"St. Margaretha" Bliensbach

Die Kirche St. Margaretha

Bliensbach

 

Geschichtliches

Die Pfarrei war bereits im 13. Jahrhundert den Edlen von Zusameck unterstellt. Ab 1292 gehörte sie verschiedenen Augsburger Patriziergeschlechtern, bis sie 1379 dem Domkapitel von Augsburg inkorporiert wurde, das heißt, in den Besitz des Domkapitels kam.

Um diese Zeit entstand der wuchtige Turm, der wohl als Wehrturm gebaut wurde. Die oberen Stockwerke des Turmes kamen gegen 1470 hinzu.

1728 wurde der Chorbogen neugestaltet und in der Kirche eine weiße Decke eingezogen. Doch 1787 wurde die Kirche zu klein für die Leute. So wurde das Langhaus  nach Norden verbreitet und die weiße Decke mit Bildern versehen, die der Wertinger Kunstmaler Bernhard Mittermayr malte, die aber leider nicht  mehr vorhanden sind.

Ein barocker Hauptaltar, der aus Graben (Landkreis Schwabmünchen) stammte, wurde aufgestellt. Auch der Turm saniert und teilweise abgetragen und neu erbaut.

Im gleichen Jahr erneuerte Schreinermeister  Joseph Klaiber auch die Kirchenbänke. Diese Bänke benützen wir noch heute.

1860/70 wurde die Kirche gründlich renoviert und dabei der schöne Hauptaltar entfernt. Er ist nicht mehr vorhanden. Dafür kamen neuromanische Altäre in die Kirche.

In der letzten großen Renovierung 1962/65 wurden diese Altäre ebenfalls wegen Holzwurmbefall entfernt. Auch sie sind nicht mehr auffindbar. In die Kirche wurde die jetzt sichtbare Bretterdecke eingezogen. Sie wartet noch auf eine künstlerische Ausgestaltung. Außerdem wurde das Vorzeichen, Eingangshäuschen, angebaut. In der großen Nische steht der leidende Kerkerheiland an einen Säulenstumpf gefesselt, um 1780.

 

 

Ausstattung der Kirche

Unser Blick fällt auf den Chorraum. Dort ist noch ein wertvolles Fresko, Wandgemälde, von etwa 1470 mit der Dornenkrönung Christi zu sehen. Vermutlich waren auch an den Seitenwänden Bilder, die die Passion Christi zeigten. Nur einige gotische Ornamente sind auf der Südwand noch sichtbar.

Im Langhaus der Kirche sehen wir hochovale Wandbilder der 12 Apostel, 1787, von Bernhard Mittermayr gemalt.

An dem Chorbogen links die Statue des Hohenpriesters Melchisedek, um 1780, mit drei Broten in der Hand. Er war König von Salem (heute Jerusalem) und brachte  Abraham Brot und Wein heraus nach dessen Sieg über feindliche Könige. Er segnete Abraham und dieser gab ihm den zehnten Teil seiner Beute, (Genesis 14,18). Jesus ist Priester nach der Ordnung des Melchisedek, (Hebräerbrief 5, 6), denn in Brot und Wein kommt er bei jeder Heiligen Messe auf dem Altar zu uns.

An dem Chorbogen auf der rechten Seite die Statue des Aaron. Er war der Bruder des Mose und wurde von Mose im Auftrag Gottes als erster Hohepriester des Volkes Israel eingesetzt. Daher trägt er die Kopfbedeckung der israelitischen Hohenpriester, sie gleicht der Mitra der heutigen Bischöfe, (vergleiche Genesis 29, 4 – 9).  Beide Statuen wurden nach dem Tod eines Priesters der Pfarrkirche überlassen.

Bei der letzten großen Renovierung wurde auch der mächtige Grantitaltar in den Chorraum gestellt. Er zeigt an der Sichtseite Jesus beim Abendmahl. Denn in der Heiligen Messe sind wir eingeladen, am Abendmahl Jesu teilzunehmen. Wir feiern das unauslotbare Geheimnis  der Kreuzigung und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus.

Auf der rechten Seite steht der schmale bronzene Ambo, der Ort, von dem aus das Wort Gottes verkündet wird. Jesus Christus spricht persönlich zu uns Worte des ewigen Lebens. Daher lesen wir: Wer auf mein Wort hört, ist aus dem Tod hinübergegangen ins Leben. Altar und Ambo zählen zu den wichtigsten Orten der heutigen Liturgie.

Unter dem Wandbild der Dornenkrönung Jesu wurde der ebenfalls wuchtige bronzene Tabernakel eingebaut. In ihm wird Jesus Christus in der Gestalt der Heiligen Hostie im Ziborium aufbewahrt für die Krankenkommunionen. Da Gott hier gleichsam seine Wohnung hat, sehen wir rechts an der Wand die rote Ewiglichtlampe brennen, die uns an die Gegenwart Gottes erinnert..

Links vor dem Chorbogen steht der wertvolle kelchförmige Taufstein, 1535, aus Sandstein. Der Bronzedeckel mit der Taube des Heiligen Geistes wurde 1963 aufgesetzt. In der Taufe nimmt uns Gott an kindesstatt an und gibt uns seinen Heiligen Geist. Fortan sind wir Tempel des Heiligen Geistes.

Darüber sehen wir die Kirchenpatronin, die Hl. Margaretha, etwa 1470. Sie zählt zu den bekanntesten Heiligen der frühen Kirche. Historisch ist nicht viel bekannt. Doch eine Legende erzählt, sie war eine sehr schöne Tochter eines heidnischen Priesters. Sie wurde Christin, weil ihre Amme, Ziehmutter, sie heimlich im Christenglauben unterrichtete. Als sie eines Tages die Schafe hütete, traf sie der heidnische Präfekt (Bürgermeister), der sie sofort zur Frau nehmen wollte. Da bekannte sie ihm, dass sie Christin sei. Erzürnt ließ er sie verhaften und furchtbar quälen. Mit einem eisernen Kamm rissen die Henker ihr die Haut vom Leibe. Sie wurde mit brennenden Fackeln gequält und ins kalte Wasser geworfen. In der Nacht erschien ihr der Teufel in Gestalt eines Drachens. Mit dem Kreuzzeichen vertrieb sie ihn, der laut schrie: Weh mir, nun bin ich von einer schwachen Jungfrau überwunden worden. Tags darauf ließ sie der Präfekt durch das Schwert hinrichten.

Der goldene Kreuzstab, den unsere Figur in den Hand trägt,  erinnert an die göttliche Kraft des siegreichen Kreuzes. Das war im Jahre 307 n.Chr. Sie betete noch für ihre Quäler und für alle Frauen, die ein Kind gebären werden. Dann starb sie. Sie wird als Schutzpatronin für eine glückliche Geburt angerufen . Sie zählt zu den 14 Nothelfern.

Rechts vor dem Chorbogen steht die moderne Statue Mariens.  Sie hält uns ihren Sohn Jesus entgegen. Sie rufen wir an als mächtige Fürsprecherin am Throne Gottes in allen unseren Anliegen. Auf dem Sockel stehen Adam und Eva unter dem Paradieses-

baum, von dem sie gegessen und die erste Sünde begangen hatten. Durch Christus, den uns Maria geboren hat und uns entgegenhält, sind wir aber erlöst worden.

Auf der Nordwand des Langhauses steht die Statue

des Heiligen Leonhard, um 1740. Der Heilige Leonhard lebte im  6.Jahrhundert und stammte aus einem edlen fränkischen Geschlecht.  Er wurde Priester. und Bischof. Zog sich jedoch in die Einsamkeit bei Limoges zurück. Aus seiner Einsiedelei entstand das berühmte Kloster, dem er als Abt vorstand. Den Bauern in seiner Umgebung

half er bei den Viehkrankheiten. Daher wird er als Patron der Tiere, besonders der Pferde auch heute noch verehrt. Ihm lagen auch die Gefangenen sehr am Herzen. Den Entlassenen gab er Land, so dass sie resozialisiert wurden. Die Kette, das Attribut des Heiligen, verweist darauf, wurde allerdings später als zerbrochene Tierkette mißverstanden. In seiner linken Hand trägt er den Hirtenstab des Abtes. Er starb im Jahre 559.

Gegenüber auf der Südwand hängt das ebenfalls sehr wertvolle Kreuz, um 1500.

Auf der gleichen Seite die Statue des Heiligen Sebastian, um 1730,  an einem Baum gebunden, von Pfeilen durchbohrt. Er war Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers Diokletian. Als solcher hatte er Zugang zu den Christen in den Gefängnissen, die wegen ihres Glaubens eingekerkert waren. Das erfuhr der Kaiser. Weil Sebastian nicht den Göttern opferte, verurteilte ihn der Kaiser durch Erschießen zum Tode im Jahre 303. Sebastian gilt als der Schutzpatron der Soldaten, der Schützen und als Helfer gegen Pestkrankheiten.

Die Orgel ist neuerem Datums. Ursprünglich hatte sie einen neuromanischen Prospekt, Aussehen,. 1860. Dieser ist auch nicht  mehr vorhanden.

Das Kreuz vor dem Ausgang der Kirche stammt aus der Zeit um 1700.

Gehen wir um die Südseite der Kirche herum, sehen wir gleich nehmen dem Eingang zur Sakristei das an die Kirche angebaute Ölberghäuschen, um 1700. Jesus ringt mit seinem himmlischen Vater, bevor er den bitteren Leidensweg gehen muß. Übermüdet  schlafen die Apostel, Sie konnten nicht einmal eine einzige Stunde mit ihrem Herrn wachen und beten, (vergl. Matthäus 26,40). Unten warten die „Armen Seelen“ im Zustand der Läuterung auf die ersehnte Erlösung.

Sowohl im Innern der Kirche als auch an den Außenwänden sind einige Grabplatten eingelassen, die zum Teil schlecht lesbar und verwittert sind und bis in die Zeit von  1668  zurückreichen. Außen erinnert eine Steinplatte an Pfarrer Johann Matha Naegele, der lange Jahre in Bliensbach gewirkt hat und einige Baumaßnahmen in der Pfarrei durchgeführt  hat, so auch die letzte große Kirchenrenovierung. Er hatte sich mit einer Nelke verewigt, weil sein Name von der Nelke her deutbar ist (schwäbisch Nelkele oder Nägele).