St. Andreas Lauingen

Die am östlichen Rand der mittelalterlichen Altstadt stehende Andreaskirche ist die älteste erhaltene Kirche Lauingens und geht auf das 13. Jahrhundert, und damit auf die Zeit des Lauinger Stadtpatrons Alberts des Großen, zurück.

Geschichte der Kirche:

Die Kirche lag ursprünglich vor der Stadt an der früheren Stadtmauer, beim Dillinger Tor. Sie wurde erst bei der Stadterweiterung im 14. Jahrhundert in den Mauerring einbezogen. Der Erbauer des Gotteshauses ist unbekannt. Die erste Nennung der Kirche in einer Urkunde ist im Stadtarchiv Lauingen zu finden. Bei der Auseinandersetzung, wem das Patronatsrecht an den hiesigen Kirchen zustehe, entschied der Bischof von Augsburg 1479, dass dem Abt von Ettal dieses Recht über die St. Andreaskirche gehöre. Erst 1531 kam es an die Stadt Lauingen, nachdem diese alle Pfründen vom Abt von Ettal zurückerworben hatte. Im Zuge der Reformation und der damit verbundenen Einführung des protestantischen Glaubens wurde die Andreaskirche von der evangelischen Gemeinde genutzt. Nach der Wiedereinführung des katholischen Bekenntnisses drängte Herzog Wilhelm auf die Rückerstattung der ehemaligen Kirchengüter. 1699 erhielt St. Andreas den heutigen Hochaltar, 1720 bis 1730 erfolgte die Barockisierung des Innenraumes. Bei der Säkularisation 1803 stellte der Rat der Stadt Überlegungen an, die Andreaskirche gegen das in den Besitz des Staates gelangte Augustinerkloster zu tauschen. Der Tausch kam jedoch nicht zustande. Von 1942 – 1959 diente die Kirche der evangelisch lutherischen Gemeinde Lauingen als Gotteshaus, da sich unter den Heimatvertriebenen des Zweiten Weltkrieges viele evangelische Christen befanden, die einen eigenen Ort des Gebetes bekommen sollten.

Von 2010 bis 2015 war eine umfangreiche statische Sicherung, die Renovierung der Außenfassade, der Fenster, des Dachstuhls und des Turms vonnöten. Zu Beginn des Jahres 2017 stürzte ein Teil des hinteren Deckenfreskos herab; nach einer Notsicherungsmaßnahme wurde dieses Fresko, das den wunderbaren Fischzug darstellt, im Jahr 2019 restauriert und rekonstruiert. In diesem Zuge wurde die gesamte Raumschale neu gefasst und die übrigen Deckenfresken sowie die Ausstattung gereinigt und, wo nötig, restauriert.

Jeden ersten Donnerstag im Monat wird in der Andreaskirche die Hl. Messe im Anliegen um Priester- und Ordensberufungen gefeiert; darüberhinaus finden dort im Laufe des Kirchenjahres auch Messfeiern und Andachten für kleinere Gruppen statt.

 

Innenausstattung:

Das Deckenfresko des Chorraums zeigt den Salvator Jesus Christus. Die Fresken im Kirchenschiff stellen die Verklärung des hl. Andreas und den wunderbaren Fischzug dar. Auf dem Altarblatt des Hochaltars ist die Hl. Familie von J. W. Schreiner aus dem Jahre 1721 zu sehen. Der Altarschrein mit der Skulptur einer schwarzen Madonna stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Kirche zieren diverse Gemälde aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das Kruzifix im Chorbogen von 1750 wie auch die Büsten des hl. Andreas und des hl. Josef (1750/53) wurden von Joh. Gröbner gefertigt. Das Heilige Grab hinter dem Antependium des Hochaltars mit einem Grabchristus wurde 1747 errichtet.

 

Zum heiligen Andreas:

Andreas stammte aus Betsaida am See Genezareth und war wie sein Bruder Simon (Petrus) Fischer. Andreas war zunächst ein Jünger Johannes des Täufers, der ihn dann an Jesus „als das Lamm Gottes“ verwies. Fortan gehörten er und sein Bruder Simon zu den zwölf Jüngern Jesu. Bei der Speisung der Fünftausend wies Andreas auf den Jungen mit den Broten und Fischen hin. Nach dem Markusevangelium gehörte er zu einem der nur vier Jünger, vor denen Jesus eine Rede über die Endzeit hielt. Andreas war beim Abendmahl in Jerusalem, bei der Himmelfahrt und an Pfingsten anwesend. Nach Pfingsten hat er, der Überlieferung zufolge, am schwarzen Meer und in Griechenland das Evangelium gepredigt. Andreas starb in Patras den Märtyrertod. Die Kreuzigung geschah der Legende nach an einem Kreuz mit schrägen Balken, dem sogenannten Andreaskreuz, nach dessen Form das Straßenverkehrsschild an Bahnübergängen benannt ist. Der 30. November gilt als Todestag des heiligen Andreas; an diesem Tag wird das Patrozinium der Andreaskirche gefeiert.

 

Quelle:

Max Springer, Kirchenführer für die St. Andreaskirche in Lauingen, 1984

Altarraum nach der Innenrenovierung 2019
Deckenfresken
Deckenfresko, wunderbarer Fischzug