Gedanken zum Ostersamstag von Pfarrer Czech

19.04.2020 20:31

Auf dem Heimweg von der Hl. Messe bin ich eben einer Familie beim Abendspaziergang begegnet. Und da konnte ich mir die Feststellung nicht verkneifen: „Dass eine 18-jährige an einem Samstagabend mit der Familie spazieren geht, das kommt auch eher selten vor?!“ – „Ja, was Corona so alles schafft“, war die Antwort. Aber andererseits: „Jetzt wäre es schon recht, wenn es langsam wieder richtig losgehen würde.“

Ich meine, beide Seiten sind richtig. Und beide Seiten haben uns auch was zu geben. Es war sicher für viele Menschen ungewohnt und einschneidend, diese Zeit der vielen Einschränkungen. Aber andererseits haben auch viele für sich empfunden, wie wohltuend so eine „Auszeit“ mitten drin im Alltagsleben sein kann. Vielleicht führt uns das wieder näher hin zu der alten Weisheit, die ja eigentlich im Wechsel von Besinnungs- und Festzeiten liegt, den alle Religionen, auch unsere christliche, kennen. Und vielleicht sind wir in Zukunft wieder mehr gewillt, die besinnlichen Zeiten auch so zu leben, und sie nicht vollzuladen mit „Besinnungsangeboten – bis zur Besinnungslosigkeit“!

Aber auf der anderen Seite ist auch wahr: Jetzt wäre es gut, wenn es so langsam wieder losgehen würde. Wir sind einfach auch zum Tun geschaffen, nicht nur zu Ruhe und Gebet. „Ora et labora“, so hat es schon der Hl. Benedikt seinen Mönchen ins Stammbuch geschrieben. Neben der Ruhe und dem Gebet braucht es auch die Arbeit. Weil Arbeit nicht nur Geldverdienen ist, sondern auch zum Lebenssinn beiträgt. Außerdem hat sie – glücklicherweise – oft auch noch eine soziale Komponente. Und all das fehlt langsam auch. Mir  zumindest. Und ich weiß, dass es da vielen anderen auch so geht. Selbst den Kindern fehlt die Schule – sogar denen, die da eigentlich gar nicht so gerne hin gehen. Aber: auch die hat eben was mit Sinn, und auch sozialem Miteinander zu tun.

Deshalb ist es umso besser, dass es jetzt dann bald tatsächlich – langsam – wieder losgeht.

Und so, mit diesem Wissen, ist jetzt beides möglich: sich einerseits darauf freuen, was wieder geht. Aber andererseits auch noch die letzten Tage genießen, in denen es noch „runtergefahren – shutdown“ bleibt. Deshalb ist Perspektive, Hoffnung auch so wichtig. Nicht nur als Vorfreude, sondern weil die Hoffnung auf die Zukunft auch das Heute mehr wertschätzen hilft. Ebenso, wie umgekehrt Zukunftsangst od. Sorge vor dem Morgen auch das Heute mit einem Grauschleier überzieht.

Gott sei Dank! – Denn wir Christen sind Menschen der Hoffnung.