Zum Ergebnis der Pfarrgemeinderatswahl

Der Briefwahl-Effekt

16.03.2018 11:36

956 von 1006 Pfarreien haben bislang ihr Ergebnis gemeldet. Obwohl nach diesem „vorläufigen amtlichen Endergebnis“ die Wahlbeteiligung leicht gesunken ist (von über 12 auf über 11 %), gibt es auch positive und überraschende Ergebnisse. So haben 51 Filialen einen eigenen Pfarrgemeinderat, obwohl nur Pfarreien einen Pfarrgemeinderat haben müssen. Für große Überraschungen sorgten auch Pfarreien, die erstmals allgemeine Briefwahl durchführten.

Von den knapp 80 Pfarreien mit allgemeiner Briefwahl kam es bei 15 Pfarreien zu einer Steigerung der Wahlbeteiligung von über 200 %. Absoluter Spitzenreiter ist die Pfarrei „Mariä Heimsuchung“ in Lechbruck mit einer Steigerung von fast 380 %. In der Pfarrei sind 1.426 Katholiken wahlberechtigt, wovon 355 gewählt haben. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von fast 25 %. Bemerkenswert ist aber auch, dass in Pfarreien, die zum wiederholten Mal eine allgemeine Briefwahl durchgeführt haben, die Wahlbeteiligung ebenso sinkt wie bei den anderen, nur eben von einem höheren Niveau aus.

Die sinkende Zahl von Kirchenmitgliedern und Gottesdienstbesuchern führt natürlich allgemein zu einem Absinken der Beteiligung an kirchlichen Vollzügen, weil damit auch ein Verlust der Bedeutung der Religion überhaupt und ihrer Wirkung in die Gesellschaft hinein verbunden ist. Gleichwohl gibt es Faktoren, die dem etwas entgegenwirken können. Dazu gehört die Briefwahl, die bereits mit einem ganz einfachen Effekt punkten kann: Ist nämlich das Wetter schlecht – dieses Jahr war es bspw. sehr kalt am Wahlsonntag –, hat das auf den Gottesdienstbesuch Einfluss und auch auf die Zahl derer, die im Anschluss oder zuvor das Wahllokal aufsuchen. Die Briefwahl ist witterungsunabhängig. Außerdem gibt es in den Pfarreiengemeinschaften nicht mehr automatisch an jedem Sonntag in jeder Pfarrkirche eine Messe. Der Messbesucher muss aber zum Wählen in das Wahllokal seiner Pfarrei, das er natürlich eher aufsucht, wenn er ohnedies dort zur Sonntagsmesse geht. Auch diesen negativen Effekt fängt die Briefwahl auf.

Auf einen weiteren positiven Aspekt macht eine Mitteilung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern aufmerksam: „Die Wahl macht erneut deutlich: Es sind über die registrierten Gottesdiensteilnehmer hinaus noch mehr Gläubige bereit, sich von der Kirche ansprechen zu lassen und für sie aktiv zu werden, nämlich etwa 137 Prozent. Mit der Briefwahl können sogar fast doppelt so viele Gläubige erreicht werden als durch den sonntäglichen Gottesdienst. Vielleicht liegt hier noch ein Potential, das sich auch zwischen den Pfarrgemeinderatswahlen noch besser nutzen lässt.“

Dieses Potential sind nicht wenige Menschen. In der Diözese Augsburg wurden fast 7.400 Katholiken in den Pfarrgemeinderat gewählt. Hinzu kommen die geborenen Mitglieder, also Hauptamtliche, und die vom Pfarrgemeinderat Hinzugewählten. Hierzu noch einmal das Landeskomitee: „Alle Mitglieder – in ganz Bayern etwa 50.000 Gläubige – werden in den kommenden vier Jahren das kirchliche Leben in den Pfarrgemeinden und Dekanaten mit Ideen und Initiativen gestalten. Sie können dabei sowohl den gesellschaftspolitischen als auch innerkirchlichen Fragestellungen nachgehen, also den Welt- und Heilsdienst in der katholischen Kirche ausüben.“

Und sie sollten dies engagiert und kreativ tun. Aus einigen Dankesadressen, die uns aus Pfarreien erreichten, die das erste Mal – mit Hilfe der Diözese und des Diözesanrats – eine allgemeine Briefwahl durchgeführt haben und von den Ergebnissen begeistert waren, sprach neben der Freude über die zahlenmäßige Steigerung die Überraschung, dass die Pfarrei und der Pfarrgemeinderat auf einmal zum Ortsgespräch geworden waren. Für Ideen und Initiativen von Pfarrgemeinderäten, mit möglichst Vielen in der Pfarrei immer wieder ins Gespräch zu kommen sowie Glaube und Kirche zum Ortsgespräch werden zu lassen, prämiert nicht nur das Wahlergebnis in vier Jahren: Auch der Diözesanrat und damit alle Pfarreien freuen sich auf die Weitergabe Ihrer Ideen und Initiativen.

 

katholisch1.tv am Wahltag

 

Die Wahlergebnisse

 

katholisch 1.tv zur Wahlanalyse beim Diözesanrat