Gedanken zum Osterdienstag von Pfarrer Czech

15.04.2020 20:08

Die größten Feste unseres Glaubens haben jeweils eine Oktav. Acht Tage lang soll wie ein Tag gefeiert werden. Der Oktavtag dann hat nochmals eine besondere Bedeutung. An Weihnachten ist der Oktavtag Neujahr, und damit das Fest der Mutter Jesu. Sie war es ja zweifellos, die zu seiner Geburt, neben Gott selber, das meiste beigetragen hat.

Der achte Tag der Osteroktav ist der Weiße Sonntag. Er erhielt seinen Namen nicht von den weißen Kleidern der Erstkommunion-Mädchen, wie viele meinen. Tatsächlich ist das weiße Kleid nur die letzten ca. 100 Jahr die üblich Kleidung zur Erstkommunion gewesen.

Der „Weiße Sonntag“ heißt so, weil in der Osternacht über Jahrhunderte der einzige Termin für Taufen war. (Ausweichtermin war höchstens noch der Pfingstsonntag). Und anschließend durften die Neugetauften acht Tage lang das weiße Gewand, Zeichen der neu geschenkten besonderen Würde und Reinheit der Gotteskinder, tragen.

 Besonders für sie waren diese acht Tage also eine echte Festzeit, und ihre Taufe das größte Fest des Lebens, höchstens noch auf Augenhöhe mit  der Hochzeit.

Auch wir sind getauft. In der Osternacht erneuern wir jedes Jahr das Taufbekenntnis, und am Ostermontag wird für die Neugetauften und für alle Getauften besonders gebetet.

Da die meisten von uns die Taufe als Babys empfangen haben, ist da natürlich keine Erinnerung mehr, und entsprechend auch kein großes Hochgefühl wegen des getauft-Seins. Doch gerade in diesen Tagen, da viele von uns zuhause etwas mehr Ruhe haben als sonst, könnte das eine Chance sein, diesem Sakrament etwas Platz zu geben. Das geht durch die Erinnerung an die Taufe der eigenen Kinder oder Enkel, wenn die Kinder noch jünger sind auch mit ihnen zusammen. Vor allem aber geht es, indem wir uns eines besonderen Geschenks neu bewusst werden:

„Wir heißen Kinder Gottes und sind es.“ – Diese Worte nehmen viele Priester gern als Einleitung zum Vater unser. Meist hören wir sie, aber sie haben kaum besondere Bedeutung für uns. In einem Taufgespräch hatte ich mal eine Auseinandersetzung mit den Eltern, als ich sagte, ihr Kind werde in der Taufe Kind Gottes. Sie hielten nachdrücklich dagegen, dass alle Kinder (vielleicht sogar alle Menschen?) Kinder Gottes sind. – Ist das so?

Ich glaube das auch. Aber es ist durchaus ein wichtiger Unterschied, ob man sachlich richtig Kind von Eltern ist (wie jeder Menschen), oder ob man sich auch als geliebtes Kind von Eltern erfährt, fühlt. Das erstere ist sachlich richtig, das letztere ist starkes Fundament fürs Leben, und für die eigene Fähigkeit zur Liebe.

Alle Menschen sind Kinder Gottes. Aber bei weitem nicht alle erfahren sich auch so. Und keine Religion hilft den Menschen dabei, außer die unsere. Vielmehr würde sich ein Muslim nachdrücklich zur Wehr setzen gegen die Behauptung, er sei Kind Gottes: denn Gott hat keine Kinder. Er hat Geschöpfe gemacht. Aber das verpflichtet ihn zu nichts. Ein Vater aber ist seinen Kindern gegenüber sehr wohl verpflichtet. Auch Juden, Hindus, u.a. würden sich nicht als „Kinder Gottes“ bezeichnen. Im AT gibt es zwar die Vorstellung von Israel als Gottes Sohn, aber diese wird relativiert durch andere Vorstellungen, die Gott soweit weg rücken, dass man nicht mal seinen Namen aussprechen darf, sich von ihm kein Bild machen darf, und wer ihn sieht muss sterben. Außerdem bezieht sich diese Titulatur aufs ganze Volk Israel, und nicht auf den einzelnen Menschen.

Wie anders ist da Leben und Botschaft Jesu: Gott wird Mensch. Er nennt uns seine Schwestern und Brüder. Er kommt uns ganz nah. So nah, dass er sich am Weißen Sonntag sogar ins Herz fassen lässt – vom Zweifler Thomas.

In der Taufe ist uns diese größtmögliche Gottesnähe geschenkt. Wir sind wirklich seine Kinder. Aber nicht nur das. Wir dürfen uns auch von ihm geliebt wissen. Denn in der Hingabe Jesu am Kreuz für uns erreicht seine Liebe den höchsten Ausdruck. Und in der Auferstehung macht sie uns das größte Versprechen und schenkt uns die größte Hoffnung: Ewiges Leben bei Gott, Gottähnlichkeit:

„Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Deshalb erkennt die Welt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist.“ (1 Joh 3, 1-3)

Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich. – Und er hat eine Hoffnung, die nicht selbst gebastelt, sondern geschenkt, und mit dem Blut der Liebe Jesu bezeugt ist!