Ausblick: Zeugnis und Sendung der Christen

Welcher Ort kommt den Laienräten in der Einheit der Sendung der Kirche zu? Diese Frage bleibt auch 30 Jahre seit ihrer Errichtung aktuell.

Kardinal Friedrich Wetter äußerte in einem Interview mit der vom Landeskomitee der Katholiken in Bayern herausgegebenen Zeitschrift "Die lebendige Zelle" vom Januar 2000 einen für die Vertreter der Räte provozierenden Gedanken: Der Weg zu Fortschritt und Erneuerung der Kirche führe nicht über neue Gremien und Strukturen, sondern nur über geistige und geistliche Orientierung. Nach seiner Auffassung werde noch gar nicht voll ausgeschöpft, was mit den bereits bestehenden Gremien strukturell möglich ist.

Alle sollten sich miteinander um verbesserte Formen der Zusammenarbeit bemühen, Kontakte intensivieren, mehr aufeinander hören, die Zuständigkeit der anderen respektieren und in Anspruch nehmen. Dazu gehört auch, die Spielregeln der allseits propagierten kooperativen Pastoral einzuhalten, beispielsweise dass auf die bestehenden Räte und Gremien auch zurückgegriffen wird und sie sich nicht immer selbst in Erinnerung rufen müssen.

Wenn Räte und Ehrenamt insgesamt auf diese Weise neu belebt werden, dann können sie weiterhin ihren unverwechselbaren und unersetzbaren Beitrag im Gesamt des kirchlichen Lebens einbringen. Denn ohne sie ist das Zeugnis der Kirche in der Gesellschaft ärmer. Laien und kirchliche Amtsträger sind in der Unterschiedlichkeit ihrer Dienste in der Einheit der Sendung aufeinander bezogen und in der Wahrnehmung ihrer je eigenen Aufgaben auf ein Miteinander angewiesen. Es wäre fatal für die Glaubwürdigkeit der Kirche, wenn stattdessen die Frontenbildung weiter zunehmen würde.

"Der Geist ist es, der lebendig macht" (Joh 6,63). Er befähigt und ermutigt zum Glauben, der in der Liebe wirksam ist. Ihm sollten wir uns daher immer mehr öffnen.