15.03.2014 17:15

Der Anteil älterer Menschen in unseren Pfarrgemeinden wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen. Diese demographische Entwicklung ist eine große Herausforderung. Kommunen beginnen sich darauf einzustellen. Traditionell haben die Kirchen hier ein breites soziales und seelsorgliches Angebot, aktuell aber auch ein größeres Aufgabenfeld. Heute müssen sich Seelsorger und Pfarrgemeinden auf den demographischen Wandel einstellen, soll nicht der Staat mit bezahlten Kräften alleiniger Begleiter am Lebensabend sein. Das gilt nicht nur vor Ort für die Pfarrei oder Pfarreiengemeinschaft, sondern auch für die Kirche insgesamt.

Aufgaben in der Pfarrgemeinde
Die Christen in unseren Gemeinden erleben als Senioren verschiedene Lebensphasen, die allgemein als dritter bis fünfter Lebensabschnitt bezeichnet werden. In allen Phasen muss die Gemeinschaft der Ortsgemeinde präsent sein. Besonders jüngere Senioren sind direkt aufgefordert, die Älteren zu begleiten und zu unterstützen.

Gerade in den immer größer werdenden Pfarreiengemeinschaften und angesichts der wachsenden Zahlen von Senioren mit eingeschränkter Mobilität ist die Unterstützung der Heimatpfarrei zur Ermöglichung des Besuchs von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen ein wichtiger Dienst.

Ebenso wie Gottesdienste sollten auch Veranstaltungen auf die Lebensbereiche und Bedürfnisse von Senioren bezogen sein bzw. diese mit berücksichtigen. Treffen wie z.B. Seniorennachmittage sollten nicht ausschließlich den Kreis der Betagten bis Hochbetagten, sondern auch schon Ruheständler ansprechen. Möglichst viele Veranstaltungen sollten als Zielgruppe ein breiteres Altersspektrum einschließen. Sonst bildet sich schnell ein abgeschotteter Kreis, von dem Jüngere sich nicht angesprochen fühlen oder zu dem ein Zutritt Jüngerer nicht erwünscht ist.

Die Fülle an Lebens- und Berufserfahrungen älterer Menschen kann in viele Bereiche, auch in den Bedarf der Pfarrgemeinde einfließen. Dies kommt umgekehrt auch dem Bedürfnis, in jeder Lebensphase gebraucht zu werden, entgegen. Ob Reparaturarbeiten oder Buchhaltung, Vorträge oder Hilfen für Schüler und Lehrlinge – wichtig ist, dass die Gemeinde um das Potential an Fähigkeiten und Erfahrungen Älterer weiß. Das geschieht letztlich über gute und vielgestaltige persönliche Kontakte. Am besten ist es, wenn sich auch ältere Mitglieder der Pfarrgemeinde schon vor ihrem Rentenalter in die Pfarrei eingebracht haben.

In späteren Lebensphasen nimmt die Bedürftigkeit für Hilfeleistungen zu. Zugleich wird in einer Gesellschaft der Autonomie, der Vitalität, der Leistung und Effizienz Bedürftigkeit im Alter zu etwas, das man ungern zugibt, dessen man sich oft sogar schämt. Durch die Propagierung und Ermöglichung der aktiven Sterbehilfe entsteht die Gefahr, dass das „sozialverträgliche Frühableben“ naheliegender und erstrebenswerter erscheint als das Angewiesensein auf Hilfe, Pflege, Betreuung und Zuwendung. Hier können und sollen die jüngeren Senioren, aber auch die Pfarrgemeinde als Ganze zu kontinuierlicher Unterstützung bereit sein. Diese Unterstützung reicht von sehr praktischen nachbarschaftlichen Tätigkeiten bis zu Betreuungs- und Besuchsdiensten in den letzten Lebensphasen. Die Ehrenamtlichen müssen dabei jedoch durch Schulungen und Begleitungen unterstützt werden.

Entscheidende Grundlage für alle diakonischen Aktivitäten in der Pfarrgemeinde ist ein stetiger Prozess der Gemeinschaftsbildung, der letztlich nur in der Ortspfarrei geschehen kann und möglichst frühzeitig begonnen werden muss.

Aufgaben über die Pfarrgemeinde hinaus
In vielen Bereichen ihres diakonischen Wirkens gelangt die Pfarrgemeinde an ihre Grenzen. Das gilt beispielsweise, wenn es um Kontakte zu Behörden, Ärzten oder auch um die vielen kleinen Dienste, wie Hilfe zum Einkaufen oder auch um das tägliche Essen geht.

In all diesen Fällen kann ein aktiver Seniorenkreis des Pfarrgemeinderats als Initiator und als Begleiter gute Dienste tun.

Auch die Kommunen und Landkreise suchen nach Kooperationspartnern, ebenso Vereine und Privatinitiativen oder Seniorenbeiräte. Eine Zusammenarbeit oder Vernetzung kann Angebote und Aktivitäten ermöglichen, die ein einzelner Träger so nicht leisten kann.

Leitlinien für die Seniorenarbeit in der Pfarrgemeinde

  • Der Anteil der Senioren in den Pfarrgemeinden wird in den nächsten Jahrzehnten entscheidend zunehmen. Die Pfarrgemeinden müssen sich darauf heute schon einstellen. Aus dem Pfarrgemeinderat sollte ein aktiver Seniorenarbeitskreis gebildet werden, in dem möglichst auch berufene Christen mit diakonischen Fähigkeiten vertreten sind.
  • Eine enge Zusammenarbeit der Pfarrgemeinde mit örtlichen Caritasstellen ist hilfreich und sollte deshalb gepflegt werden.
  • Kontinuierliches Aufspüren von Fähigkeiten engagierter Senioren ist für eine fruchtbringende Seniorenarbeit unerlässlich.
  • Seelsorgliche Betreuung sollte auch durch Mitarbeit geschulter Laien geschehen. Enge Zusammenarbeit mit dem Pfarrer ist dabei entscheidend.

Schluss
„Ich hoffe, dass es jedes Mal, wenn wir versuchen, in der jeweils gegenwärtigen Lage die Zeichen der Zeit zu erkennen, angebracht ist, die Jugendlichen und die Älteren anzuhören. Die Älteren bringen das Gedächtnis und die Weisheit der Erfahrung ein, die dazu einlädt, nicht unsinnigerweise dieselben Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Die Jugendlichen rufen uns auf, die Hoffnung wieder zu erwecken und sie zu steigern, denn sie tragen die neuen Tendenzen in sich und öffnen uns für die Zukunft, so dass wir nicht der Nostalgie von Strukturen und Gewohnheiten verhaftet bleiben, die in der heutigen Welt keine Überbringer von Leben mehr sind.“ (Papst Franziskus in Evangelii Gaudium, Nr. 108)

Verabschiedet von der Vollversammlung des Diözesanrats am 15.03.2014.