20:25:03
20:25:03
20:25:04

„Wer macht mit?“ - Tipps zur Kandidatenwerbung

Für die Werbung von Kandidaten gilt: Das Angebot muss stimmen. Als Pfarrer oder Vorsitzender des Wahlausschusses muss man die Erwartungen und Wünsche potentieller Kandidatinnen und Kandidaten kennen. Andererseits sollte das Gremium Möglichkeiten anbieten mitzureden und mitzugestalten. Posten oder Aufgaben zu vergeben ist zu wenig.

 

Nicht Sache des Pfarrers allein

Es ist eine wichtige Aufgabe auch des amtierenden Pfarrgemeinderats, (genügend) Kandidatinnen und Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahl zu werben, damit eine echte Wahl stattfinden kann. Die Kandidatensuche ist nicht Aufgabe des Pfarrers bzw. des Vorsitzenden allein. Vermutlich werden sich die wenigsten Gemeindemitglieder von sich aus als Kandidaten für die Wahl bewerben.

 

Frühzeitig mit der Suche beginnen

Fangen Sie frühzeitig mit der Suche an, damit die angesprochene Person genügend Bedenkzeit hat. Beziehen Sie dabei den Ehepartner bzw. die Ehepartnerin in das Gespräch ein. Geben Sie nicht gleich auf, wenn jemand nicht sofort seine Bereitschaft erklärt, entwickeln Sie aber keine Überredungskünste. Trotz der Absage an eine Kandidatur für den Pfarrgemeinderat ergibt sich vielleicht eine andere Form der Mitarbeit - eventuell zeitlich begrenzt oder für ein ganz gezieltes Projekt. Und wenn jemand einer Kandidatur zustimmt, bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie sich darüber freuen. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollten einen guten Durchschnitt durch die Mitgliedsstruktur der Pfarrgemeinde bilden: Alter, Beruf, Männer, Frauen, Jugendliche. Auch die unterschiedlichen Gruppen, die in der Pfarrei vorhanden sind, sollten berücksichtigt werden.

 

Persönliches Gespräch

Das persönliche Gespräch bei der Kandidatenwerbung ist entscheidend. Grundtenor sollte sein: "Sie werden gebraucht!" Ziehen Sie auch solche Personen in Betracht, die neu zugezogen sind, die Sie bei Aktivitäten in der Pfarrei noch nicht wahrgenommen haben, die nicht so regelmäßig am Gemeindeleben oder Gottesdienst teilnehmen, die auf Sie unbequem wirken. Somit könnte der Kreis der bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Engagierten erweitert und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden. Die beste Motivation für andere sind eigene Erfahrungen bei der Mitarbeit im Pfarrgemeinderat. Positive Erlebnisse sollten im Vordergrund stehen, Schwierigkeiten nicht verschwiegen werden. Ein Kandidat muss wissen, worauf er sich einlässt. Geben Sie auch Auskunft über den voraussichtlichen Zeitaufwand und den zu erwartenden Einsatz. Mitarbeit in der Pfarrei soll Spaß machen und nicht zur Überforderung und Überlastung Einzelner führen. 

 

 

Aktivitäten im Vorfeld

Predigtreihe

Ein Appell des Pfarrers, sich zur Wahl zu stellen und zur Wahl zu gehen, reicht in den seltensten Fällen aus. In einer Predigtreihe könnte dargelegt werden, warum die Mitarbeit der Laien sinnvoll und notwendig ist (vgl. Hirtenwort von Bischof em. Viktor Josef Dammertz „Christ, erkenne deine Würde vom 11.01.1998, in: Amtsblatt der Diözese Augsburg Nr. 2, 21.01.1998, 110-114).

 

Pfarrbrief

In kompakter Form können hier Funktion, Aktivitäten und Sorgen des Pfarrgemeinderats aufgeführt sowie die bevorstehenden Aufgaben - besonders auch im Blick auf die Pfarreiengemeinschaft - dargestellt werden. Eine Anzeige für bestimmte Aufgabenbereiche lockert das Ganze auf. Eine Begründung für die Laienmitarbeit sollte ebenso wenig fehlen wie ein ermutigendes Wort des zuständigen Pfarrers.

 

Weitere Möglichkeiten

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, weitere Möglichkeiten zu nutzen, um auf die Pfarrgemeinderatswahl aufmerksam zu machen. In kirchlichen Gruppen und Verbänden, im Kindergarten, bei Mutter-Kind-Gruppen und anderen Kreisen der Pfarrei sollte es selbstverständlich sein, über die Pfarrgemeinderatswahl zu sprechen und Überlegungen anzustellen, wer sich möglicherweise aus der jeweiligen Gruppierung als Kandidat für die Wahl zur Verfügung stellt.

Viele Wahlausschüsse nutzen auch die Möglichkeit, Kandidatenvorschlagsboxen in ihrer Kirche aufzustellen, und kommen so oft zu Vorschlägen, an die sie selbst noch nicht gedacht haben. 

 

 

Kandidatenwerbung auf einen Blick

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen sich nicht allgemein suchen, sondern für bestimmte, klar umrissene und realisierbare Ziele.
  • Wer sich auf eine Kandidatur einlässt, hat das Recht zu erfahren, was ihn/sie erwartet und wie viel Kraft und Zeit dafür zu investieren ist.
  • Die Mitarbeit im Pfarrgemeinderat muss einsehbar und sinnvoll sein. Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen will, muss Erfolg versprechende Aufgaben benennen können.
  • Wer freiwillig eine Aufgabe übernimmt, muss selbst entscheiden können, wo er/sie mitarbeiten möchte.
  • Er/sie muss die Möglichkeit haben, die eigenen Fähigkeiten und Begabungen (vgl. 1 Kor 12) einzubringen.
  • Mitarbeit soll Freude machen. Sie kann auf Dauer nicht allein von moralischen Appellen und Opfergeist getragen werden.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten grundsätzlich auf Zeit gesucht werden. Viele befürchten, vereinnahmt zu werden. Nach Abschluss einer Arbeit muss sich jemand zurückziehen können, ohne deswegen schief angeblickt zu werden.
  • Ämterhäufung und Doppelfunktionen sollten möglichst vermieden werden. Ämterhäufung ist mit ein Grund dafür, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche oftmals beständig überlastet fühlen.
  • Die Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass heutzutage niemand mehr eine ganze Gemeinde wirklich überblickt und kennt.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden am besten durch gezielte Ansprache gewonnen (Hausbesuch nach vorheriger Anmeldung!)
  • Je mehr Gläubige sich verantwortlich an der Verwirklichung der Heilssendung der Kirche beteiligen, desto besser werden die Pfarrgemeinden die ihnen gestellten vielfältigen Aufgaben bewältigen können. Sie werden offen und ansprechend sein.
  • „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dort gefunden werden, wo im Vertrauen auf Gottes Geist, der die Charismen in der Gemeinde weckt, eine langfristige und zielgerichtete Pastoral betrieben wird“ (Werner Rück).