Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gegen den § 217 StGB

Das Leben des Menschen ist unverfügbar!

26.02.2020 14:06

Mit Entsetzen und großer Besorgnis betrachte ich nicht nur die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) für verfassungswidrig zu erklären, sondern auch (in der Urteilsbegründung) aus der Selbstbestimmung des Einzelnen über sein Leben ein Recht auf Suizid „in jeder Phase menschlicher Existenz“ herzuleiten.

Als Christen sehen wir die Würde des Menschen nicht in seiner Freiheit allein, sondern in seiner Gottebenbildlichkeit und in der Gewolltheit seiner Existenz durch Gott. Daraus ergibt sich die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens.

  • Gott allein ist der Herr über Tod und Leben. Nach der aktuellen Interpretation des Bundesverfassungsgerichtes stünde das Menschenbild des Grundgesetzes im Widerspruch zum christlichen Menschenbild, weil das Bundesverfassungsgericht den Menschen zum alleinigen Herrn über sein Leben erklärt.
  • Es kommt der Religion zu, über Fragen von Tod und Leben zu befinden. Die Urteilsbegründung des Bundesverfassungsgerichts enthält die Behauptung, die Entscheidung des Einzelnen zum Suizid entziehe sich „religiöser Gebote“. Wir halten am Gebot „Du sollst nicht töten“ auch hinsichtlich des eigenen Lebens fest.
  • Der Gesetzgeber ist aufgefordert, den Schutz des Lebens zu gewährleisten. Ausdrücklich weist das Bundesverfassungsgericht darauf hin, es sei ein legitimes Anliegen des Gesetzgebers zu verhindern, dass sich „der assistierte Suizid in der Gesellschaft als normale Form der Lebensbeendigung durchsetzt“ und er dürfe „einer Entstehung sozialer Pressionen (…), sich unter bestimmten Bedingungen, etwa aus Nützlichkeitserwägungen, das Leben zu nehmen“ entgegensteuern.

Auch Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger hat sich dankenswerter Weise sofort zu Wort gemeldet, die Entscheidung bedauert und auf ihre Gefahren hingewiesen. Ausdrücklich begrüße ich, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB gewandt haben.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass erst im Oktober 2019 der Vatikan, das Großrabbinat von Israel und eine muslimische Organisation sich gegen Euthanasie und assistierten Suizid gewandt haben. Dies entspricht auch einer kurz zuvor veröffentlichten Erklärung des Weltärztebundes (World Medical Association, WMA) gegen die Tötung auf Verlangen und die Beihilfe zum Suizid.

 

Hildegard Schütz
Vorsitzende