Erste Maiandacht im Augsburger Mariendom

Bischof Bertram: „Frieden auf Dauer nur im Verzicht auf Waffen“

Madonna im Hohen Dom zu Augsburg (Foto: Nicolas Schnall / pba)
01.05.2022 19:00

Bischof Dr. Bertram Meier hat in der ersten Maiandacht im Augsburger Dom dazu aufgerufen, als Christen nicht der Logik von Gewalt und Gegengewalt zu folgen. Zwar habe „keiner das Recht, den Gewaltverzicht anderer zu fordern, wenn es um ihr Leben geht.“ Doch gelte auch: „Nicht der Sieg im Krieg schafft Frieden, nur der Sieg über den Krieg.“ Einen tragfähigen Frieden werde es auf Dauer nur geben „im Verzicht auf Waffen, im Dialog, im gegenseitigen Respekt, im Versöhnen und Verzeihen."

Bischof Bertram erinnerte daran, dass sich Christen schon immer in kriegerischer Not an die Gottesmutter gewandt und auf ihre Hilfe und Fürsprache gebaut hätten – so im 30-jährigen Krieg, als Kurfürst Maximilian als Dank für die Rettung der Städte München und Landshut eine Mariensäule errichten ließ, oder im Jahr 1916, als Papst Benedikt XV. auf Bitten König Ludwigs des Dritten die Gottesmutter Maria zur Schutzfrau Bayerns erklärte und das Fest Patrona Bavariae zuließ.

Der Augsburger Bischof lobte die Hilfsbereitschaft der Menschen für die ukrainischen Flüchtlinge – nicht nur in Deutschland. Unter dem Eindruck seiner Reise nach Polen in der vergangenen Woche sagte er: „Gerade die Polen – aus der Erfahrung ihrer Geschichte – sind eine echte Großmacht der Solidarität mit Flüchtlingen geworden sind.“ Das heutige Fest Patrona Bavariae lade gleichzeitig dazu ein, „über die eigenen Hilfsmöglichkeiten hinaus Maria in den Blick zu nehmen und sie um ihre Hilfe anzurufen, so wie es Generationen vor uns in Zeiten der Not getan haben.“

Der Bischof weiter: „Doch bevor wir uns an Maria als Königin des Friedens zuwenden, sollten wir uns an das Zeugnis der Heiligen Schrift erinnern: Nicht Maria ist die Quelle des Friedens, sondern Gott selbst, der in Jesus Christus für uns Mensch geworden ist. Der Friede hat einen Namen: Jesus Christus. Seine Botschaft und sein Wirken brachten ihm Widerstände und Konflikte ein. Doch Jesus blieb seiner Botschaft treu und erfüllte den Willen Gottes. So nimmt er Leiden und Tod auf sich. Seine Auferweckung zeigt uns: Gott findet sich mit dem gewaltsamen Tod seines Sohnes nicht ab. Gottes Leben schaffende Macht ist stärker als die Mächte des Bösen und des Todes.“

Von Maria, der leiblichen Mutter Jesu, „Botin und Brückenbauerin des Friedens“, könnten die Menschen heute, so Bischof Bertram, sich etwas abschauen: Nur wenn Menschen – wie Maria – sich unter den Willen Gottes stellen, der das Leben will und nicht den Tod, wird Friede sein. Nur wenn Menschen – wie Maria – Jesus folgen und der Botschaft glauben, dass liebende Hingabe stärker ist als der Tod, wird Friede wachsen. Nur wenn Menschen – wie Maria – um den Geist des Friedens beten und sich ihm öffnen, wird Friede werden. Dies gilt für den Weltfrieden, für unser tägliches Miteinander und für den Frieden im eigenen Herzen.“

Unter dem Leitwort „Maria, Du Königin der Familien!“ finden in diesem Monat besondere Maiandachten im Augsburger Mariendom statt. Die Andachten beginnen jeweils um 19.00 Uhr. Hier die folgenden Termine mit dem jeweils zelebrierenden Geistlichen:

Sonntag, 8. Mai
Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg

Sonntag, 15. Mai
Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger

Sonntag, 22. Mai
Domdekan Generalvikar Dr. Wolfgang Hacker

Donnerstag, 26. Mai (Christi Himmelfahrt)
Domvikar Andreas Miesen

Sonntag, 29. Mai
Letzte Feierliche Maiandacht
Weihbischof Florian Wörner