Kapelle Rummeltshausen

Kapelle Rummeltshausen

Das Dorf Rummeltshausen gelangte über eine lange Reihe von Besitzern 1507 an das Kloster Ochsenhausen, von diesem im Jahr 1565 an das Kloster Ottobeuren.

Die Kapelle Sankt Sebastian und Rochus wurde vermutlich als sogenannte „Pestkapelle“ schon im 14. Jahrhundert erbaut. Die Heiligen Sebastian und Rochus sind Schutzheilige gegen die Pestkrankheit. 1584 wurde die damals baufällige Kirche durch das Kloster Ottobeuren grundlegend instandgesetzt, umgebaut und mit Altar und Gestühl neu ausgestattet. Davon kündet auch die Sonnenuhr am Ostgiebel der Kapelle mit der Jahreszahl 1584 und den Wappen des Klosters Ottobeuren sowie des Abtes Gallus Memminger. Um 1620 verlängerte man die Kapelle um 4 Meter nach Westen und setzte einen kleinen Turm auf das Dach. Restaurierungen des Altars fanden statt 1906 und 1984, der Kapelle 1906 mit Abschluss 1914, 1976 und 2005. Bis 1912 besaß die kleine Kirche eine Turmuhr mit zwei Zifferblättern.

Altar der Kapelle Rummeltshausen

Der prachtvolle Altar in der Kapelle von Rummeltshausen ist ein überregional bedeutendes Kunstwerk der Renaissance. Im Jahr 1572 stiftete Abt Kaspar Kindelmann von Ottobeuren diesen Altar, wie das kleine Wappenschild mit der Inschrift „FCK 1572“ (Frater Caspar Kindelmann) über dem Altarschrein zeigt. Der Altar stand ursprünglich im Kloster Ottobeuren, und zwar in einer Kapelle der Prälatur, den Wohngemächern des Abtes. Vermutlich schon wenige Jahre später, wohl schon 1584 nach dem Tod von Abt Kaspar Kindelmann, kam der Altar nach Rummeltshausen. Das Dorf Rummeltshausen gehörte von 1565 bis 1802 zum Herrschaftsgebiet des Klosters Ottobeuren.

Hervorzuheben sind der Altaraufbau im Stil der Renaissance, der qualitätsvolle vergoldete Rankendekor und die reiche Ornamentik um die Altarflügel und am Altarschrein sowie die zierlichen Figurenreliefs. Der Kunstschreiner (Kistler) Thomas Heidelberger aus Memmingen fertigte wahrscheinlich den Altar und die Verzierungen, eine bislang unbekannte Bildhauerwerkstatt lieferte die Reliefs dazu.

Der Mittelpunkt des Altars ist Maria mit dem Jesuskind, dem die Heiligen Drei Könige ihre Verehrung erweisen, darüber die Taube des Heiligen Geistes und Gottvater im Himmel. Die Heiligen Sankt Gallus und Sankt Othmar verweisen auf die Bestimmung des Altars für ein Kloster des Benediktinerordens. Die weiteren Bilder, gemalt oder in Relief, zeigen das gesamte Leben der Gottesmutter Maria, beginnend bei ihren Eltern Joachim und Anna, endend mit dem Tod Mariens und ihrer Aufnahme in den Himmel. Heimatgeschichtlich bedeutend ist das Relief „Kindermord in Bethlehem“ durch Herodes: die brutale Ermordung der Knaben durch römische Soldaten findet in einem Allgäuer Dorf des 16. Jahrhunderts statt, die Bauernhäuser und die Kirche (mit befestigtem Friedhof) werden miniaturhaft bis in kleineste Details dargestellt.

Wir können zu Recht stolz sein auf diesen Schatz und dankbar, dass er bis heute fast 450 Jahr erhalten geblieben ist. Großes Verdienst daran hat der geschichts- und kunstsinnige Pfarrer Peter Weber (1865-1939, Pfarrer in Günz 1902-1933), der 1906 die Restaurierung des Altars in die Wege leitete und auch die notwendigen Spendengelder in der Pfarrei zusammenbrachte.

Die Restaurierung des Altars im Jahr 1906 durch Karl Port, Augsburg, machte die Denkmalpflege und die Kunstwissenschaft auf dieses bislang unbemerkte Werk der Renaissance in Rummeltshausen aufmerksam. Der restaurierte Altar wurde 1906 auf der Bayerischen Landesgewerbeausstellung in Nürnberg einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Sankt Sebastian und Sankt Rochus

Die Patrone der Kapelle sind als Statuen dargestellt (um 1650) sowie auf Prozessionsstangen. Die Kapelle besitzt auch eine Reliquie des Heiligen Sebastian in schöner Fassung.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918)

Ein besonderes Dokument zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges birgt die Kapelle Sankt Sebastian und Rochus in Rummeltshausen. Es handelt sich um vier farbige, neubarocke Spruchbänder entlang der Hohlkehle, die das Deckengemälde flankieren. Der Text im letzten Schriftfeld nimmt direkt Bezug auf den ausgebrochenen Krieg.

Am 24. Februar 1914 erteilte die Kirchenverwaltung Günz den Kunstmalern Alois und Matthäus Haugg (Firma Gebrüder Haugg) von Ottobeuren für 500 Goldmark den Auftrag, ein Deckengemälde zu schaffen mit dem Motiv des „Namen Jesu“ (IHS). Unter der Kalkschicht war nämlich ein altes Bildnis mit dem „Namen Jesu“ entdeckt worden. Dies sollte freigelegt, erneuert und mit einem neubarocken Rahmen verziert werden.

Der Beginn der Arbeiten verzögerte sich bis in den Herbst 1914, erst Anfang November wurde das Gerüst in der Kirche errichtet. Inzwischen war am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen.

Aus diesem Anlass wurde das Bildprogramm kurzfristig geändert. An der Hohlkehle wurden zusätzlich Inschriftenfelder in gemalten Kartuschen (1-2) und in Form von Schriftrollen (3-4) angebracht und diese mit Psalmversen und dem Hinweis auf den inzwischen ausgebrochenen Krieg beschriftet:

Psalm 124.8

(1) „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn“

(2) „Der Himmel und Erde gemacht hat“

Psalm 61.4 (in Anlehnung)

(3) „Sei uns o Herr ein Turm der Stärke“

(4) „Wider unsere Feinde“ Ergänzung: „19 Kriegsjahr 14“

Im November 1914, als die Brüder Haugg in Rummeltshausen die neue Raumschale schufen, kam der deutsche Vormarsch in Frankreich zum Erliegen, der Bewegungskrieg ging in den Stellungskrieg über. Die russischen Truppen waren in den schweren Abwehrschlachten bei Tannenberg und an den Masurischen Seen aus Ostpreußen vertrieben worden, in Galizien an der Ostgrenze Österreich-Ungarns tobten schwere Kämpfe gegen die russischen Armeen.

Der Psalmenzyklus in Rummeltshausen: ein Bitten um Gottes Hilfe in höchster Kriegsnot gegen die Feinde, die die Heimat von allen Seiten bedrohten. Mitte November 1914 musste man in Deutschland die bei Kriegsbeginn allgemein verbreitete Hoffnung auf einen kurzen Krieg, der bis Weihnachten 1914 beendet sein werde, bereits aufgeben. Es tobte inzwischen ein hoch technisierter, globaler Krieg mit bisher nicht vorstellbaren Ausmaßen an Vernichtungspotential und Opfern an Menschenleben.

Abt Kaspar Kindelmann (reg. 1546 – 1584) war damals der Orts- und Grundherr in Günz, auch unsere Pfarrkirche gehörte damals zum Kloster Ottobeuren. Wohl bereits kurz nach seinem Tod 1584 verbrachte man seinen vorzüglich geschnitzten Marienaltar von 1569/72 aus der Abteikapelle des Klosters Ottobeuren nach Rummeltshausen.