2. Aufbau der Katholischen Atkion in Augsburg nach 1945

Zu den Personen, die den Aufbau der Katholischen Aktion in Augsburg nach dem Krieg wesentlich prägten, gehören Dr. Hans Gaugenrieder und Hubert Müllegger. Als Zeitzeugen der ersten Stunde sollen zunächst sie zu Wort kommen.

2.1 Erinnerungen von Dr. Hans Gaugenrieder

Dr. Hans Gaugenrieder

Landgerichtsvizepräsident Dr. Hans Gaugenrieder (1910-1998) war ab 1963 Präsident der Katholischen Aktion Augsburg und in der Übergangszeit von der Katholischen Aktion zum Diözesanrat von 1968 bis 1970 Präsident des "Diözesanrats im Aufbau". Er war von 1958 bis 1970 Mitglied des Landesausschusses der Katholischen Aktion in Bayern (später Landeskomitee) sowie von 1953 bis 1984 Vorsitzender des Augsburger Diözesanverbands des Familienbundes, der parallel zur Gründung auf Bundesebene entstanden war.

1938 war Gaugenrieder wegen seiner nationalsozialistischen Kritik aus dem Dienst entlassen worden. Sein Denunziant war ein ehemaliger Benediktiner aus Schweiklberg. Das ging aus den Gestapo-Akten hervor, die Gaugenrieder 1945 in die Hände gespielt worden waren. Er galt als politisch Verfolgter und wurde 1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Nach dem Krieg war Gaugenrieder zunächst bei der Katholischen Elternvereinigung tätig. Josef Hall (+ 1963), Präsident des Familienbundes (auf Bundesebene seit 1953) und Diözesanvorsitzender der Katholischen Aktion (seit 1956), bezog die Sachbearbeiter der einzelnen Verbände in die Katholische Aktion mit ein und bemühte sich um Zusammenarbeit.

Gaugenrieder wurde Halls Vertreter. Nach dessen Rücktritt 1958 blieb er auch Vertreter des neuen Präsidenten der Katholischen Aktion, Baron Götz von Pölnitz. Als dieser 1963 zurücktrat, wurde Gaugenrieder Präsident der Katholischen Aktion.

Im Rahmen der Katholischen Aktion fanden jährliche Sitzungen für Dekanatsvertreter statt. Diese Tagungen hatten manchmal seltsame Themen. Einmal wurde beispielsweise der bayerische Landwirtschaftsminister Hundhammer eingeladen, weil sich der Milchpreis von einem Tag auf den anderen um das Dreifache erhöht hatte. Eine andere Tagung lautete: "Kann ein Katholik Mitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes sein?" Eingeladen waren Funktionäre der Christlichen Gewerkschaft. Die Mehrheit der Tagungsteilnehmer lehnte eine Mitgliedschaft von Katholiken im DGB ab. Zwei Hauptvertreter dieser Position wurden daraufhin in den Betriebsrat gewählt. 14 Tage nach ihrer Wahl traten sie in den DGB ein.

2.2 Hubert Mülleggers Einstieg in die Laienarbeit

Hubert Müllegger

Hubert Müllegger (geb. 1923) wurde 1956 von Bischof Joseph Freundorfer als Geschäftsführer des damaligen Vorsitzenden, Verlagsdirektor Josef Hall, in die Diözesanleitung der Katholischen Aktion berufen. Am 11. April 1970 wurde Müllegger erstmals zum Vorsitzenden des aus der Katholischen Aktion hervorgegangenen Diözesanrats gewählt. Bis 1990 war er Vorsitzender und bis Ende 1988 gleichzeitig Geschäftsführer dieses Gremiums.

"Seit meiner Jugend bin ich im kirchlichen Bereich tätig gewesen. Ich war auch in der Marianischen Kongregation von St. Stephan, die dann mit all den anderen Jugendverbänden während der nationalsozialistischen Herrschaft verboten wurde". Die Marianische Kongregation war eng mit dem Jesuitenorden verbunden. Ihr Ziel war die Erneuerung im Glauben und Orientierung an Maria als Vorbild für die Nachfolge Christi. 1563 entstand am Jesuitenkolleg in Rom die erste "Marianische Congregation" (MC). Sie wurde zum Ausgangspunkt dafür, die ignatianische Spiritualität auch Laien zugänglich zu machen. Die MC hatte drei Hauptziele: Marienverehrung, Selbstheiligung (Selbstbindung) und Apostolat. Aus den Marianischen Kongregationen wurden 1967 die "Gemeinschaften Christlichen Lebens" (GCL).

Es war gefährlich, sich in kirchlichen Gruppen zu engagieren. 1941 wurde der 18-jährige Müllegger von der Schule weg verhaftet und von der Gestapo zum Verhör mitgenommen: "Es gab von mir einen Ordner voller Unterlagen. Darin war genau festgehalten, wann ich Gruppenstunden gehabt hatte, wann ich im Kloster in St. Stephan gewesen war, was ich wo bei welcher Gelegenheit gesagt hatte. Die Nazis gingen damals in die Schulen und versuchten in jeder Klasse einige zu gewinnen, die ihre Mitschüler beobachteten. Während des Verhörs berief ich mich immer wieder auf das Reichskonkordat, in dem festgehalten war, dass Zusammenkünfte in kirchlichen Räumen stattfinden dürften. Das Konkordat war für die katholischen Vereinigungen wie ein Rettungsanker."

Als Müllegger nach dem Krieg wieder nach Augsburg kam, bat ihn der damalige Domvikar und Diözesanjugendseelsorger Bruno Harder um seine Mitarbeit beim Aufbau der Jugendarbeit in der Stadt. Da die Kirche St. Max, Mülleggers Heimatpfarrei, zerbombt war, wurden die Gottesdienste in einer Turnhalle als Notkirche gefeiert. Nach solchen Gottesdiensten holte Müllegger die Ministranten und andere junge Leute zusammen. In den Ruinen der Stephanskirche wurde auch die Marianische Kongregation wieder lebendig.

Der Direktor des Caritasverbands Augsburg, Prälat Dr. Johannes Nar, bat Müllegger 1945, sich als Präfekt des Ulrichsheims um die Jugend zu kümmern. 1951 wechselte er auf Anfrage von Franz Steber, der in München bei der schwedischen Europahilfe tätig war, zu dieser Organisation nach Neu-Ulm. Die schwedische Europahilfe engagierte sich nach dem Krieg in Deutschland beim Aufbau der Jugendarbeit, indem sie beispielsweise Gelder in Jugendheime investierte. In Neu-Ulm erfuhr Müllegger durch Amtsrichter Eduard Dorn aus Weißenhorn, dass Josef Hall, Verlagsdirektor der Kirchenzeitung und des Winfriedwerkes (später Weltbild), von Augsburg aus versuchte, in den Dekanaten die Katholische Aktion aufzubauen.

1956 bat Bischof Freundorfer Müllegger um seine Mitarbeit beim Aufbau der Katholischen Aktion in der Diözese.

2.3 Erste Schritte

Der erste Halbjahresbericht der Katholischen Aktion von 1952 beschreibt anschaulich die Anfänge in der Diözese:

"Den Auftakt der öffentlichen Arbeit der Katholischen Aktion bildete der Katholikentag in Augsburg am 30. September 1951, mit dessen Vorbereitung der Hochwürdigste Herr Bischof die Diözesanleitung der Katholischen Aktion beauftragt hatte. Zur Durchführung dieses Auftrags wurde in Zusammenarbeit mit den katholischen Organisationen der Stadtausschuss der Katholischen Aktion aufgestellt und die erforderlichen Organisations- und Arbeitsausschüsse gebildet.

Es galt nun, im Weiterbau des auf dem Katholikentag gelegten Fundamentes die Katholische Aktion auch in der Diözese weiter zu verankern. So wurde die 2. Diözesantagung des Katholischen Männerwerkes verbunden mit dem 1. Diözesantag der Katholischen Aktion am 9. März 1952 abgehalten, auf dem aus den zahlreich erschienenen Delegierten die Dekanatsobmänner bestimmt wurden, die in enger Zusammenarbeit mit der Geistlichkeit die Organisation der Katholischen Aktion in der Diözese verwirklichen sollten. In der Diözesanhauptstadt wurden zunächst von der Diözesanleitung 10 Arbeitskreise, die unter der Leitung maßgebender Männer und Frauen stehen und in erster Linie der geistigen Schulung und Aufklärung der Katholiken dienen, ins Leben gerufen. Bald darauf entstanden [...] zwei Rednerkurse für Anfänger".

2.4 Ein entscheidendes Jahr: 1955

Die Arbeit für die Katholische Aktion begann in einer Baracke im Hof der zerbombten Domprobstei. Das spätere Büro der Katholischen Aktion war in der Peutingerstraße.

Ein entscheidendes Jahr für die Katholische Aktion war das Ulrichsjahr 1955. Man gedachte des Millenniums der Schlacht auf dem Lechfeld und feierte dieses Jubiläum zugleich als Tage Abendländischen Bekenntnisses. Politisch gesehen brachte dieses Jahr durch Männer wie Konrad Adenauer und Robert Schuman den Anfang der europäischen Idee, die während der Festwoche von den verschiedenen Rednern, darunter Schuman, aufgegriffen wurde. Von den Veranstaltern in Augsburg war das Jahr 1955 zugleich gedacht als ein Jahr der Begegnung für die gesamte katholische Welt - auch des Auslands - und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte sich von Anfang an zum Mitträger dieses Gedankens gemacht.

Auf den Straßen des heiligen Ulrich

In seinem Hirtenwort zum Ulrichsjahr 1955 nannte Bischof Freundorfer dieses Jahr ein "Jahr der Katholischen Aktion". Er rief alle Gläubigen dazu auf, in Wort und Tat Zeugnis von Christus zu geben und nach dem Vorbild des Heiligen Ulrich Christi Botschaft in die Welt zu tragen.

Die Katholische Aktion war an den Vorbereitungen und der Durchführung maßgeblich beteiligt. An der Spitze des lokalen Organisationskomitees stand der Präsident der Katholischen Aktion, Josef Hall, der 1951 bereits einen großen Diözesankatholikentag durchgeführt hatte und über viel Erfahrung verfügte. Unterstützt wurde er von Martin Lohr als dem Bischöflichen Beauftragten. Um die gesamte Diözese für das Jubiläum aufzuschließen, wurde die Arbeit der Katholischen Aktion in den Pfarreien intensiviert.

Martin Lohr
Josef Hall

Die Katholische Aktion arbeitete eng mit dem Seelsorgereferat zusammen. Lohr war Referent für Seelsorgsfragen und Bischöflicher Beauftragter für die Katholische Aktion. Lohr und Hall arbeiteten gut zusammen. Es gab kaum eine Sitzung des Seelsorgeamts, bei der Hall nicht zugegen war, umgekehrt gab es keine Sitzung der Katholischen Aktion, die ohne Lohr stattfand. Diese Zusammenkünfte waren eine Möglichkeit, die Vertreter der Verbände und die Hauptamtlichen, die im Laienbereich tätig waren, mit dem Seelsorgeamtsleiter und mit dem Präsidenten der Katholischen Aktion zu einem gegenseitigen Austausch zusammenzubringen.

Das Ulrichsjubiläum gab dem katholischen Leben in der Diözese wichtige Impulse und der Katholischen Aktion weitere Anknüpfungspunkte zur Intensivierung der Laienarbeit.

2.5 Schwerpunkt Bildungsarbeit

Bereits seit Anfang der 50er Jahre war die Katholische Aktion in der Diözese schwerpunktmäßig im Bereich der Bildungsarbeit tätig. Über diese Arbeit berichtete Dr. Gaugenrieder in seinem "Rückblick und Ausblick" auf der konstituierenden Sitzung des Diözesanrats der Katholiken am 11. April 1970:

"Das stete Ziel war: Durch all unsere Arbeit, auch durch die Bildungsarbeit und Großveranstaltungen wollten wir zur Bildung von Laiengremien in den Pfarrgemeinderäten kommen. [...] In der Überzeugung, dass die Predigtverkündigung in Sachen des Glaubens nicht mehr ausreichend sei, gelang es da und dort Glaubensseminare zu veranstalten. [...] Schließlich ging man dazu über, in Eheseminaren Eheleute, Väter und Mütter zu versammeln. [...] Außerdem gewann im Präsidium der Katholischen Aktion die Auffassung Vorhand, dass es wichtiger sei, in einer Ehevorbereitung junge Menschen zu ihrem Ziel zu führen. [...] Auf die Ehevorbereitung hat die Katholische Aktion dann als Aufbau gesetzt die ehebegleitende Schulung in der Form von Erziehungsseminaren".

Die Eheseminare waren die erste Säule der Bildungsarbeit für Erwachsene, die in den Dekanaten aufgebaut wurde. Das erste Eheseminar wurde damals mit Hilfe der Katholischen Aktion von Hall in Kaufbeuren durchgeführt. Natalie und Alfred Egger führten das erste Eheseminar in der Diözese Augsburg durch. Daraufhin bekamen einige Dekanate Mut und richteten ebenfalls Eheseminare ein, so etwa in Neu-Ulm.

Müllegger und Lohr fuhren viele Abende in die Pfarreien, um die Pfarrer dafür zu gewinnen, einen Brautleutekurs oder ein Ehevorbereitungsseminar zu veranstalten. Es fanden dann sechs bis acht Abende statt. In einem zweiten Schritt ging man dazu über, Zertifikate auszustellen. Bei diesen Kursen wurde die Katholische Aktion auch von J. Strobl, Domkapitular und Kirchenrechtler, unterstützt.

Auch in der Jugendarbeit hatte man die Ehe im Blick; dazu wurden eigene Seminare für Jugendliche angeboten. Hinzu kamen die sogenannten Ländlichen Seminare: zuerst die Landjugend, dann das Landvolk. Sie wurden zumeist von einer sogenannten Runde der Verantwortlichen organisiert, um deren Mitarbeit sich die Katholische Aktion bemühte.

Amtsrichter Eduard Dorn aus Weißenhorn baute das Volksbildungswerk auf, dessen Leiter er wurde. Er bediente sich dabei Referenten, die aus der Katholischen Aktion kamen. Die erste Rednerliste der Katholischen Aktion von 1953 umfasst 56 Namen unterschiedlichster Kompetenzen.

Im Januar 1952 wurde Diözesansekretär Paul Strenkert aus Kempten von Bischof Freundorfer zum Beauftragten für Arbeiter- und Sozialfragen in der Katholischen Aktion der Diözese Augsburg ernannt. Ein Jahr später wurde das von der Katholischen Aktion getragene Soziale Seminar gegründet, das sich mit seinen Bildungsveranstaltungen (sechssemestrige, das heißt dreijährige Vortragsreihen) verstärkt sozialpolitischen und gesellschaftlichen Themen zuwandte. Bei der Eröffnung des Sozialen Seminars in Penzberg 1955 sagte Bischof Freundorfer: "Wenn ein Soziales Seminar eröffnet wird, dann halte ich es immer für einen wichtigen Abschnitt in der geistigen Entwicklung meiner Diözese". Mit dem Aufbau der Bundeswehr richtete die Katholische Aktion in ihrer Bildungsarbeit ab 1955 ihr Augenmerk auch auf die Soldaten in den Kasernen.

2. 6 Aktivierung der Pfarr- und Dekanatsausschüsse

Neben der Organisation von Vortrags- und Fortbildungsangeboten veranstaltete die Katholische Aktion jährliche Diözesantagungen, Dekanatstreffen und Zusammenkünfte für die Dekanatsobmänner sowie Schulungen für Dekanats- und Pfarrobmänner. Anliegen war, das Engagement der Katholiken in den Pfarreien durch die Pfarrausschüsse zu aktivieren sowie die Arbeit in den Dekanaten (unter anderem Kontakte zu Politikern der Landkreise) zu verlebendigen.

Prof. Dr. Götz Freiherr v. Pölnitz

Die erste Diözesantagung fand am 9. März 1952 in Verbindung mit dem zweiten Diözesantag des Katholischen Männerwerkes statt. Themen waren: Sinn und Bedeutung der Katholischen Aktion (Referat von Prof. Dr. Götz Freiherr v. Pölnitz), die Katholische Aktion und das Männerwerk (Pfarrer Leopold Schwarz, Männerseelsorger), Festlegung der Dekanatsausschüsse und Bestimmung der Delegierten für die Arbeitsausschüsse.

Im Vorfeld dieser Tagung hatte der Generalvikar im Auftrag des Bischofs und unter dessen Vorsitz alle Dekane und Stadtpfarrer der Diözese zu einer vorbereitenden Besprechung über die auf der Diözesantagung der Katholischen Aktion zu bildenden Dekanatsausschüsse eingeladen.

Das Präsidium der Katholischen Aktion bildeten damals Josef Hall (Präsident), Prof. Dr. Götz Freiherr von Pölnitz, Dr. Gerhard Graehl, Domkapitular Josef Briechle (Bischöflicher Beauftragter), Pfarrer Dr. Ulrich Müller (Leiter des Büros der Katholischen Aktion), Pfarrer Leopold Schwarz. Zum Diözesanausschuss gehörten außerdem die Dekane sowie weitere Mitglieder, darunter die Dekanatsobmänner. Die 15-seitige Liste des Diözesanausschusses nennt die Dekane, die Männerseelsorger (soweit vorhanden) sowie ein bis fünf weitere Männer und Frauen von 58 Dekanaten, insgesamt 246 Namen.

Aufgrund ihrer Kontakte zu vielen Pfarreien war die Katholische Aktion immer wieder gefragt, in mancher Angelegenheit zwischen Pfarrer und Gläubigen zu vermitteln. Oftmals ging es dabei um Fragen, die das Verhältnis von Laienengagement und Verantwortung des Pfarrers für die Belange der Pfarrei betrafen. Denn nicht überall stieß das aus einem wachsenden Selbstbewusstsein kommende aktive Mittun der Pfarrangehörigen auf unvoreingenommene Freude von Seiten des Pfarrers.

2.7 Grundstock: Pfarrausschüsse

Die Pfarrausschüsse, mit denen die Katholische Aktion nach dem Krieg stark wurde, bildeten deren Grundstock. Die Mitarbeiter der Katholischen Aktion waren fast jeden Abend in einer anderen Pfarrei oder einem anderen Dekanat, um Pfarrausschüsse, die Vorläufer der heutigen Pfarrgemeinderäte, aufzubauen. Diese Pfarrausschüsse waren ein typisches Produkt der bayerischen Diözesen. Allerdings waren die Pfarrausschüsse ins Ermessen der Pfarrer gestellt, zumindest was die kleineren Pfarreien (unter 1500 Gemeindeglieder) betraf.

Die Errichtung von Pfarrausschüssen erfuhr mancherlei Widerstände von Seiten der Pfarrer vor Ort. Manche waren der Meinung, dass die Gläubigen auch ohne Pfarrausschuss mitarbeiten würden, diese also nicht notwendig seien; andere dagegen hielten eher die Mitarbeit der Gläubigen für überflüssig. Einmal habe Generalvikar Martin Achter (1905-1995) nach einer Visitation in der Meringer Gegend zu Müllegger gesagt: "Zu dem Pfarrer müssen Sie gehen, der will keinen Pfarrausschuss."

Ein Argument, das die Vertreter der Katholischen Aktion in den Pfarreien immer wieder zu hören bekamen, war, der Pfarrausschuss sei ja nicht verpflichtend. Dies war allerdings zu kurz gegriffen, denn es gab sehr wohl deutliche Aussagen von Seiten des Bischofs, was die Einrichtung von Pfarrausschüssen betraf. Dies versuchte die Katholische Aktion zu unterstreichen, wenn sie sich immer wieder auf die existierenden bischöflichen Weisungen bzw. im Amtsblatt veröffentlichten klaren Richtlinien hinsichtlich der Katholischen Aktion und der Errichtung der Pfarrausschüsse berief. So wurde im Rundbrief der Katholischen Aktion vom November 1955 auf die Diözesankonferenz 1947 Bezug genommen und die darin vorgesehene Errichtung von Pfarrausschüssen dringlich gemacht; auf Dekanatsebene wurde für die Einrichtung des Dekanatsausschusses, der Dekanatskonferenz sowie Dekanatstag und Schulungstag geworben. Auch der damalige Stadtpfarrer von Lindau, Josef Hirschvogl, verwies in einem Artikel von 1954 an die drei katholischen Gemeinden von Lindau mit dem Titel "Die Katholische Aktion ruft die Laien" auf die Diözesankonferenz 1947 und zitierte aus den im Amtsblatt veröffentlichten Richtlinien.

Die Schwierigkeit war, dass die Pfarrausschüsse keine Gremien kirchlichen Rechts waren. Man war also seitens der Pfarrer auf Verständnis angewiesen. Deshalb wurde in den 60er Jahren Bischof Stimpfle gebeten, erneut ein deutliches Wort dazu zu sagen. Im Amtsblatt des Jahres 1966 findet sich daher eine Weisung des Augsburger Bischofs an alle Pfarrer und Seelsorgsvorstände zur Errichtung von Pfarrausschüssen. Er stellte diese Weisung in den weiten historischen und theologischen Zusammenhang des Zweiten Vatikanischen Konzils:

"Eine neue theologische Schau des Laien, neue Formen des Mitdenkens, der Mitsprache, der Mitverantwortung und der Mitarbeit der Laien: das ist die Forderung der Stunde. Das muss auch unser seelsorgliches Denken durchdringen und uns neue Wege vertrauensvoller Zusammenarbeit suchen lassen. [...] Als erste unmittelbare Aufgabe haben wir uns vorgenommen, im Laufe des Herbstes in allen Gemeinden einen Pfarrausschuss aufzubauen". Damit konnte sich kein Pfarrer mehr herausreden.

Wie schwer es allerdings weiterhin war, dass diese für viele neu anmutenden Gedanken Eingang in die Köpfe der Pfarrer fanden, geht aus einer Sitzung des Priesterrats im Jahr 1967 hervor. Dort wurde vor einer zu optimistischen Bewertung der Berichte über die Errichtung der Pfarrausschüsse bzw. Pfarrgemeinderäte, wie sie nun genannt wurden, gewarnt: "Leider steht in nicht wenigen Pfarreien der Pfarrgemeinderat nur auf dem Papier. Den Pfarrern werden demnächst durch das Seelsorgeamt weitere Hilfen zur Errichtung und Führung der genannten Räte zugehen"; manche Seelsorger sähen "vor allem im Laien immer noch nicht den Mitarbeiter am Heilswerk der Kirche".

Hier berühren wir ein Problem, das bei der Umsetzung der Katholischen Aktion in Deutschland von Anfang an eine Rolle gespielt hat: die Frage ihrer Strukturierung gegenüber den bereits existierenden Verbänden einerseits und den kirchenrechtlichen Vorgaben andererseits. Diese Frage spiegelt sich in den Organisationsentwürfen und dem langen Weg bis zu einer endgültigen Satzung.