Auftaktveranstaltung „Kirche und Kommune – gemeinsam für soziale Gemeinden“

Für eine lebenswerte Zukunft des ländlichen Raumes

16.10.2015 14:11

Die Auftaktveranstaltung zum Projekt „Kirche und Kommune – gemeinsam für soziale Gemeinden“ fand am gestrigen Donnerstag im Bräuhaussaal in Ursberg statt. Um die 130 Vertreter der Gemeinden des Landkreises Günzburg und der Pfarrer, Kirchenverwaltungen, Pastoralräte, Dekanatsräte und Pfarrgemeinderäte und Verbände des Dekanats Günzburg kamen zusammen, um erste Schritte zu tun, gemeinsam lebendige Dorfgemeinschaften zu erhalten und soziale Gemeinden weiterzuentwickeln.

Gerade die gegenwärtige sog. „Flüchtlingskrise“ zeigt, dass praktische Hilfen für Asylbewerber, wie sie Adelgunde Kempfle aus Ichenhausen vorstellte, von beiden Seiten geleistet werden. Es gibt also bereits ein selbstverständliches Miteinander, wenn es darum geht, bei akuten Notlagen anzupacken. Das gute Miteinander und der gegenseitige Respekt sind die Voraussetzungen dafür, gemeinsam etwas zu bewegen. Dies betonte Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz in ihrem Schlusswort. Schütz, die selbst in Krumbach (Landkreis Günzburg) wohnt, hatte nach ihrer Begrüßung den Diözesanrat vorgestellt. Am Beispiel des hl. Martin hatte sodann Dekan Martin Finkel auf die christliche Tradition der praktischen Nächstenliebe verwiesen. Mit einer interessanten Zukunftsvision brachte sich Landrat Hubert Hafner ein: In 15 Jahren, so Hafner, dürften es die Senioren sein, die die Hauptarbeit im sozialen Geschehen vor Ort leisteten. Dass solche Veränderungen durchaus realistisch sein können, zeigte der Vortrag von Josef Miller. Als früherer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat er heute die Leitung des Sachausschusses „Land“ im Diözesanrat inne. Er wies in seinem Beitrag zunächst darauf hin, dass die Verlagerung des Schwerpunkts der Bevölkerung vom Land in die Stadt einem epochalen Wandel unterliege, wie es ihn seit Jahrhunderten nicht gegeben hatte. Aber Miller ist kein Theoretiker, er ist der Vater dieses Projekts, dessen Pragmatik er anhand dreier Leitfragen so auf den Punkt brachte: „Was brauchen wir? Wie können wir die Probleme lösen? Wer macht mit?“ Doch „Kirche und Kommune – gemeinsam für soziale Gemeinden“ beruht auf der wissenschaftlich qualifizierten Studie: „Netzwerk Kommune – Kirche – Gesellschaft“ des Vereins „Soziale Gemeinden im Unterallgäu“. Und auch im Sachausschuss konnte Miller auf die Expertise von Ferdinand Bisle (er moderierte den Abend), beim „Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben“ für „Land- und Dorfentwicklung“ zuständig, und Thomas Stark, Referent für kirchliche Gemeindeentwicklung und Bearbeiter der Studie, zählen. Stark war es auch, der in einem Vortrag die Studie, die daran Beteiligten und die Gründung des Projektes vorstellte. Er zeigte die umfassende Bedeutung kirchlicher Aktivitäten in einer Pfarrei auf und arbeitete heraus, dass weltliche und geistliche Gemeinden vor vergleichbaren, ja großenteils deckungsgleichen Herausforderungen stünden, letztlich auch jeder Sportverein. Einer seiner Impulse war, dass es gelte, generationenübergreifende Angebote, Angebote für Alteingesessene und Neubürger zu machen. Diesem Projekt und seinen Veranstaltungen ist zu wünschen, dass sie zu einer Fülle entsprechender Aktivitäten führen mögen, damit unser Land nicht nur eine liebenswerte Kulisse, sondern ein lebenswerter Raum bleiben möge.

 

Romana Kröling und Karl-Georg Michel von der Bischöfl. Pressestelle haben dazu Staatsminister a.D. Josef Miller interviewt. Das Interview finden Sie im Newsletter der Pressestelle „WIR im Bistum“ und auf der Bistumshomepage.