem 14. Jahrhundert mit einbezieht. So sind Überbleibsel einer gotischen Kirche rund um die jetzigen Außenmauern zu finden: Unter den Hauptmauern des Chores, die einen gotischen Grundriss zeigen, Reste von Spitzbögen bei den Chorfenstern, gotische Arbeiten an den Altarsteinresten und an einem eisernen Türchen an der Rückseite des Hochaltares. Gut erhalten blieb auch das gotische Eingangsportal und eine gotische Wandgestaltung, die einst die Nordseite des Langhauses überzog und den Rest eines Passionszyklus zeigt. Der Turm des Bauwerkes stammt ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Er ist 25 Meter hoch und besitzt ein Satteldach. Der gesamte Turm ist aus Ackersteinen gebaut.

Hochaltar
Hochaltar

Die Kirche ist in der klassischen „West-Ost-Richtung“ ausgelegt. Sie besteht aus einem etwas erhöhten Chor und einem einschiffigen Langhaus. Das Tonnengewölbe besteht aus Holz und hängt direkt am Gebälk des Dachstuhls. Das Kreuzgewölbe im Chor dagegen besteht aus Backsteinen. 

An der Südwand des Langhauses wurden Fragmente von gemalten Epithaphien aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Sie zeigen bedeutende Bürger der Gemeinde. Ausgestattet ist die Kirche mit den typischen ländlichen Stilmitteln des Barock. Von besonderem künstlerischen Wert sind die alten Holzfiguren: Über dem Hochaltar befindet sich die Statue einer sitzenden Madonna aus dem 16. Jahrhundert. Die beiden Seitenaltäre stammen von dem Schöffauer Kistler Anselm Bußjäger, wie auch die nicht mehr vorhandene Kanzel.

 

 

Beide Seitenaltäre zeigen bereits klassizistische Formelemente und sind der „Mutter-Anna“ und „Johannes dem Täufer“ geweiht. An die 1,12 Meter große, bemalte Holzfigur der „Mutter-Anna“ (16. Jhdt.) wurde später ein Jesukind und eine Madonna zugefügt., so dass es sich heute um eine „Anna-Selbdritt-Gruppe“ handelt. Die Statuen des heiligen Josef und des heiligen Joachim stammen aus dem frühen Barock.

Anna-Selbdritt-Gruppe
Anna-Selbdritt-Gruppe

Schmuckstück der Innenausstattung ist die Holzfigur der Mutter Gottes aus dem 14. Jahrhundert. Sie befindet sich heute auf der Frauenseite, anstelle der alten Kanzel.

Auf diese Madonna gründet sich der Ruf der Kirche als seinerzeit weit bekannter Wallfahrtsort. Diese Marienwallfahrt begann im Mittelalter. Auf einem Wallfahrtsbrief aus dem Jahr 1517 ist ein

Schöffauer Marienwunder beschrieben. Dieses Blatt befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München.

Bis 1672 waren die Wallfahrten auf dem Höhepunkt. An den Samstagen der Bittwochen kamen regelmäßig mehr als 20 Pilgergruppen aus allen Teilen des Landes. Der Volksmund erzählt, das Gnadenbild würde die Farbe eine Neubemalung nicht annehmen. Im ausgehenden 17. Jahrhundert nahm die Beliebtheit Schöffaus als Wallfahrtsort dann jedoch ab.

Der Dachstuhl stammt aus den Jahren 1806/07. Der Maler Benedikt Mangold aus Unterammergau renovierte den Gesamtbau 1856. Diese Arbeit vollendete Richard Mangold aus Weilheim 1897. Das Glockenhaus mit seinem Kreuzgewölbe diente als Sakristei. Die jetzige Sakristei erhielt 1856 einen zweiten Stock. Der alte Glockenturm musste 1970 mit ungefähr 120 Zentnern Zement verstärkt werden, weil er beim Läuten zu heftig schwankte.

 

Im Jahr 2007 wurde die Kirche aufwendig restauriert.