Vorwort

Im Jubiläumsjahr 2000 feiern wir in der Diözese Augsburg nicht nur das zweitausendjährige Bestehen des Christentums, sondern auch das dreißigjährige Bestehen der Laienräte. Zu diesem Anlass möchte der Diözesanrat mit der vorliegenden Schrift einen Beitrag des Erinnerns leisten, denn nur was man kennt, kann man auch lieben und schätzen.

Gerade die Entstehungsgeschichte einer konkreten Mitarbeit der Laien auch an der Heilsaufgabe der Kirche kann wesentliche Impulse und Grundlagen für ein Engagement auch in unserer heutigen Zeit geben. Jahrhundertelang beschränkte sich die Aufgabe der Laien im wesentlichen auf die Mitsorge in den Vermögensangelegenheiten der Pfarrgemeinden. Ganz langsam wuchs dann im 19. Jahrhundert das Bewusstsein, dass die Laien als der Arm der Kirche in die Welt hinein vielfältige Aufgaben haben.

Die Situation der kirchlichen Laienarbeit spitzte sich seit 1933 mehr und mehr zu. Wir freuen uns, dass wir mit den beiden ersten Vorsitzenden des seit Ende der 60er Jahre entstehenden Diözesanrats, Herrn Dr. Hans Gaugenrieder und Herrn Hubert Müllegger, in ausführlichen Gesprächen diese Zeit lebendig werden lassen konnten. Die Abschrift vielstündiger Tonbandprotokolle hat Frau Dr. Griesmayr in mühsamer Arbeit zu einer interessanten Darstellung verarbeitet. Sie hat auch aus den noch erreichbaren schriftlichen Quellen wesentliche Entwicklungen der Laienarbeit in unserer Diözese zusammengestellt. Ihr gebührt dafür ein besonderer Dank.

Es ist nur natürlich, dass diese recht kurze Darstellung der Entwicklung der Laienarbeit in der Diözese Augsburg auf viele Details verzichten muss. So konnte etwa die wesentliche Geschichte der Laienarbeit in den zahlreichen Verbänden nur ansatzweise berücksichtigt werden. Für die vorher weitgehend getrennt arbeitenden Verbände hatte die Einführung der Räte eine integrierende Wirkung. Erstmals gab es Gremien, in denen Verbände und nicht organisierte Christen gemeinsam arbeiteten. Gerade diese Entwicklung läuft parallel mit der Demokratisierung der Laienarbeit. Waren die ersten nichtverbandlichen Laienorganisationen im wesentlichen Honoratiorengremien, die vom Bischof oder Pfarrer berufen wurden, so gab es in den Verbänden bereits früh Wahlen von Leitern und Leiterinnen. Mit der Einführung der Räte wurde dieses Prinzip auf alle Laienvertretungen übertragen.

Und noch eine Tatsache fällt auf: Waren noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts kaum Frauen in den kirchlichen Laiengremien zu finden, so hat sich diese Situation in den letzten Jahren schnell und deutlich geändert. Heute stellen die Frauen in den Räten einen ganz wesentlichen Anteil dar, der oftmals denjenigen der Männer übersteigt. Auch dies ist Zeichen einer strukturellen Veränderung, an der unsere Kirche nicht einfach vorübergehen darf.

Die Geschichte der Laienarbeit in unserer Diözese wird begleitet von Strukturveränderungen im kirchlichen Leben, die durch sich wandelnde gesellschaftliche Verhältnisse bedingt sind. In einer pluralen Gesellschaft kann die Kirche nur durch breiten gesellschaftlichen Einsatz ihrer Laienmitglieder weiter existieren. Sie verkörpern letztlich Kirche in der Welt.

Möge eine vertiefte Kenntnis des Werdens dieser Laienarbeit in den vergangenen 150 Jahren einen kleinen Beitrag leisten zum besseren Verständnis der Rolle der Laien in unserer Welt. Dieser Beitrag möchte auch gleichzeitig Ermutigung sein, trotz mancher Enttäuschungen mit Optimismus in die Zukunft zu gehen in dem Bewusstsein, dass Christus seiner Kirche im Heiligen Geist einen Beistand gesandt hat, der auch die Laien durch alle Widerwärtigkeiten weiterführt.

Helmut Mangold
Vorsitzender des Diözesanrats