Volksbegehren Artenschutz

Der richtige Weg, die Natur besser zu schützen?

06.02.2019 16:20

Der Diözesanrat der Katholiken sieht das Anliegen des Volksbegehrens für die Artenvielfalt in Bayern. Wir haben uns auf unserer Frühjahrsvollversammlung 2018 selbst mit dem Thema befasst. Es steht aber in dem größeren Zusammenhang des Erhalts unserer Lebensgrundlagen, das heißt der Schonung der Ressourcen und dem Erhalt natürlicher Lebensräume, der Bewahrung der Schöpfung.

Die Bewahrung der Schöpfung geht weit über die Rettung der Bienen hinaus und erfordert eine differenzierte und ganzheitliche Betrachtung: Einzelprobleme sind ebenso in den Blick zu nehmen wie unser gesamtes Konsum- und Wirtschaftsverhalten und seine weltweiten Konsequenzen.

Das Volksbegehren fordert eine Verschärfung des Bayerischen Naturschutzgesetzes. Ist das in einem umfassenden Sinne der richtige Weg, die Natur besser zu schützen?

  • Gesetze sind nötig, wenn sich anderweitig nichts bewegt. Von der Verschärfung des Bayerischen Naturschutzgesetzes sind vor allem die Landwirte betroffen. Ist es tatsächlich so, dass die Bauern nicht wissen, was sie tun? Tun sie zu wenig für den Umweltschutz? Müssen sie erst gezwungen werden, mit der Schöpfung schonend umzugehen?
  • Die geforderte Gesetzesänderung betrifft auch Gartenbesitzer und Kleingärtner, wirtschaftlich aber vor allem die Bauern. Welche Konsequenzen haben die neuen Gesetze für kleine und mittlere Betriebe? Werden sie für die nach Maßgabe der neuen Gesetze produzierten Lebensmittel genügend Absatz finden? Sind auch wir bereit, dafür einen adäquaten Preis zu bezahlen?
  • Die Mehrzahl der Unterzeichner bringt Vorschriften für andere auf den Weg, nicht für sich selbst. Welche Einschränkungen und Kosten nehmen wir für uns in Kauf, um Umwelt und Ressourcen zu schonen? Im Rathaus eine Unterschrift zu leisten, ist kein großer Aufwand. Ein sehr viel größerer ist die Umstellung der eigenen Lebensweise auf Verzicht und Nachhaltigkeit.

Unsere Heimat ist mit einer herrlichen Natur beschenkt, die sich in Jahrhunderten zu einer lie-benswerten Kulturlandschaft entwickelt hat. Dazu gehört eine Vielzahl dörflicher Familienbetriebe, die das Leben auf dem Land charakterisieren und auch das städtische Leben mit ihren Produkten und Traditionen bereichern. Der Erhalt bäuerlicher Existenzen und ländlicher Lebensqualität, wozu auch lebendige Pfarrgemeinden, Brauchtumspflege und Vereinsleben, nicht zuletzt Landärzte und Dorfwirtschaften gehören, ist uns als Verantwortung gegenüber unserer Heimat aufgetragen.

Vor fast fünfzig Jahren sprach Papst Paul VI. von der Möglichkeit einer „ökologischen Katastrophe als Konsequenz der Auswirkungen der Industriegesellschaft“ und betonte „die Dringlichkeit und die Notwendigkeit eines radikalen Wandels im Verhalten der Menschheit“, denn „die außerordentlichsten wissenschaftlichen Fortschritte, die erstaunlichsten technischen Meisterleistungen, das wunderbarste Wirtschaftswachstum wenden sich, wenn sie nicht von einem echten sozialen und moralischen Fortschritt begleitet sind, letztlich gegen den Menschen.“ (1970)

Papst Franziskus schreibt in seiner Umweltenzyklika „Laudato si‘“ (2015): „Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle.“ (14) Auch wir als Diözesanrat wollen dieses Gespräch führen und anregen, in den Pfarreien und mit unseren Landwirten über unsere Lebensweise und unsere Zukunft, über die „Humanökologie“ zu sprechen, denn: „Um von einer echten Entwicklung sprechen zu können, ist sicherzustellen, dass eine ganzheitliche Verbesserung der menschlichen Lebensqualität erbracht wird.“ (Laudato si‘, 147)

 

6. Februar 2019 

für den geschäftsführenden Vorstand:
Hildegard Schütz, Vorsitzende