4. Pädagogische Arbeit

1. Die pädagogischen Bereiche

Die tägliche Arbeit in unserer Einrichtung orientiert sich an der Persönlichkeit sowie den individuellen Bedürfnissen und Interessen des Kindes. Durch eine strukturierte Beobachtung erkennen wir den Entwicklungsstand jedes Einzelnen. Daraus ergeben sich für uns Handlungsgrundlagen, die wir in folgenden Bereichen in die Praxis umsetzen:

1.1 Emotionaler Bereich

Gefühle gehören zum Leben. Gefühle wie Freude, Zuneigung, Angst, Schmerz und Wut begegnen uns in unserer täglichen Arbeit.
Wir nehmen jedes Kind in seiner Persönlichkeit an. Lob und Anerkennung ist die Basis, damit das Kind Vertrauen entwickeln kann und sein Selbstbewusstsein gestärkt wird. Bei verschiedenen Aktivitäten, Spielen und Gesprächen lernt das Kind sich selbst und andere besser kennen.
Dabei entwickelt und erprobt es seine emotionale Kompetenz und lernt mit Frustrationen umzugehen. Erst dann kann es sich in andere hineinversetzen und Einfühlungsvermögen zeigen.
Zur Einübung bestimmter Verhaltensweisen bieten wir Kooperations- und Rollenspiele an. Insbesondere der Umgang mit unangenehmen Gefühlen muss geübt werden. Gemeinsam erarbeitete Grenzen und Regeln erleichtern den Umgang untereinander. Das Erlernen von Entspannungstechniken, Traumreisen, Bewegungsspielen und Rückzugsmöglichkeiten sind präventive Möglichkeiten, die wir in unsere Arbeit integrieren. Damit tragen wir zur inneren Ausgeglichenheit und zum Wohlbefinden des Kindes bei.

1.2 Sozialer Bereich

Der Kindergartenbesuch ist für die meisten Kinder eine erstmalige Loslösung vom Elternhaus über einen längeren Zeitraum. Familienmitglieder, z. B. Geschwister, können dem Kindergartenkind den Übergang erleichtern.
Bei uns in der Gemeinschaft lernt das Kind, Beziehungen zu verschiedenen Personen aufzubauen. Durch Gespräche und Spiele kann es seine Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit einüben. Es lernt mit anderen Kindern und Erwachsenen zusammenzuarbeiten, sich abzusprechen, gemeinsam etwas zu planen und danach über seine Erfahrungen und auch über Gefühle zu sprechen. Dies führt zu einem offenen und wertschätzenden Klima innerhalb der Gruppe.
Wir legen Wert darauf, dem Kind die Möglichkeit zu schaffen, selbständig zu entscheiden und seinen Kindergartenalltag aktiv mit zu gestalten. In einer Kinderkonferenz kann es seine eigene Meinung vertreten und persönliche Sichtweisen äußern. Dieses Zusammenleben ermöglicht dem Kind, andere Meinungen zu akzeptieren, Kompromisse einzugehen und sich an zuverlässige Absprachen zu halten. Es erarbeitet sich transparente Strukturen, die das Einhalten von Grenzen und Regeln gut ermöglichen.

1.3 Sprachlicher Bereich

Für das Kind ist die Sprache ein wichtiges Medium um sich auszudrücken. Es kommuniziert von Anfang an mit seiner Umwelt durch Mimik, Gestik und Laute.
Für den Spracherwerb ist es unerlässlich, sich mit anderen auszutauschen und zu interagieren. Denn Sprache wird nicht allein durch Zuhören erlernt.
Im Kindergarten achten wir deshalb darauf, das Kind zu motivieren sich sprachlich mitzuteilen und sich mit anderen auszutauschen. Auch lernt das Kind, aktiv zuzuhören und eigene Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln. Dies geschieht beispielsweise im Stuhlkreis oder bei unseren Kinderkonferenzen. Das Kind lernt, sich an Gesprächsregeln zu halten und hat die Möglichkeit, seine Anliegen mitzuteilen.
Neben den täglichen pädagogischen Angeboten zur Sprachförderung für die gesamte Gruppe, wie z.B. Fingerspiele, Erzählrunden, Bilderbücher usw., bieten wir zusätzliche Sprachförderprogramme an. Dabei wird den Vorschulkindern ein Einblick in die Lautstruktur der Sprache gegeben und der Schriftspracherwerb erleichtert.
Unsere Spielecken in den Gruppen sind so eingerichtet, dass sie zu Rollenspielen motivieren. So kann sich das Kind in eine phantastische Welt hineinversetzen, reale Erlebnisse verarbeiten und auf spielerische Weise seinen Wortschatz erweitern.

1.4 Mathematischer Bereich

Das Kind wächst in einer Welt voller Mathematik auf. Im Alltag kommen geometrische Formen, Zahlen und Mengen immer wieder vor.
Wir ermöglichen dem Kind, spielerisch ganzheitliche Erfahrungen zu sammeln, bei denen es mathematische Kompetenzen entwickelt. Die Auseinandersetzung mit mathematischen Inhalten und geometrischen Formen helfen dem Kind, alltägliche Dinge in ihren Beziehungen zu ordnen und zu strukturieren. Wir regen das Kind an zu beobachten, zu fragen, zu untersuchen, Vermutungen anzustellen und diese zu überprüfen.
Zum Beispiel werden im Morgenkreis zunächst alle Kinder gezählt und anschließend alle Mädchen und alle Jungen. Mit diesen Zahlen können wir eine nachvollziehbare Rechenaufgabe stellen.
Ein jährliches Projekt heißt „Entdeckungen im Zahlenland“, entwickelt und wissenschaftlich begleitet von Professor Preiß. Die Kinder werden in diesem Programm mit den Zahlen 1 – 10 bekannt und vertraut gemacht.

1.5 Naturwissenschaftliche Erziehung

Der natürliche Forscherdrang des Kindes kommt diesem Bereich sehr entgegen. Es bekommt dadurch viele Zugänge zu technischen und naturwissenschaftlichen Themen. Die Naturphänomene und die Fragen der Kinder nach dem „Warum?“ und „Wieso?“ greifen wir auf. Zum Erforschen, zum Entdecken und zum Experimentieren stehen den Kindern verschiedene Materialien zur Verfügung.
Im Freispiel sowie in gezielten Angeboten wollen wir diese kindliche Neugier und diesen Wissensdrang erhalten, fördern und erweitern.

1.6 Umwelterziehung

Unsere Kinder wachsen in einer ländlichen Umgebung auf. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, die Kinder für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und der Schöpfung zu sensibilisieren. Außerdem ist es uns wichtig, dem Kind Achtung und Respekt gegenüber der Natur zu vermitteln.
In der Praxis bedeutet das für uns:
-Vorbild sein für das Kind
-die Neugierde des Kindes wecken
-das Kind durch Naturbeobachtungen sensibilisieren (z.B. wie verändert der Baum innerhalb eines Jahres sein Aussehen? Welche Tiere können wir bei uns beobachten?)
-der Natur begegnen bei Spaziergängen und Waldtagen
-das Umweltbewusstsein des Kindes stärken (z.B. Mülltrennung)
-ökologische Zusammenhänge erkennbar machen

1.7 Kreativer Bereich

Kreativität ist die Fähigkeit des Menschen, im Denken neue, auch unerwartete und überraschende Wege zu gehen.
Die Kreativität des Kindes zu stärken heißt, ihm die Entfaltung seiner Persönlichkeit zu ermöglichen.
Der Werk- und Kreativraum bieten ausreichend Platz und anregendes, altersgemäßes Material.
Wir unterstützen das Kind in seinem Handeln, geben Anreize, um kreativ werden zu können, und lassen Freiraum für eigene Entscheidungen. Wir lassen das Kind Erfahrungen sammeln und geben ihm bei Bedarf fachliche Impulse.

1.8 Musikalischer Bereich

Musik hat einen großen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Bereiche, wie zum Beispiel Motorik, kognitive Kompetenz, Kreativität, Sprache und soziale Kompetenz stehen in enger Verbindung mit dieser und werden durch sie gefördert.
In unserer Praxis bieten wir dem Kind musikalische Angebote und Rituale, z.B. Lieder und Klanggeschichten, sowie Rhythmik oder Tanz an. Es entdeckt die Körperinstrumente und lernt den Umgang mit Instrumenten. Auch unterstützen wir das Kind bei der Stimmbildung und führen es an verschiedene Musikrichtungen heran.

1.9 Gesundheit und Bewegung

Bei uns hat Bewegung einen hohen Stellenwert, da sie die Gesundheit des Kindes positiv
beeinflusst.
Das heißt für uns im Team, dass wir den Kindern vielfältige motivierende Bewegungsanreize bieten. Wir regen verschiedene Aktionen an, damit die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben können. Zum Beispiel bieten wir Bewegungsbaustellen, gezielte Sport- und Gymnastikeinheiten, Phantasiereisen, Tanzen oder Waldwochen an. Zur Entspannung hat das Kind die Möglichkeit, sich in den Ruheraum zurückzuziehen. In unserer ganzheitlichen Erziehung werden auch viele Sinnesübungen (taktiles Empfinden, sehen, hören, riechen und schmecken) zum besseren Begreifen eingebaut. Auch erarbeiten wir mit den Kindern immer wieder Themen wie "Mein Körper", "Erste Hilfe" oder "Gesunde Ernährung - gesunde Zähne".

1.10 Religiöse Erziehung bei uns im Kindergarten

Die frohe Botschaft Jesu ist Glaubensinhalt und Grundlage unserer Arbeit.
Unsere Weltbilder verändern sich in immer kürzeren Intervallen. Gerade deshalb brauchen Kinder klare Orientierungshilfen und Antworten auf ihre Fragen (z. B. Umgang mit Sterben und Tod, Konfliktbewältigung, Umwelt als Schöpfung, ihre Erfahrungen im Umgang mit Gefühlen und verschiedenen Religionen).
Wir bauen auf das christliche Gottes-, Menschen- und Weltbild auf. Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll. Gleichzeitig leben wir aber in einer Gemeinschaft und üben im täglichen Miteinander die christliche Haltung von Frieden und Versöhnung.
Deswegen ist interkulturelle Erziehung für uns selbstverständlich. Wir sind gemeinsam unterwegs, unsere christlichen Grundsätze und fremde Kulturen immer wieder neu zu entdecken und zu überdenken. Ebenso sind wir für unsere Natur und Umwelt verantwortlich.
Diese grundlegenden Werte helfen den Kindern bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Sie finden durch den Glauben Halt und Orientierung.
In unserer religionspädagogischen Praxis vermitteln wir kindgerecht den christlichen Glauben unter Berücksichtigung der Ganzheitlichkeit, in dem wir:
-beten und religiöse Lieder singen
-biblische Geschichten, das Leben der Heiligen und Glaubenserzählungen weitergeben, erarbeiten und gestalten
-Kirchenfeste im Jahreskreis erleben und daran teilnehmen
-Gottesdienste feiern und gestalten
-christliche Werte und Haltungen im täglichen Umgang miteinander vorleben und vermitteln
-Herrn Pater Georg, wann immer es möglich ist, in die religiöse Erziehung im Kindergarten mit einbeziehen
-andere Kulturkreise kennen lernen

2. Planung der pädagogischen Arbeit

Die Planung unserer pädagogischen Arbeit bietet Kindern und Eltern einen verlässlichen Rahmen und die Möglichkeit mitzuwirken und mitzugestalten.

3. Beobachtung und Dokumentation

Die Beobachtung und Dokumentation sind grundlegende Bestandteile unserer
Arbeit.
Wir führen dies regelmäßig und gezielt aus, um ein Bild von der Entwicklung des Kindes zu erhalten und es wirksam in seinen Bildungsprozessen zu begleiten. Durch diese Beobachtungen nehmen wir jedes Kind bewusst mit seinen individuellen Bedürfnissen und Interessen wahr und können es so ganzheitlich fördern.
Wir verwenden vielfältige Dokumentationsformen. Für jedes Kind erstellen wir einen Portfolio - Ordner, indem wir mit ihm gemeinsam einzelne Entwicklungsschritte, Lernerfolge, Erfahrungen und Erlebnisse dokumentieren.
Wichtig ist uns dabei der Dialog mit den Eltern, um die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich zu begleiten.

4. Praktische Umsetzung

Schaubild: praktische Umsetzung
Schaubild: praktische Umsetzung