3. Strukturelle Fragen der Katholischen Aktion

3.1 Welche Organisationsform?

Zwar hatte die Katholische Aktion nach 1945 ihre Bedeutung als Gegenpol zum Faschismus verloren, doch schien dem Papst und den Bischöfen die Katholische Aktion das geeignete Mittel, das christliche Leben in den Gemeinden und Diözesen wiederzubeleben. Eine Schwäche der Katholischen Aktion lag darin, dass sie keine festen Mitglieder hatte. Jeder Aktive konnte sich zur Katholischen Aktion rechnen, auch die Verbände. Erst viel später kam die Frage nach den Kriterien auf, die erfüllt sein müssen, damit ein Verband kirchlich genannt werden kann.

Obwohl die Katholische Aktion also eher eine breite Bewegung engagierter Katholiken war, brauchte sie doch eine gewisse Organisation, um handlungsfähig zu sein.

Nach 1945 versuchte man, in den Pfarreien Personen zu finden, die Verantwortung für das pfarrliche Leben übernehmen wollten und sogenannte Runden der Verantwortlichen zu bilden. Aus diesen Runden entstanden die Pfarrausschüsse, mit denen man die Laienkräfte zu bündeln hoffte. Diese Pfarrausschüsse waren die Vorläufer der späteren Pfarrgemeinderäte. Der Pfarrausschuss (gegebenenfalls auch "Dorfausschuss" oder "Runde der Verantwortlichen" genannt) setzte sich zusammen aus dem Ortspfarrer, dem Pfarrobmann, den Vorsitzenden der örtlichen katholischen Organisationen einschließlich der Pfarrjugendführung sowie weiteren aktiven Katholiken. Die Mitarbeiter waren größtenteils berufen oder von den Verbänden delegiert. Dieses zahlenmäßige Ungleichverhältnis zwischen Gewählten und Berufenen bzw. Delegierten war immer wieder Anlass von Diskussionen über die Zusammensetzung des Pfarrausschusses.

Des Weiteren bemühte man sich, im Landkreis und auf Dekanatsebene einflussreiche Persönlichkeiten, etwa Landräte und Bürgermeister, für die Katholische Aktion zu gewinnen. Die Dekanatsausschüsse bestanden oftmals gerade auch aus solchen Personen, die im gesellschaftlichen Leben der Region eine gewisse Stellung hatten. Der Dekanatsausschuss war gebildet aus dem Dekan, dem Dekanatsobmann, dem Dekanatsjugendseelsorger, dem Dekanatsjugendführer, der Dekanatsjugendführerin, der Bezirksvorsitzenden des Katholischen Frauenbundes, dem Kreisobmann der Katholischen Landjugendbewegung, den Bezirksvorsitzenden der katholischen Organisationen im Dekanat.

Inwieweit verstanden die Pfarrer die Laien als echte Mitarbeiter oder meinten bestimmen zu müssen, was die Laien zu tun hatten? Kirchlicherseits wurde das Apostolat der Laien in enger Beziehung zur kirchlichen Hierarchie gesehen, der es auch unterstellt war. In einer Ansprache von Papst Pius XII. anlässlich der Generalversammlung der Katholischen Aktion am 5. Mai 1951 in Italien heißt es beispielsweise: "Die Katholische Aktion untersteht [...] in besonderer Weise unmittelbar der kirchlichen Hierarchie, mit der sie im Apostolat zusammenarbeitet". Entsprechend unterstand der Pfarrausschuss dem jeweiligen Pfarrer, der Dekanatsausschuss dem Dekan, der Diözesanausschuss dem Bischof. Es hing viel davon ab, wie der Pfarrer auf die Gläubigen seiner Gemeinde zuging und ob er sie für die Mitarbeit gewinnen wollte. Dies erforderte in mancherlei Hinsicht ein Umdenken im Vergleich zur Vorkriegsseelsorge - und das ging nicht von heute auf morgen.

Eine weitere Schwierigkeit lag in dem Nebeneinander von Kirchenverwaltung und Pfarrausschuss. Die viel ältere Kirchenverwaltung erachtete sich als das wichtigere Gremium, weil sie über Vermögen beschließen konnte. Deshalb brauchte es seine Zeit, bis sich in den Pfarreien mit einer starken Kirchenverwaltung auch der Pfarrausschuss mit seinen ihm eigenen Anliegen einbringen konnte.

Ein wichtiger Einschnitt war das Zweite Vatikanische Konzil sowie für Augsburg die während des Konzils erfolgte Bischofsernennung von Josef Stimpfle (1963). Der junge Augsburger Bischof, vom Geist der Erneuerung des Konzils erfüllt, erkannte in der Mitarbeit der Laien das Gebot der Stunde. Deshalb konstituierte er die Katholische Aktion neu und berief zusätzlich einen sogenannten Bischofsrat der Laien. Mit der Erneuerung der Katholischen Aktion beabsichtigte der Bischof die Gewährleistung einer koordinierten Arbeit der Katholischen Aktion, ohne damit den Direktiven des Konzils vorgreifen zu wollen. Andererseits lässt die Berufung des Bischofsrats erkennen, wie sehr dem Bischof die Zusammenarbeit zwischen Klerus und Laien für das Gesamtapostolat der Kirche ein Anliegen war.

Dem kirchenrechtlichen Problem in Bezug auf den Pfarrausschuss, der im kirchlichen Gesetzbuch, dem "Codex Iuris Canonici" (CIC) nicht vorkam, versuchte man dadurch zu begegnen, dass der zukünftige Pfarrgemeinderat als Gremium des Laienapostolats zugleich Pastoralrat der Pfarrei sein sollte. Denn der Pastoralrat der Pfarrei ist im CIC 1983 can. 536 verankert. Diese Doppelfunktion unserer Pfarrgemeinderäte ist Ausdruck des deutschen Partikularrechts, wie es auf der Würzburger Synode (1971-1975) beschrieben und 1987 von der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken erneut bestätigt wurde, da es dem CIC 1983 nicht widerspreche.

3.2 Satzungen

Seit den Anfängen der Katholischen Aktion gab es Entwürfe einer Organisation. Die ersten Statuten wurden 1923 in Italien formuliert. Diese wurden später in die Richtlinien, die die deutschen Bischöfe erließen, aufgenommen, aber in der Praxis kaum umgesetzt.

In den "Richtlinien für die zeitgemäße Seelsorge" für die Diözese Augsburg aus dem Jahr 1935 heißt es: "Die vorliegenden 'Richtlinien' möchten in ihrer letzten Zielsetzung den Boden bereiten für den Aufbau der vom Hl. Vater geforderten Katholischen Aktion. Eine gewissenhafte Durchführung dieser Anweisungen wird von selbst zur Gewinnung und Formung der Laienhelfer drängen. Zu deren Schulung und gegenseitiger Zusammenarbeit soll später ein 'Aufbauplan der Katholischen Aktion für das Bistum Augsburg' bekanntgegeben werden. Wie jedoch der Leib tot ist ohne die Seele, so die Katholische Aktion ohne den Priester, ohne jenen Priester, wie ihn die 'Richtlinien' zu formen versuchen".

Die Augsburger Diözesankonferenz von 1947 erließ folgende bischöfliche Weisung hinsichtlich der Katholischen Aktion: "Ohne den lebendigen Fluss der Entwicklung hemmen und die Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse außer Acht lassen zu wollen, werden für den Aufbau der Katholischen Aktion die nachfolgenden Richtlinien gegeben, die für Gemeinden über 1500 Seelen als Weisungen gelten [...]. Das Kernstück für die Katholische Aktion ist der Pfarrausschuss. [...] Er untersteht dem Pfarramt und hat einen vom Pfarrer bestellten Laienvorstand. Für Pfarreien mit über 1500 Seelen wird die Bildung eines Pfarrausschusses hiermit vorgeschrieben. Bis zum 1. März 1948 ist hierüber Vollzugsbericht an die Oberhirtliche Stelle zu senden. Für die erste Zusammenkunft des Pfarrausschusses können die Mitglieder durch den Seelsorgsvorstand berufen werden, von 1950 an sind sie alle drei Jahre in der Pfingstwoche auf Grund einer Wahl oder doch eines Vorschlages aus den Gemeinschaften, die sie vertreten, zu bestellen". Und was hier besonders interessiert: "Aus der Gesamtheit der Pfarrausschüsse wird von der Oberhirtlichen Stelle ein Diözesanausschuss mit einem vom Bischof bestellten Laienvorstand berufen".

Die Diözesankonferenz hat eine lange Vorgeschichte. Ursprünglich war für Oktober 1939 eine Diözesansynode vorgesehen, deren Durchführung jedoch durch den Kriegsausbruch verhindert wurde. Auch in den ersten Nachkriegsjahren sah es der Augsburger Bischof aufgrund logistischer Probleme für unmöglich an, diese Synode nachzuholen. Wegen der veränderten Seelsorgssituation, die eine gemeinsame Beratung und autoritative Richtungsvorgaben erforderlich machten, war es Bischof Kumpfmüller ein Anliegen, zumindest eine Diözesankonferenz mit dem gesamten Klerus abzuhalten. Dazu kam es am 7./8. Oktober 1947. Ausgangspunkt der Beratungen bildeten die "Richtlinien für zeitgemäße Seelsorge" von 1935. Damit war auch die Katholische Aktion Gegenstand der Diskussion.

Bischof Dr. Josef Freundorfer

Im März 1948 erreichte das Bischöfliche Ordinariat Augsburg eine Anfrage von Seiten der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Laienwerke in Frankfurt am Main, ob diözesane Statuten und Satzungen über den organisatorischen Aufbau der Katholischen Aktion in der Diözese Augsburg vorhanden seien. Die Antwort aus dem Bistum vom 9. März 1948 hieß damals: "Die Katholische Aktion ist erst im Anlaufen. An die einzelnen Pfarrausschüsse sind zunächst oberhirtliche Anweisungen und Richtlinien gegeben worden. Von der Erstellung von Statuten oder Satzungen wird vorerst abgesehen, bis die nötigen Erfahrungen gesammelt sind".

Müllegger erinnerte sich aus seiner Anfangszeit an eine Ordnung der Katholischen Aktion, die Bischof Freundorfer (1949-1963) zugelassen hatte - sie war aber nicht als diözesanes Recht aufzufassen. Vermutlich handelte es sich hierbei um die oben erwähnten "Richtlinien zum Aufbau der Katholischen Aktion" im Bistum Augsburg aus dem Jahr 1947, also noch unter Bischof Freundorfers Vorgänger Kumpfmüller. Vielleicht haben diese "Richtlinien" jenen 1935/36 vorgesehenen "Aufbauplan der Katholischen Aktion für das Bistum Augsburg" ersetzt, dessen Erstellung aufgrund der damaligen gesundheitlichen Situation Bischof Kumpfmüllers aufgeschoben werden musste. Ein solcher Aufbauplan war in den Akten bisher zumindest nicht aufzufinden.

Eine erste schriftliche Fassung eines Entwurfs zur Organisation der Katholischen Aktion im Bistum Augsburg datiert aus dem Jahr 1955. Ein verbesserter Entwurf trägt das Datum vom 9. August 1956. Darin findet sich eine klarere Fassung der Zusammensetzung der verschiedenen Ausschüsse auf Pfarr-, Dekanats- und Diözesanebene: Diöze-sanleitung, Präsidium (Präsident und Direktor, zwei Stellvertreter, Bischöflicher Beauftragter, Diözesanmännerseelsorger), erweiterter Vorstand (die Vorsitzenden der zehn Referate und der drei Unterausschüsse sowie die Leiter und Beiräte der katholischen Organisationen), Stadtausschuss, Diözesanausschuss (Dekanatsobmänner und weitere, vom Bischof bestätigte Mitglieder), Dekanatsausschuss (Dekanatsobmann, Dekanatsführungskreis, Dekanatsmännerseelsorger), Pfarrausschuss (Pfarrobmann).

In einem Artikel der AZ vom 18. Oktober 1965 über die Jahreskonferenz der Katholischen Aktion Augsburg heißt es: "Ein vorgelegter Entwurf einer Satzung der Katholischen Aktion, den der Bischof grundsätzlich gutgeheißen hat, zu dem aber noch die einschlägigen Definitionen des Konzils abzuwarten sind, sieht die verbindliche Einführung von Pfarrausschüssen vor." Zu dieser Konferenz waren die Dekane, die Mitglieder des Diözesanausschusses der Katholischen Aktion, die Diözesanvorsitzenden der katholischen Organisationen und die Dekanatsobmänner der Katholischen Aktion eingeladen worden. Von 60 bestehenden Dekanaten war genau die Hälfte nicht auf der Konferenz verteten.

Was die Satzung betrifft, blieb es also noch Jahre bei Entwürfen. Und auch die Verbindlichkeit der Pfarrausschüsse ließ auf sich warten. Im Januar 1964 waren der Geschäftsstelle der Katholischen Aktion Augsburg bekannt: 132 Pfarrausschüsse, 649 gemeldete Pfarrobmänner, 16 bekannte Dekanatsausschüsse, 9 fehlende Dekanatsobmänner, 100-130 Runden der Verantwortlichen, ca. 25 Kreisrunden in der Diözese.

Während eines Gesprächs des Arbeitskreises katholischer Akademiker mit Bischof Stimpfle über die zukünftige Arbeit sowie Einordnung des Arbeitskreises in die Katholische Aktion am 11. März 1964 wurde die Notwendigkeit einer Satzung dringlich, da mangels eindeutiger Vorgaben keine Klarheit über die Verteilung von Aufgaben und Befugnissen bestand. Um dieser Situation abzuhelfen, erteilte der Bischof dem Arbeitskreis einen entsprechenden Auftrag. Am Entwurf beteiligt waren Landgerichtsdirektor Dr. Hans Gaugenrieder, Studienrat Dr. Rudolf Kerscher, Studienrat Erich Maiberger, Geschäftsführer der Katholischen Aktion, Hubert Müllegger, sowie Oberlandgerichtsrat Hugo Rüdinger. Dieser Entwurf wurde im Januar 1965 Bischof Stimpfle offiziell zur Prüfung überreicht. Im Einverständnis mit dem Bischof wurde daraufhin der Entwurf vom Büro der Katholischen Aktion an das Domkapitel, einzelne Kleriker, an die katholischen Verbände und einzelne Laien zur weiteren Diskussion versandt. Schwierigkeiten bereitete die klare Definition dessen, was mit Katholischer Aktion gemeint ist - ein Problem, das sie seit ihrer Gründung bzw. Einführung in Deutschland begleitet hat -, um die damit zusammenhängenden Fragen (Vorsitz des Pfarrausschusses, Stellung des Pfarrers, Wahlmodus) zu klären.

Dem Amtsblatt Nr. 1 vom 19. Januar 1968 waren Mustersatzungen beigelegt, die vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken im Einvernehmen mit der Deutschen Bischofskonferenz für den Gebrauch und die Anpassung in den einzelnen Diözesen erarbeitet worden waren. Und schließlich erhielten im selben Jahr die im Auftrag des Augsburger Bischofs zwischen dem Seelsorgeamt und den Beauftragten der bisherigen Katholischen Aktion (Diözesanrat im Aufbau) erarbeiteten "Satzungen für die Räte des Laienapostolats in der Diözese Augsburg", die Pfarrgemeinderat, Katholikenausschuss im Dekanat, Stadt- bzw. Ortsausschuss und Diözesanrat der Katholiken betrafen, mit Wirkung vom 1. Januar 1969 die bischöfliche Approbation. Darin war auch die Vertretung der Verbände und ihr zahlenmäßiges Verhältnis (ein Drittel) zu den gewählten Mitgliedern geregelt.

3.3 Katholische Aktion und kirchliche Verbände

Die Katholische Aktion fand in Deutschland eine Vielzahl katholischer Laienorganisationen vor: Jugendverbände, Männer- und Frauenorganisationen, Vereinigungen bestimmter Berufsgruppen... Die Katholische Aktion erschien vielen deshalb als eine weitere Organisation, was zunächst die Vermittlung ihrer Sinnhaftigkeit erschwerte.

Seit 1933 spielte aber gerade das Problem der katholischen Verbände bei den Verhandlungen zwischen Bischöfen und Reichsregierung über die Struktur der Katholischen Aktion eine entscheidende Rolle. Um einer drohenden Auflösung zu entgehen, versuchte man die Verbände in die Katholische Aktion einzugliedern, damit sie in den Schutz des Reichskonkordats kämen. So sagte etwa der Zentralrat der Katholischen Aktion 1935 in Köln: "Nach erfolgter Prüfung der Verbands- bzw. Vereinsstatuten [...], muss die Tatsache der Zugehörigkeit zur Katholischen Aktion schriftlich dokumentiert werden. [...] Ferner war man übereinstimmend der Ansicht, dass die Regelung des Verhältnisses derVereine zur diözesanen Katholischen Aktion lediglich Sache des zuständigen Bischofs ist [...]. Allgemein wurde anerkannt, dass hierbei die Anwendung der Richtlinien in den verschiedenen Diözesen verschieden sein kann". Wichtiges Kriterium für die Erfüllung des Reichskonkordats waren die "religiösen, kulturellen und karitativen" Zwecke eines Verbands, sowie die Gewähr, dass eventuelle soziale und berufsständische Tätigkeiten "außerhalb jeder politischen Partei" entfaltet würden.

Durch die Eingliederung der Verbände in die Katholische Aktion erreichte man, dass entsprechend dem Konkordat wenigstens in kirchlichen Räumen Zusammenkünfte stattfinden konnten. Beispielsweise ging man zu den Gruppenstunden in eine Kapelle. Was dort geschah, war zunächst für die Nazionalsozialisten nicht so wichtig, solange die Katholiken nicht in der Öffentlichkeit in Erscheinung traten.

Diese Einschränkung brachte mit sich, dass die Verbände nicht mehr präzise arbeiten konnten. Getarnte Treffpunkte waren die sogenannten Kasinos. Später wurden auch die Kasinos mehr oder weniger gleichgeschaltet, so dass niemand mehr bereit war, seine Räume zur Verfügung zu stellen. Die Angst bremste vieles. Es gehörte Bekennermut dazu, sonntags in die Kirche zu gehen oder im Kirchenchor mitzusingen.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft mieden die Verbände, die nur im Untergrund tätig sein konnten, die Verbindung untereinander. Diese mangelnde Kooperation habe in jenen Jahren laut Müllegger das christliche Engagement in der Kirche erschwert. "Miteinander wären wir stärker gewesen", meinte er, aber jede Gruppierung war darauf bedacht, selbst zurecht zu kommen.

In gewisser Weise setzten sich diese Schwierigkeiten nach dem Krieg fort, als die Verbände ihre Arbeit wieder aufnahmen, sich aber nicht mehr unbedingt der Katholischen Aktion anschließen wollten. Dies war ein Grund, warum nach dem Krieg in Augsburg unter M. Lohr die sogenannte Seelsorgeamtskonferenz eingerichtet wurde. Sie war in erster Linie als Treff der Verbände und Hauptamtlichen gedacht. Solche Konferenzen boten die Chance der gegenseitigen Information und Abstimmung. Es blieb zwar bei einem reinen Gedankenaustausch, aber dieser war notwendig und er war fruchtbar. Die verschiedenen Gruppierungen begannen zusammenzuarbeiten. Das war auch für die in der Jugendarbeit Engagierten wichtig, denn die Jugend hatte wenig Verbindung zu anderen Verbänden.

Im ersten Halbjahresbericht der Katholischen Aktion von 1952 heißt es bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Verbänden und Katholischer Aktion: "Um eine bessere Zusammenarbeit der in der Diözese bestehenden katholischen Organisationen mit der Katholischen Aktion zu erreichen, ist dringend notwendig, dass die Vorstandschaften der Diözesanverbände in Form einer Arbeitsgemeinschaft eine enge Fühlungnahme durchführen. Die von den Organisationen geleistete Tätigkeit bedarf sowohl auf der Diözesanebene wie in den einzelnen Dekanatsbezirken einer noch besseren Zusammenfassung, um den erstrebten Erfolg im Sinne der Katholischen Aktion zu erreichen".

1953 kam es zur Zusammenlegung des Arbeitskreises "Ehe und Familie" der Katholischen Aktion und des Diözesanfamilienrats des Familienbundes unter der Leitung von Frau Elisabeth Scherer vom Frauenbund. Im Büro der Katholischen Aktion wurde der größte Teil der für den Familienbund der deutschen Katholiken geleisteten Arbeit durchgeführt. Vorsitzender des neuen Diözesanfamilienrats wurde Direktor Ludwig Mögele vom Städtischen Wohlfahrtsamt Augsburg.

Ein Rundschreiben der Diözesanleitung der Katholischen Aktion Augsburg aus dem Jahr 1954 dokumentiert eine Ansprache von Papst Pius XII. vom 5. Mai 1951 zum Wesen der Katholischen Aktion. Darin heißt es: "Ebensowenig hat die Katholische Aktion ihrem Wesen nach die Aufgabe, an der Spitze der anderen Vereine zu stehen und über diese eine Art autoritären Patronats auszuüben. [...] Tatsächlich ist das Ziel jeder Organisation das, welches die Art ihrer Leitung festlegt. [...] Im Vergleich zu ihnen liegt der besondere Sinn der Katholischen Aktion [...] eben in der Tatsache, dass sie gleichsam der Treffpunkt jener aktiven Katholiken ist, die immer bereit sind, mit dem Apostolat der Kirche mitzuarbeiten".

Elisabeth Scherer (links) im Gespräch mit Helene Weber, MdB

Die Katholische Aktion war die Hauptschiene, auf der sich die Räte entwickelten. Weil die Katholische Aktion versuchte, die Laienarbeit zusammenzubinden, konnte letztlich das herauswachsen, was wir heute die strukturelle Laienarbeit nennen. Die Räte banden sich an die Pfarreien, an die Dekanate und Diözesen, während die Verbände mehr themenorientierte Laienarbeit verfolgen und als Fachverbände über die kirchlichen Strukturen hinausgehen.

Als Ende der 60er Jahre die Räte etabliert wurden, blieb die Frage nach ihrem Verhältnis zu den Verbänden. Die Verbände als die Urrepräsentanten der Laienarbeit spielten nur noch eine Teilrolle innerhalb der Arbeit der Pfarrgemeinderäte. Auf der einen Seite also die Verbände, auf der anderen die diözesan- und pfarrorientierte Laienarbeit - für letztere war die Katholische Aktion offensichtlich eine Basis. Die Neuordnung der Laienarbeit im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Satzungen der Laienräte waren bemüht, das Verhältnis zwischen Verbänden und Räten strukturell zu beschreiben und eine rege Zusammenarbeit zu ermöglichen.