Pfarrkirche St. Georg Lützelburg

Patrozinium 23. April

Baugeschichte:

Die Pfarrkirche ist Zeugin einer langen Geschichte. Wer sie mit wachem Auge betrachtet, der entdeckt in ihr verschiedene Baustile, unterschiedliche künstlerische Richtungen und den unendlichen Fleiß und die Opferbereitschaft der Menschen des Ortes. Mehr noch aber entdeckt der Betrachter den Glauben der katholischen Kirche und die Frömmigkeit der hiesigen Bevölkerung. Die Pfarrkirche ist in erster Linie Haus Gottes, Haus des Glaubens. Mit all ihrer Pracht und Schönheit, mit ihren Bildern und Figuren möchte sie die Menschen, die zu ihr kommen, um zu beten und zu feiern, hinführen zu Christus, dem Erlöser.
Die Auswahl des Hl. Georg als Patron der Kirche lässt die Vermutung zu, dass bereits mit der Ortsgründung um 1100 n. Chr. auch eine erste romanische Kirche errichtet wurde, da der Hl. Georg besonders im 12. Jahrhundert als Patron der Kreuzfahrer verehrt wurde. Diese Vermutung wird unterstützt dadurch, dass der heutige Kirchebau, der in den Rundbogenfenstern und dem Turm mit dem Satteldach eindeutig romanische Züge aufweist, in einer Zeit entstanden ist, als die romanische Stilepoche längst vorbei war. Mit dem Bau des Langhauses der heutigen Kirche wurde 1609 n. Chr. begonnen, drei Jahre später folgten Chorraum und Turm. Der Turm wurde nach den Plänen und unter der Aufsicht des berühmten Augsburger Stadtbaumeisters Elias Holl errichtet. Dies geht auch aus dessen eigenen Aufzeichnungen hervor. So wurde der heutige Kirchenbau im Jahr 1614 vollendet. In den darauf folgenden Jahrhunderten bis heute wurde die Pfarrkirche oftmals von den Wirrnissen der Geschichte erfasst und teilweise zerstört. Sie musste wiederaufgebaut werden und erfuhr eine Umgestaltung des Innenraumes zusammen mit einer Ergänzung durch Bilder und Figuren, bis sie so wurde, wie wir sie heute kennen. 1633 wurde die Kirche durch schwedische Kriegsvölker teilweise zerstört und musste von den Handwerkern des Ortes wieder aufgebaut werden. 1761 wurde eine grundlegende Umgestaltung des Innenraumes, Ausmalungen und Stuckaturen vorgenommen. Im Jahre 1785 wurde der Hochaltar neu angeschafft, der von dem damals aufgehobenen Franziskaner-Kloster in Welden käuflich erworben wurde. 80 Jahre später erfolgte eine Bereicherung des Kircheninnenraumes mit zwei neuen Seitenaltären und einer neuen Kanzel. Deckenfresken, die bis heute im Wesentlichen den Kirchenraum bestimmen, wurden im Chor und im Langraum angebracht. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1893. Seit dem Jahr 1895 bis heute wurde die Kirche sechsmal restauriert, das Mauerwerk isoliert und verschiedene Erneuerungen, z. B. Sakristei und Heizung angebracht. Ihr jetziges Aussehen im Innenraum hat die Kirche durch die letzte Renovierung in den Jahren 1975 - 1978 erhalten. Sie zeigt sich uns nun als ein ansprechendes Haus Gottes, in das die Menschen kommen, um Gott anzubeten und um Kraft zu schöpfen für das alltägliche Leben. Bis heute ist die Kirche der Mittelpunkt des ganzen Dorfes und durch ihre zentrale Lage und den mächtigen Turm das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes.

Altarraum

Der Altarraum ist in jeder Kirche der Mittelpunkt gottesdienstlichen Handelns. Seit dem II. Vatikanischen Konzil kennt die Kirche den Tisch des Wortes und den Tisch des Brotes. Beide gehören zusammen. Dies kommt mehrfach im Altarraum zur Geltung. Der Altartisch und das Lesepult, der Ambo, ruhen beide auf Teilen des berocken Kommuniongitters.

Über dem Altartisch befindet sich das Bild der vier Evangelisten, die uns die frohe Botschaft Jesu aufgeschrieben haben und bis heute verkünden.

In den so genannte Stichkappen an der Decke des Altarraumes findet man vier Rundmedallions mit vier Kirchenvätern. Als Kirchenväter verehrt die katholische Kirche jene Männer, die im Altertum in Einheit mit dem Glauben der Kirche versuchten, die Botschaft Jesu für die Menschen ihrer Zeit in das alltägliche Leben zu übersetzen. Die vier größten Kirchenväter der Kirche, um die es sich auch bei den Bildern des Altarraumes handeln dürfte, sind: Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor der Große.

Auf dem Tisch des Hochaltars steht der Aufbewahrungsort für das eucharistische Brot, der Tabernakel, dessen Gehäuse neu ist, dessen Türen aber vom alten Tabernakel aus dem Jahre 1785 stammen dürften.
An der rechten Wand des Altarraumes ist ein sehr schönes und altes Bild der Mutter Gottes dargestellt. Es stammt aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.

Im Altarraum befindet sich auch ein sehr wertvoller Taufstein aus Juramarmor aus dem 17. Jahrhundert. Seine Platzierung an dieser Stelle hat ebenfalls eine sehr sinnträchtige Bedeutung und passt zur Gesamtaussage des Altarraumes. Die Taufe ist das erste Sakrament, das ein Mensch empfängt. Sie gliedert den Mensche ein in die große Gemeinschaft der Glaubenden, in die Kirche.
Die Taufe setzt aber das Hören des Wortes Gottes voraus und führt hin zum Höhepunkt gläubigen Handelns, zum Empfang des eucharistischen Brotes.
So stellt der Altarraum eine Einheit dar zwischen Taufe, Verkündung des Wortes Gottes und Empfang der hl. Kommunion.

Fresken und Gemälde des Mittelschiffs

Die Fresken und Gemälde des Mittelschiffs stellen uns die wichtigsten Ereignisse der Geschichte Gottes mit den Menschen dar. Sie sind eine einprägsame Verkündung der Heilsgeschichte.

Wenn der Betrachter von der Stufe zum Chorraum zurückblickt auf die Brüstung der Empore, entdeckt er drei Ereignisse aus dem alten Testament, die von ihrer Aussage her hinweisen auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der gegenüber im Hochaltar seinen Platz gefunden hat. Das linke Bild der Emporenbrüstung stellt die Opferung des Isaak durch seinen Vater Abraham dar. Im 22 Kapitel des Buches Genesis heißt es: "Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf."
Die Kirchenväter der ersten christlichen Jahrhunderte und die christliche Kunst sahen in diesem Holz tragenden Isaak einen Hinweis auf Jesus Christus, dem ebenfalls das Holz des Kreuzes aufgeladen wurde. Ferner erkannten sie in der Rettung des Isaak vom Tode Jesus, der durch Gott selbst vom Tod erweckt wird und neues Leben empfängt.
Das zweite Bild in der Mitte der Brüstung, das Mose und eine eherne Schlange darstellt, deutet Jesus selbst beim Evangelisten Johannes: "Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Mensch erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat."
Im rechten Bild empfängt Moses aus er Hand Gottes die zehn Gebote. Sie sind bis heute Grundlage des christlichen Lebens, denn Jesus hat gesagt: "Ich bin gekommen, um die Gebote zu erfüllen, nicht um sie aufzuheben."
Die Darstellungen an der Decke der Kirche beschäftigen sich mit Ereignissen aus dem Neuen Testament. Von vorne aus betrachtet, beginnt die Bilderreihe direkt über der Orgel mit der Darstellung der Jungfrau Maria, die mit einer Schriftrolle in der Hand versunken ist im Gebet.
Daran schließt sich rechts hinten über der Empore die Verlobung der Mutter Gottes mit dem Hl. Josef an.
Im nächsten Bild ist die Verkündigungsszene dargestellt. Der Engel Gabriel verkündet im Auftrag Gottes der Jungfrau Maria, dass sie den Sohn Gottes empfangen und zur Welt bringen darf. Ihr Jawort, ihre Bereitschaft zu diesem Werk Gottes ist entscheidend für das nächste Bild, das sich im Zwickel befindet und die Geburt Jesu in Bethlehem darstellt. Beeindruckend an diesem Bild ist besonders, dass das Jesuskind auf dem blanken Boden liegt. Dies soll zum Ausdruck bringen, wie sehr doch der Herr herabsteigt in die Armut eines menschlichen Lebens. Nicht alle Menschen erkennen in diesem armen Kind den Erlöser der Welt. Die drei Weisen aus dem Morgenland, die auf dem nächsten Bild dargestellt sind, erkennen ihn kommen und beten ihn an. Das auserwählte Volk jedoch, die Israeliten sind blind für das Wirken Gottes mitten unter ihnen. So lässt Herodes das Kind suchen, um es zu töten. Maria und Josef müssen mit dem Kind nach Ägypten fliehen. Dies ist das erste Bild auf der linken Seite, von vorne beginnend.

Im Zwickel auf der linken Seite findet man die Darstellung der Taufe Jesu. Der Herr, der ohne Sünde war, geht hinab zum Jordan, um dort von Johannes die Taufe zu empfangen. In diesem Handeln zu Beginn seines öffentliche Wirkens zeigt Jesus, dass er in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu retten. Der Widersacher Gottes, der Teufel, versucht, die Mensche in seinen Bann zu ziehen. Er macht nicht einmal halt vor dem Menschgewordenen Sohn Gottes. Da er ganzer Mensch war, wird auch er versucht, was das vorletzte Bild auf der linken Seite der Deckenwand darstellt. Jesus aber besteht die Versuchung und weist den Satan in seine Schranken. Jeder, der an Christus glaubt, hat die Kraft, das Böse zu besiegen. Dies verheißt der Herr seiner Kirche.
Im letzten Bild übergibt Jesus dem Petrus die Schüssel des Himmelreiches. Dabei spricht er die Worte: "Du bist Petrus der Fels und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen."
An einer anderen Stelle des neuen Testamentes sagt der Herr. "Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Diese Aussage wird besonders verdeutlicht durch die drei großen Gemälde in der Mitte der Decke. Von vorne beginnend erkenne wir Christus, den Auferstandenen, der den Tod und den Widersacher Gottes besiegt hat. Er lebt und herrscht in Ewigkeit. Der Auferstandene bleibt bei seiner Kirche. Dies erweist sich am Pfingstfest durch die Sendung des Hl. Geistes, welche dargestellt ist im größten Deckengemälde der Kirche. Der Hl. Geist ist der von Jesu verheißene Beistand, der die Menschen einführen will in die volle Wahrheit seiner Botschaft, der die Kirche begleitet durch die Zeiten der Geschichte. Er ist es, der das Erlösungswerk Jesu Christi vollenden wird bis hin zu dem Augenblick, in dem der Herr, wie auf dem letzten Bild in der Mitte der Decke dargestellt ist, als großer Weltenrichter wiederkommen wird am Jüngsten Tag.

Während die Bilder der Decke uns die wichtigsten Ereignisse der Heilsgeschichte zum Ausdruck bringen, lassen uns die Gemälde und Darstellungen an den beiden Seitenwänden der Kirche den Leidensweg Jesu noch einmal lebendig werden. Von den vierzehn Kreuzwegstationen angesprochen, kann der Gläubige, besonders in der Fastenzeit, den Leidensweg mitgehen. An der nördlichen Langhauswand erkennen wir ein großes sehr bewegtes und vielfiguriges Kreuzigungsgemälde aus dem frühen 17. Jahrhundert.
An der Langhausrückwand befindet sich eine barocke Kreuzigungsszene von 1766, die auf gelungene Weise als eine Station in den Kreuzweg eingepasst wurde.

Das Vortragekreuz aus der Zeit um 1530 ist an der Rückwand es Kirchenschiffs angebracht. Es wird bei Prozessionen und Bittgängen dem Zug der Gläubigen voraus getragen.
Auch der Patron der Kirche, der Hl. Georg, der durch die Gnade Gottes das Böse besiegt hat, begleitet als Tragfigur, eine Holzschnittarbeit aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die betenden Gläubigen. Als Zeichen seines Sieges über das Böse wird er dargestellt, wie er den Drachen tötet.

Figuren der Kirche

In die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen gehören auch die Heiligen. In ihrem Leben kam die Gnade Gottes besonders deutlich zur Entfaltung, so dass sie ein beispielhaftes Leben nach der Botschaft Jesu führen konnten. Deshalb haben sie nach ihrem Tod das Heil in der ganzen Fülle schon empfangen, dadurch, dass sie bei Gott sind. So sind sie für die Gläubigen Vorbilder und Fürsprecher zugleich.
In den beiden Seitenaltären, eingefasst von korinthischen Säulen, befindet sich die Darstellung der Mutter Gottes mit dem Kind und auf der rechten Seite die Darstellung des Hl. Josef. Beide standen in einer engen Liebesbeziehung zu Jesus. Ihnen gebührt daher die größte Verehrung der Gläubigen vor allen anderen Heiligen.
Jeweils in den Sockelzonen finden wir quadratische Reliquienkästen. Zu Füßen der Mutter Gottes hat auf der linken Seite Jakobus der ältere mit der Pilgermuschel in der linken Hand seinen Platz gefunden. Auf der rechten Seite steht eine Figur des Hl. Johannes Nepomuk, des Patrons der Beichtväter. Zu Füßen des Hl. Josef am rechten Seitenaltar erkennen wir links die Hl. Barbara und rechts den Hl Sebastian. Beide Heilige haben ihr Leben aus Liebe zu Christus hingegeben in den ersten christlichen Jahrhunderten.
Alle diese Figuren stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
An der rechten Seitenwand der Kirche sehen wir neben der Tragfigur des Hl. Georg eine Herz-Jesu-Darstellung aus neuerer Zeit, die den Gläubigen die liebende Hingabe Jesu am Kreuz verdeutlichen will, aus der die Sakramente und die Kirche ihren Ursprung nahmen.
In der linken Seitenwand der Kirche befindet sich in einer Nische die Darstellung „Jesu in der Rast“, ein Werk aus dem 17. Jahrhundert. Erschöpft vom Tragen des schweren Kreuzes ruht der Herr aus, bevor er den Tod am Kreuz auf sich nimmt.
Im Altarraum sehen wir auf der linken Seite eine sitzende Mutter-Gottes-Figur aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine besondere Bedeutung hat aber die Figur des Hl. Nikolaus aus dem 15. Jahrhundert, die sich an der rechten Seite des Altarraumes befindet. Sie ist die älteste und wertvollste Figur der Kirche und stammt aus der abgebrochenen Nikolauskapelle in Muttershofen, einem Ortsteil von Lützelburg.
Im Rundbogen zwischen Chorraum und Mittelschiff erkennen wir die Köpfe der beiden großen Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Text: verfasst von Domkapitular Prälat Josef Heigl,
vor der Kirchenerweiterung
seinerzeit Pfarradministrator in Lützelburg