Ökumenische Begegnung 2015

23.10.2015 14:55

Eine Koryphäe der Religionssoziologie, den Münsteraner Professor Detlef Pollack, hatten die Vertreter des Kirchenkreises Augsburg und Schwaben der Evangelisch-Lutherischen Kirche und des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Augsburg geladen, um über die Zukunft der christlichen Kirchen in Deutschland zu diskutieren.

Hielt den Gastvortrag: Prof. Detlef Pollack

Hunderttausende sind es jedes Jahr, die den beiden großen Kirchen in Deutschland den Rücken kehren. Seit Jahrzehnten schon gibt es die These von der Säkularisierung, dem sozialen Bedeutungsverlust von Religion oder der Verweltlichung der Gesellschaft. Demnach sind schwindende Zahlen von Gottesdienstbesuchern und Kirchenmitgliedern eine unaufhaltsame Entwicklung, weil sich die Menschen aus religiösen Bindungen lösen. Auf diese Weise kann natürlich irgendwann nicht mehr von Volkskirche gesprochen werden, weil die Mehrheit der Bevölkerung entweder konfessionslos ist oder anderen Religionen als der christlichen angehört. Durch die Wiedervereinigung ist in Deutschland eine neue Situation eingetreten, nach der etwa ein Drittel katholisch, ein Drittel evangelisch und ein Drittel konfessionslos ist.

Professor Pollack wies gleichwohl auf einige interessante Aspekte seiner umfassenden Untersuchungen hin, wie sie bspw. in seinem aktuellen Werk „Religion in der Moderne. Ein internationaler Vergleich“ nachzulesen sind. So spielt etwa Kirchenkritik keine signifikante Rolle bei den Gründen, warum Menschen ihrer Kirche den Rücken kehren. Häufiger genannt wird die Einsparung der Kirchensteuer, aber den relativ höchsten Wert erreicht die Auffassung, die Kirche nicht zu brauchen. Ein Wiedereintritt – auf drei Austritte kommt im Schnitt ein Wiedereintritt – wird vor allem so begründet, dass die eigenen Kinder getauft werden sollen, dass der Ehepartner der Kirche angehört oder dass man kirchlich bestattet werden möchte. Erstaunlicherweise hat für die Planung des Lebensendes, so Pollack, die Kirche „freie Anbieter“ als Konkurrenten nicht zu befürchten, der Tod scheint so bedeutsam zu sein, dass die bewährte religiöse Großinstitution „den Zuschlag erhält“. Ritenkompetenz gilt für den Religionssoziologen überhaupt als große Stärke der Kirchen. Auch die in Teilen der Bevölkerung der neuen Bundesländer noch erhalten gebliebene Jugendweihe ist für ihn kein Gegenargument. Sie fällt eher unter das Thema Bräuche oder Familientraditionen.

Wichtig erscheint vielen Menschen an der Kirche ihr Dasein für Arme und Schwache, politisches Engagement wird weniger gern gesehen. Auch die kirchlichen Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten werden als positiv eingeschätzt. Und für den Weg des Glaubens wird als zentral die religiöse Prägung durch die Familie angesehen. Deshalb gilt es nach Professor Pollack, den Zusammenhang von Familie und Kirche zu stärken.

Zum großen Interview mit Prof. Pollack in der Katholischen SonntagsZeitung:

Begrüßte die Teilnehmer im Annahof: Regionalbischof Michael Grabow
Gespräche am Rande der Tagung: katholische Teilnehmer
Konzentrierte Zuhörer der Ökumenischen Begegnung im Annahof