Bayerische Diözesanratsvorsitzende in Rom

17.10.2019 13:24

Die Gruppe der sieben bayerischen Diözesanratsvorsitzenden und Joachim Unterländer als Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken sowie Ordinariatsdirektor Dr. Armin Wouters als Verbindungsmann zur Kurie reisten am letzten Septemberwochenende nach Rom. Ziel der Reise war es, sich über das Bild von der deutschen Kirche in Rom zu informieren und gleichzeitig vor Ort über die Anliegen der Kirche in Deutschland Informationen weiterzugeben.

v.l.n.r.: Dr. Günter Heß (Bamberg), Joachim Unterländer (Landeskomitee), Markus Biber (Passau), Christian Gärtner (Eichstätt), Luis Kardinal Ladaria SJ (Vatikan), Prof. Dr. Hans Tremmel (München-Freising), Hildegard Schütz (Augsburg), Dr. Armin Wouters (München), Karl-Peter Büttner (Würzburg), Karin Schlecht (Regensburg)
Foto: Diözesanrat Bamberg

Ein Höhepunkt dieser Tage war dabei sicherlich das Gespräch mit dem Präfekten der Glaubenskongregation Luis Kardinal Ladaria SJ. Er steht dem synodalen Weg, der jetzt von der Deutschen Bischofkonferenz und dem Zentralkomitee der Katholiken beschritten wird, grundsätzlich offen gegenüber, verweist aber auf das weltweit gültige Kirchenrecht. Ihn beschäftigen sehr die Missbrauchsfälle, die rund um den Globus aufgetreten sind. Die Kurie ist gezwungen hier zu handeln, da – anders als in Deutschland – eine unabhängige und korruptionsfreie Aufarbeitung, auch zusammen mit der Justiz, nicht überall möglich ist.

Dieses Thema beherrschte auch das Treffen mit Schwester Dr. Karolin Kuhn, Dozentin am Katholischen Kinderschutzzentrum Centre for Child Protection der Päpstlichen Universität Gregoriana. Sie forscht vor allem an den Ursachen von Missbrauch. Dabei geht es auch um den Missbrauch von Macht und um den des Gewissens. Sexueller Missbrauch ist nur eine Facette des übergriffigen Umgangs mit Mitmenschen. Präventiv muss man auch fragen, welche Personen letztlich nicht zu bestimmten Berufen zugelassen werden. Die gilt nicht nur für das Priesteramt. Dabei wurde aber auch deutlich, dass solche Strategien zur Verhinderung von Missbrauch ein anderes Priesterbild und in letzter Konsequenz auch ein anderes Kirchenbild zur Folge haben.

Der Missbrauchsskandal war auch Thema beim Gespräch mit Ellen Trapp vom ARD-Studio Rom. Von den Diözesanratsvorsitzenden wurde kritisch angefragt, warum denn sowohl von geistlicher wie auch von Laienseite immer nur extreme Positionen in Interviews auftauchten. Frau Trapp berichtete, dass sich gerade unter den Bischöfen leider kaum „gemäßigte“ Kreise als Gesprächspartner zur Verfügung stellten.

Was bleibt als Fazit? Zunächst die Einsicht, dass die Kirche in Deutschland nur ein kleiner Baustein am großen Bauwerk der Weltkirche ist. Darüber hinaus die Erkenntnis, dass die Laienarbeit in Mitteleuropa, sei es auf der Ebene der Räte, aber auch teilweise auf der Ebene der Verbände, in der Welt ziemlich einmalig ist. So werden Diözesanratsvorsitzende in Rom eher als etwas Exotisches betrachtet. Die Ausnahmesituation der Kirche in Deutschland in Bezug auf hauptamtliche Laien (Pastoralreferenten etc.) und in Bezug auf die Ökumene werden mit Staunen, aber auch mit Argwohn betrachtet. Vor diesem Hintergrund ist manche Reaktion aus dem Vatikan zu verstehen. Andererseits weiß man im Vatikan die Strukturiertheit der katholischen Kirche in Mitteleuropa durchaus zu schätzen. Insofern ist jeder Kontakt auch zwischen Laienvertretern aus Deutschland und dem Vatikan hilfreich.

Hildegard Schütz (Augsburg), Dr. Günter Heß (Bamberg)