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Pfarrei und Pfarrkirche Günz

Schon die Patrone der Pfarrkirche Sankt Petrus und Sankt Paulus weisen auf eine frühe Zeit der Kirchengründung hin.

Die ehemalige Burg mit Turmhügel und Wassergraben im Ort Günz entstand im 10. Jahrhundert. Nach 1150 wurden die beiden Burgen auf dem östlich des Ortes gelegenen Lehenberg errichtet. Dort war das Geschlecht der Ritter von Günz bis um 1300 ansässig, zuletzt ein „Heinricus dictus Günzaer, miles“ (Heinrich genannt der Günzer, Ritter).

Bereits im 12. Jahrhundert war das Benediktinerkloster Ottobeuren in Günz begütert. 1466 bis 1468 kamen die Kirche und das Dorf Günz unter Ottobeurer Herrschaft, sie blieben dies bis zur Säkularisation 1802/03.

Zur Pfarrei Günz gehören die Dörfer Günz und Rummeltshausen. 1818 bis 1978 bildeten beide die politische Gemeinde Günz. Die Pfarrei Günz zählt aktuell 546 Katholiken.

 

Von der ersten, bereits 1167 urkundlich erwähnten Pfarrkirche, ist nichts mehr erhalten. Der heutige Kirchenbau stammt aus mehreren Bauperioden. Das ursprünglich gotische Langhaus wurde um 1500 in größerer Form neu erbaut, der Chor nach dem Abbruch eines wohl romanischen Baus in den Jahren 1559 bis 1565 neu errichtet (Weihe am 8. Mai 1565 durch Weihbischof Dr. Michael Dornvogel). Der an der Außenseite vollständig aus Nagelfluhfels, innen mit einem Gemisch aus Nagelfluh und Ziegel gemauerte, unverputzte Kirchturm gehörte einst zu der älteren Kirche, er ist im Kern noch romanischen Ursprungs (um 1300/1350).

Von der Ausstattung der gotischen Kirche stammen ein Vesperbild (um 1500/1520) sowie das Kreuz im Langhaus (um 1550). Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Kirche instandgesetzt und neu ausgestattet (1670-1700). Aus dieser Zeit sind die beiden Seitenaltäre und die Kanzel erhalten. Bemerkenswert sind die wertvollen Altargemälde am Hochaltar (Mariä Himmelfahrt, 1716 wohl von Arbogast Thalheimer, Ottobeuren) und am südlichen Nebenaltar (Tod des Heiligen Joseph, 1683 von Johann Friedrich Sichelbein, Memmingen). Die beiden Statuen der Kirchenpatrone St. Petrus und St. Paulus, der Tabernakel und die beiden Beichtstühle stammen aus der ehemaligen Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Ottobeuren. Sie konnten nach der Profanierung dieser Kirche (infolge der Säkularisation) vom Staat zu einem günstigen Kaufpreis erworben und 1806 nach Günz gebracht werden.

Zwischen 1902 und 1905 erfolgte unter Pfarrer Peter Weber (1865-1939, Pfarrer in Günz 1902-1933) die grundlegende Restaurierung und neubarocke Umgestaltung der Kirche. Mit der Durchführung der Arbeiten beauftragte die Kirchenverwaltung die Kunstwerkstätte Baldauf in Augsburg, Inhaber Karl Port.

Die Arbeiten begannen mit der Außenrestaurierung und dem kompletten Neubau des Deckengebälks und des Kirchendachs durch Zimmermeister Magnus Weidhofer, Westerheim.

Für das Langhaus schuf Port eine hölzerne Kassettendecke nach dem Original von 1626 in der Obermünsterkirche von Regensburg (diese Regensburger Vorlage wurde später, im Jahr 1945, bei einem Bombenangriff zerstört, die Obermünsterkirche nicht mehr aufgebaut). Franz Xaver Reitmaier aus Augsburg fertigte den Stuck am Gewölbe des Chorraums, am Chorbogen sowie die Fensterumrahmungen in „getreuer Kopie“ des „Wessobrunner“ Stucks Johann Schmuzers (1675/76) in der Wallfahrtskirche Ilgen bei Steingaden. Es erfolgte durch Karl Port die grundlegende Instandsetzung und Ergänzungen der vorhandenen barocken Seitenaltäre und der Kanzel, ebenso der Neubau des Hochaltars (Entwurf Karl Port) unter Verwendung des vorhandenen Tabernakels, des Altarbildes und der Statuen der Kirchenpatrone. Es wurden neue Fenster eingebaut, ein neues Pflaster aus Solnhofener Platten verlegt sowie das Gestühl im Chor und Langhaus neu gefertigt. Die neue Orgel bauten die Brüder Paul und Heinrich Hindelang aus Ebenhofen (1904/05), das reich geschnitzte, neubarocke Orgelgehäuse lieferte Karl Port.

Insgesamt kostete diese Restaurierung mehr als 56.000 Goldmark, die die kleine Pfarrgemeinde mit damals nur 343 Katholiken alleine schultern musste. Zuschüsse von staatlichen oder kirchlichen Baulastträgern gab es damals keine. 56.000 Mark hatten um 1905 eine Kaufkraft von heute mindestens 3,0 Mio. Euro. Für einen Maurer oder den Zimmermann wurde damals der

Tageslohn

von 3 Mark berechnet.

Pfarrer Weber ließ daher folgende Inschrift am Chorgestühl anbringen:

A.D. 1903-4 PIA LIBERALITATE FIDELIVM PAROCHIAE GÜNZ HOC TEMPLVM RECTORE PETRO WEBER RENOVATVM EST. FECIT C. PORT, Augsburg.

(In den Jahren 1903/04 ist durch die fromme Freigiebigkeit der Christgläubigen der Pfarrei Günz diese Kirche unter dem Pfarrherrn Peter Weber instandgesetzt worden. Karl Port, Augsburg, hat es gemacht).

 

Die letzte Renovierung des Innenraums fand 1991-1994 statt. Den neuen Volksaltar weihte am 17. Juli 1994 Diözesanbischof Dr. Viktor Josef Dammertz. Das Äußere der Pfarrkirche wurde zuletzt restauriert in den Jahren 1984-1986 sowie 2006.

südlicher Seitenaltar: Tod des Heiligen Joseph, 1683 von Johann Friedrich Sichelbein, Memmingen
nördlicher Seitenaltär: Tod und Verklärung des Heiligen Johannes Nepomuk, 1741 gestiftet, wohl von Franz Anton Erler, Ottobeuren