Predigt zur Beerdigung von Pfarrer Robert Walter

30.04.2020 11:50

Sie kennen das sicher auch. Da ist ein Bild, das prägt sich uns ein, das lässt uns nicht mehr los. Eine wichtige Begegnung, eine bestimmte Situation, ein Gemälde, oder auch wie eine Melodie, die wir nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Beerdigung von Dekan Robert Walter am 01.04.2020 in Uffing

Liebe Frau Immler, liebe Frau Maier, liebe Schwestern und Brüder!

Sie kennen das sicher auch. Da ist ein Bild, das prägt sich uns ein, das lässt uns nicht mehr los. Eine wichtige Begegnung, eine bestimmte Situation, ein Gemälde, oder auch wie eine Melodie, die wir nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Jeder von uns hat auch ein Bild im Kopf. Meine/Ihre letzte Begegnung mit Robert Walter. Vielleicht persönlich, vielleicht am Telefon, vielleicht nur kurz – ein Kopfnicken, ein Winken oder auch ein längeres – letztes – Gespräch. Sie, die Angehörigen von Robert, aber natürlich auch, sie, liebe Schwestern und Brüder – 16 Jahre war er ihr Pfarrer hier am Staffelsee. Und er war gerne hier Pfarrer mit seiner ganzen Persönlichkeit, mit Leib und Seele und auch mit seinen Ecken und Kanten. Er lebte gerne hier. Und dann kam die Krankheit. Die erste Diagnose. Ein langer Weg der Behandlung, damit auch des Wartens, Bangens und Hoffens. Immer mehr die Erkenntnis, dass es wohl nicht mehr ganz gut wird, aber doch so, dass er weiterleben und arbeiten kann. Das war ihm wichtig – eigentlich bis zum letzten Tag. Deshalb, so hat er mir bei unseren letzten persönlichen Begegnung hier in Uffing im Pfarrhaus Ende Januar gesagt – warte er noch bis er seine Gemeinden, seine Mitbrüder im Dekanat informiere – erst dann, wenn ich nicht mehr kann und Hilfe brauche, vorher nicht. Ja, er ist ihn sehr bewusst gegangen – ein Stück weit auch vor allem alleine gegangen, seinen persönlichen Kreuzweg.

Jeder von uns hat ein Bild in seinem Kopf und vor allem jetzt auch im Herzen. Das tragen wir mit, das bleibt bei aller Trauer, bei allem Schmerz des Abschiednehmens und auch des Gefühls – warum jetzt schon. Wir hätten ihn doch noch so gerne unter uns – ja, wir hätten ihn doch noch gebraucht als Priester, Pfarrer und Dekan. Dieses „Warum“ können wir, kann auch ich ihnen nicht auflösen. Aber ich habe jetzt auch noch ein anderes Bild im Kopf: Eine schöne, verklärte Menschengestalt, vielleicht schwebend. Licht. Fahne. Wallendes Gewand, das die Wundmale sehen lässt. Aber alles plötzlich irgendwie leicht. Und das Grab – leer, umgeworfene Wächter – ja meine, unsere Vorstellung von Auferstehung ist soz. bebildert. Wir haben sehr konkrete Vorstellungen vom Auferstandenen. Aber zunächst ist da ja das Grab. Der Ort zum Trauern. Und damit für viele Menschen auch ein Ort der Zwiesprache, Ort von Verbindung und Nähe. Die Botschaft von Ostern heißt ja zunächst: Das Grab ist leer. So berichten es die Evangelisten. Am Grab Jesu sitzt ein Bote des Himmels, um den Frauen zu sagen: Er ist nicht hier! Das werden wir auch in diesem Jahr – nächste Woche feiern – ganz anders wie sonst, sehr eingeschränkt, aber eines ist ganz gewiss: Ostern findet statt – fällt nicht aus! Der Herr ist auferstanden - Jesus lebt!

Und diese Botschaft, so paradox sie vielleicht in diesem Moment klingen mag, wo wir vor dem Sarg und jetzt gleich am Grab von Robert stehen werden, heißt für uns alle: Er ist nicht hier! Wo ist er dann? Ja, er ist ganz wo anders. Wie wollen wir sagen? Die Sprache des Glaubens kennt viele Bilder: am Ziel, im Himmel, in der Ewigkeit… Wir glauben er ist jetzt bei Gott. Bei dem Gott an den er geglaubt hat, auf den er fest gehofft hat – das war sehr beeindruckend, wie er auch gläubig seine Krankheit getragen und ertragen hat. Er ist bei dem Gott, den er als Priester mehr als 25 Jahre verkündet hat. Das Grab ist wichtig – es war sein ausdrücklicher Wunsch hier im Priestergrab in Uffing beerdigt zu werden. Aber den Robert, den wir suchen, den wir im Herzen tragen, der ist nicht hier. Der ist vollendet in der Gemeinschaft mit Gott.

Wir können nicht anders als im Angesicht eines Sarges, eines Grabes von Ostern zu sprechen, denn das ist die Botschaft unseres Glaubens! Deshalb auch das Evangelium vom 5. Fastensonntag, von der Auferweckung des Lazarus. Denn da klingt es schon an, worauf wir hoffen dürfen. Das ist die österliche Botschaft für uns alle, die wir auch einmal – jeder und jede von uns - an der Schwelle des Todes stehen werden: Er wird dich auffangen.  Er streckt dir seine Hand entgegen. Der auferstandene Christus geht uns immer voraus. Er ist überall schon da. In diesem Glauben und in dieser tröstlichen Hoffnung wollen wir nun von Robert Walter Abschied nehmen. Amen.

 

HH. Generalvikar Heinrich, Uffing 1. April 2020