Auskunft aus der Bibel

Die Heilige Schrift, unsere Bibel, kennt eine Reihe derartiger Ereignisse. Dabei geht es nicht um Viren – damals noch gar nicht bekannt – als vielmehr um Aussatz. In Lev 13,45 werden Maßnahmen zu Schutz vor Ansteckung aufgeführt: eingerissene Kleider, ungepflegtes Kopfhaar, bei Begegnungen „Unrein“ ausrufen. Zum Schutz der Gesunden mußten sie außerhalb der Siedlungen ihre Unterkunft nehmen. Es geht erkennbar darum, die Infektionskette zu unterbrechen & Neuerkrankungen zu verhindern.

Von erkrankten Personen ist die Rede: Mirjam, die Schwester des Mose, Num 12,10, Naaman, der Syrer, 2 Kön 5,1ff.

Im Neuen Testament ist ebenfalls von derartigen Erkrankungen und Heilungen durch den Herrn Jesus die Rede: Mt 8,1-4, Mk 1,40-45, Lk 5,12-14, Lk 17,11-19. Was den Menschen damals recht war, kann uns Heutigen nur billig sein!

Mt 8,1-4: Die Heilung eines Aussätzigen

Aussatz – zur Zeit Jesu eine Hautkrankheit, die leicht übertragbar war und die Menschen von der Gemeinschaft isolierte. Jeder, der Aussatz hatte, musste in einem eigenen Bereich außerhalb der Stadt wohnen. Begegnete ein Aussätziger einem anderen, so musste er laut schreien: „Unrein! unrein!“

Der Aussätzige im Matthäus-Evangelium, hält keine dieser Regeln ein – weder die erforderliche Distanz noch das laute Rufen. Er geht direkt auf Jesus zu, wirft sich vor ihm nieder und spricht ihn an. Auch Jesus hält sich nicht an diese Regeln. Er streckt seine Hand aus und berührt sogar den Aussätzigen.

 

Das Coronavirus ist hoch ansteckend und breitet sich weltweit aus. Staatsregierungen und Gesundheitsämter ergreifen die selben Maßnahmen wie damals zur Zeit Jesu – Krankheiten, die hoch ansteckend sind, können nur besiegt werden, in dem man Erkrankte isoliert und von Gesunden fernhält. Halten sich die Menschen nicht an solche Empfehlungen, müssen diese gut gemeinten Ratschläge mit Druck durchgesetzt werden. Daraus resultieren Quarantänemaßnahmen und Ausgangssperren.

 

Bei Gott aber gibt es keine Isolation und keine Quarantäne! So wie Jesus sogar den Aussätzigen berührt und ihn geheilt hat, so dürfen wir uns der Nähe Gottes sicher sein in dieser schwierigen Zeit. Durch unser Gebet können wir Isolation und Distanz überwinden. Das zeigen weltweite Gebetsaufrufe und Zeichen, die uns Gemeinschaft, Nähe und die Liebe Gottes spürbar werden lassen. Die Menschen können zusammenrücken, obwohl sie räumlich getrennt oder isoliert sind.Wir haben die Freiheit unseres Glaubens und des Gebetes, auch wenn momentan unsere „Bewegungsfreiheit“ etwas eingeschränkt ist!

 

Nutzen wir diese Freiheit! Bitten wir täglich – so wie der Aussätzige im Matthäus-Evangelium - Gott um seine Nähe und Hilfe

-          für alle, die in diesen Tagen im medizinischen Bereich Übermenschliches leisten (z.B. Ärzte, Pflegepersonal, Beschäftigte in den Laboren und Gesundheitsämtern,…)

-          für alle Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft und Kirche, die wichtige und tragfähige Entscheidungen treffen müssen

-          für alle Erkrankten um baldige Genesung, aber auch für alle, die bereits an der Krankheit verstorben sind und für deren Angehörige

-          für uns und alle Menschen, die mit Sorge und Angst erfüllt sind

Lk 17, 11-19: Der dankbare Samariter (= Die Heilung der 10 Aussätzigen)

Diese biblische Erzählung des Evangelisten Lukas ist eine Geschichte vom Kranksein und Gesundwerden, von Verzweiflung und Gottvertrauen und von Umkehr und Dankbarkeit. Genau in diesen Spannungsfeldern bewegen wir uns zur Zeit in allen Bereichen unseres Lebens. Die Corona-Krise bringt viel Schatten in die Welt. Aber überall, wo Schatten ist, muss auch ein Licht sein, denn sonst gäbe es keine Schatten.

Kranksein und Gesundwerden

– Die 10 Aussätzige (9 Juden und 1 Samariter = Ausländer in Galiläa), die abgesondert von der Gesellschaft leben, wünschen sich nichts sehnlicher, als gesund zu sein. Dieser Aussatz – das Ausgesetzt-Werden, das Isoliert-Werden – macht sie noch viel kränker. Sie haben sicherlich schon gehört, dass Jesus viele Menschen geheilt hat und rufen ihn deshalb von Weitem um sein Erbarmen an. Jesus hat Erbarmen mit ihnen – sie werden gesund.

Verzweiflung und Gottvertrauen

– Unheilbar krank sein bringt unweigerlich Verzweiflung mit sich. Hoffnungslosigkeit macht sich breit, wenn keine Besserung in Sicht ist. Das bringt Menschen an ihre Grenzen, natürlich auch an die Grenzen ihres Gottvertrauens. Die 10 Aussätzigen aber sehen ihre einzige Chance in Jesus; sie vertrauen darauf, dass er ihnen hilft. Ungeheilt schickt er sie weg zu den Priestern und sie gehen auch los im Vertrauen auf Gott. Erst auf dem Weg bemerken sie ihre Heilung.

Umkehr und Dankbarkeit

– Nur einer der Geheilten kehrte um zu Jesus und bedankte sich. Und gerade dieser war ein Samariter – ein Ausländer, von den Juden in Israel verachtet. Er hat verstanden, was Jesus an ihm getan hat, körperlich und seelisch, sonst wäre er nicht zurückgegangen. Sein Glaube war so stark, dass er aus Dankbarkeit vor Jesus niederfiel. Der Samariter hat begriffen, dass diese Heilung mehr war, als nur das Beseitigen des Hautausschlages. Diese Heilung hat ihn auch innerlich verändert. Jesus sagt: „Dein Glaube hat dich gerettet!“

Auch wir bewegen uns zur Zeit zwischen Kranksein und Gesundwerden, Verzweiflung und Gottvertrauen, Umkehr und Dankbarkeit. Gehen wir im Vertrauen auf Gottes Hilfe und Nähe der Zukunft entgegen so wie die Aussätzigen Jesu Ratschlag befolgen und ihres Weges gehen. Gesundwerden, Gottvertrauen, Dankbarkeit,… brauchen oft Zeit, um in Zeiten des Leidens und des Todes wachsen und reifen zu können. Oft ist es uns erst im Zurückblicken, im Umkehren, möglich, Gottes Nähe und Hilfe zu erkennen.

Petra Fischer, Gemeindereferentin