Pastorale Raumplanung ist in Kraft gesetzt

Augsburg (pba). Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat mit Wirkung vom 13. Juli 2012 die Pastorale Raumplanung für die Diözese Augsburg sowie den Orientierungsrahmen für die pastoralen Berufe in der Territorialseelsorge für zunächst fünf Jahre in Kraft gesetzt. In einer Sonderausgabe des Amtsblatt der Diözese Augsburg ist die Planung für jede Seelsorgeeinheit im Bistum nachzulesen. Zug um Zug sollen die Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften bis zum Jahr 2025 zu 203 neuen Seelsorgeeinheiten zusammenwachsen. In der Pfarreiseelsorge werden dann voraussichtlich 203 leitende Pfarrer, 154,5 weitere Priester zur Mitarbeit und 218 pastorale Mitarbeiter/innen tätig sein.

Mit Blick auf die Situation in den Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften steht die Diözese Augsburg vor großen Herausforderungen, wie z. B. die besorgniserregende demographische Entwicklung, spürbarer Priester- und Gläubigenmangel und auch ein starker Rückgang bei allen hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Bischof Konrad Zdarsa schreibt in seinem Vorwort zu der neuen Planung: „Gerade auch auf diesem Hintergrund dürfen die Grenzen der Belastbarkeit von Priestern und pastoralen Mitarbeitern/-innen nicht aus dem Blick geraten. Ebenso sind die verständlichen Ängste und Sorgen der Gläubigen wahrzunehmen“. Die Pastorale Raumplanung solle dabei einen gesicherten „äußeren“ Rahmen darstellen, innerhalb dessen die weitere inhaltliche pastorale Ausgestaltung erfolgen muss. „Ich möchte ermutigen und motivieren, die anstehenden Veränderungen als Chance zu begreifen. Dabei ist es unverzichtbar, dass wir uns auf die Wurzeln und die Kraft unseres katholischen Glaubens besinnen, dass wir den Aufbruch wagen, die missionarische Ausstrahlung unseres Glaubens entfalten und die Menschen für den Glauben begeistern“, schreibt der Augsburger Bischof.

Gegen Mitte März des letzten Jahres war der erste Entwurf zur Raumplanung versandt worden. Seitdem hat es zahlreiche Gespräche, Diskussionen und Rückmeldungen zu den Planungen gegeben.

Generalvikar Harald Heinrich sagt im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen: „Es ist mir sehr bewusst, dass diese Raum- und Personalplanung oftmals ein tiefgreifender Einschnitt sein wird und die weit wichtigeren Fragen der künftigen Gestaltung der pastoralen Arbeit noch vor uns stehen. Ein großes Anliegen ist es mir, Ihnen allen und den Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen für ihr Engagement und die investierte Zeit für diese Planungsfragen herzlich zu danken. In den letzten Monaten war ich oftmals zu Gesprächen vor Ort. Immer wieder hat mich bei all den Schwierigkeiten der Diskussion und den damit verbundenen Emotionen die wohlwollende, positive und konstruktive Atmosphäre der Gespräche beeindruckt. Nochmals mein herzlichstes Vergelt’s Gott“.

Hier steht das Schreiben an die Priester, pastoralen Mitarbeiter/-innen, die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte und die Kirchenpfleger/-innen zum Download bereit:

Diözesanübersicht in Zahlen

(nach mittelfristiger Planung)

Seelsorgeeinheiten

nach Anzahl der Einzelpfarreien

nach Anzahl der Katholiken

1 Pfarrei

10

unter 2.000

2

2 Pfarreien

13

2.000 - 3.000

8

3 Pfarreien

37

3.000 - 4.000

35

4 Pfarreien

44

4.000 - 5.000

25

5 Pfarreien

43

5.000 - 6.000

46

6 Pfarreien

30

6.000 - 7.000

23

7 Pfarreien

16

7.000 - 8.000

19

8 Pfarreien

6

8.000 - 9.000

15

9 Pfarreien

6

9.000 - 10.000

9

10 Pfarreien

3

10.000 - 11.000

9

über 10 Pfarreien

3

11.000 - 12.000

10

12.000 - 13.000

3

13.000 - 14.000

4

über 14.000

3

Gesamt:

211

Gesamt:

211

Mit Wirkung vom 13. Juli 2012 habe ich die Pastorale Raum- und Personalplanung 2025 für die Diözese Augsburg in Kraft gesetzt (Amtsblatt für die Diözese Augsburg 2012, Nr. 11 vom 13. Juli 2012). Im Arbeitsjahr 2012/2013 wurden die strukturellen Planungen durch die Festlegungen des Wohnortes für den Pfarrer bzw. für den Kaplan/weiteren Priester sowie des Haupt- und ggf. Nebenbüros vervollständigt. Ebenso erfolgte die Namensgebung der Pfarreiengemeinschaften anhand von einheitlichen Kriterien. Es freut mich, die gesammelten Ergebnisse der intensiven Planungsarbeiten der vergangenen Jahre abschließend veröffentlichen zu können. Noch mehr freut es mich, dass damit die intensiven strukturellen Planungen für die Territorialseelsorge in unserem Bistum Augsburg zum Abschluss gebracht werden konnten. Von Herzen danke ich allen, die sich an den Planungen und Gesprächen beteiligt haben. Vielfach gab es konstruktive und zielführende Rückmeldungen und Anregungen. Es war ein hohes Anliegen, dass alle die Möglichkeit hatten, sich zu den Planungen zu äußern. Ich möchte jedoch nicht verschweigen, dass nicht jeder Wunsch und jede Erwartung erfüllt werden konnte. Die ‚Raumplanung’ stellt den gesicherten ‚äußeren’ Rahmen für alle weiteren Planungen in der Diözese dar. In den nächsten Jahren gilt es nun, den Schwerpunkt auf die gemeinsame Gestaltung des ‚inneren’ Rahmens, der ‚Pastoral’ zu legen. Dies wird die weitaus größere Herausforderung darstellen. Wird es uns gelingen, Schwerpunktsetzungen für die Seelsorge auf Ebene der Pfarreiengemeinschaften oder auf Ebene unseres Bistums zu beschreiben? Vermutlich lassen sich im Verhältnis dazu strukturelle Planungen eher festlegen und druckreif veröffentlichen. Mit Blick auf die uns künftig zur Verfügung stehenden Ressourcen auf den verschiedensten Ebenen muss uns bewusst sein, dass ‚Schwerpunktsetzung’ auch und vor allem bedeutet, nicht mehr alles wie bisher weiterzuführen und verwirklichen zu können. Unabhängig davon, ob wir zu einer schriftlichen Veröffentlichung von pastoralen Schwerpunktsetzungen kommen, möchte ich ermutigen und motivieren, unseren Glauben an den auferstandenen Christus in den Mittelpunkt unseres pastoralen Tuns und Denkens zu stellen. Ich würde mir wünschen, dass wir uns noch mehr als bisher auf die Wurzeln und die Kraft unseres katholischen Glaubens besinnen, dass wir den Aufbruch wagen, die missionarische Ausstrahlung unseres Glaubens entfalten und die Menschen für den Glauben begeistern. Ich darf Sie alle bitten, im Geist der Offenheit und des konstruktiven Miteinanders die Planungen der Diözese anzunehmen und vor allem vor Ort mit Leben zu erfüllen. Augsburg, Januar 2014 Dr. Konrad Zdarsa
Bischof von Augsburg
Die Kontaktdaten der einzelnen Dekanate finden Sie hier.  
Grund- und Ausgangslage für die pastoralen Raum- und Personalplanungen waren die Ergebnisse der Personalhochrechnungen bis zum Jahr 2025. Es kann von ca. 200 leitenden Priestern, etwa 150 weiteren
Priestern zur Mitarbeit und von rund 200 pastoralen Mitarbeitern/innen für die Territorialseelsorge ausgegangen werden. Auf der Basis dieser Personalhochrechnungen ergab sich die Notwendigkeit, die Zahl der Seelsorgeeinheiten auf ca. 200 anzupassen. Bei den Planungen vom Dezember 2006 waren 292 Einheiten vorgesehen. Aktuell sind 211, langfristig 203 Seelsorgeeinheiten geplant. Neben 211 leitenden Priestern sind 154,5 Sollstellen für ‚weitere Priester’ (Planung 2006: 103,5 bei 292 leitenden Priestern) und 218 Sollstellen für pastorale Mitarbeiter/innen (Planung 2006: 277) vorgesehen. Bei den vorhandenen und zu erwartenden Personalressourcen war eine Reduzierung der Sollstellen unvermeidbar. Gegenüber der aktuellen Besetzung kann das für manche Seelsorgeeinheiten einen deutlichen Rückgang des pastoralen Personals bedeuten. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen und notwendige Veränderungen sind zu bedenken. Die Grundlagen und Kriterien der Berechnung des Personalschlüssels sind den ‚Kriterien für den Orientierungsrahmen für die pastoralen Berufe’ (Seite 9) sowie der ‚Berechnungsgrundlage Personalplanung - Territorialseelsorge’ zu entnehmen (Seite 10). Ruhestandsgeistliche und Ständige Diakone mit Zivilberuf sind im Orientierungsrahmen nicht berücksichtigt und können unabhängig von den Stellenangaben zur Mithilfe vorgesehen werden. Bei ‚Pastoralen Mitarbeitern/innen’ ist vorrangig die Besetzung mit Gemeindereferenten/-innen, Pfarrhelfern/-innen und hauptberufl ichen Ständigen Diakonen vorgesehen. Wie bisher wird bei größeren Einheiten und vor allem z. B. beim Vorhandensein eines Krankenhauses ein/e Pastoralreferent/-in vorzusehen sein. Um Spielräume zu erhalten, wurde von einer konkreteren Festlegung der Stellen bezüglich einer Berufsgruppe abgesehen. Die Personalplanung eröffnet als „Orientierungsrahmen“ den Spielraum, auf individuelle Verhältnisse und Situationen sowohl bezüglich der Seelsorgeeinheit als auch des pastoralen Personals angemessen reagieren zu können. Der beschriebene Bedarf an Seelsorgestellen ist anerkannt. Die Erfüllbarkeit kann bedingt durch künftige Entwicklungen, z. B. personeller und fi nanzieller Art, nicht garantiert werden, d. h. es entsteht kein
Anspruch. Eine Weiterentwicklung der pastoralen Raumplanung sowie des Orientierungsrahmens über das Jahr 2025 hinaus darf und muss heute schon mitbedacht werden. Rückmeldungen sind möglich und gewollt und können an das Generalvikariat gerichtet werden. Im Zusammenhang mit der Gebäudeplanung (Festlegung der Wohnorte für die Priester, Standorte Haupt- und ggf. Nebenbüro) wurden mehrheitlich die Mitteilungen mit Datum vom 12.07.2013 an die besetzten Pfarrämter versandt. In Einzelfällen erfolgten individuelle Anmerkungen insbesondere hinsichtlich der Pfarrbüros. Diese Anmerkungen sind in dieser Publikation nicht aufgeführt, behalten jedoch ihre Gültigkeit. Ebenso sind Präsenzbüros nicht aufgeführt.
Die Umsetzung der pastoralen Raumplanung erfolgt grundsätzlich Zug um Zug. Ein ‚Stichtag’ ist nicht
vorgegeben. Nach derzeitigem Stand soll die komplette Umsetzung spätestens bis zum Jahr 2025 abgeschlossen
sein. Wie bisher wird i. d. R. Anlass für die Gründung einer Seelsorgeeinheit sein, wenn sich z. B. ein Pfarrer
verändert oder in Ruhestand geht. Darüber hinaus kann die zurückgehende Zahl der Priester es notwendig
machen, Seelsorgeeinheiten zu gründen. In solchen Fällen kann die Versetzung von Pfarrern, deren
Stelle im Plan nicht mehr vorgesehen ist, nicht ausgeschlossen werden. Für die Umsetzung des Orientierungsrahmens bezogen auf die hauptberufl ichen Ständigen Diakone und
pastoralen Mitarbeiter/innen wird es keinen Stichtag geben. Überbesetzungen sind anlassbezogen und in
einem angemessenen Zeitrahmen abzubauen. Nach Möglichkeit werden individuelle Verhältnisse berücksichtigt
und persönliche Härten vermieden. Die Errichtung von Seelsorgeeinheiten wird Auswirkungen auf die Strukturen vor Ort in den Kirchenstiftungen
und somit auch auf das Personal der Pfarrkirchenstiftungen haben. Der Bestand des Arbeitsverhältnisses
bleibt unangetastet und arbeitsvertragliche Verpfl ichtungen bleiben gewahrt. In Grenzfällen ist nach
einvernehmlichen Lösungen zu suchen und persönliche Härtefälle sind zu vermeiden. Weitere Informationen zur neuen Dekanatsstruktur finden Sie hier.
Der Berechnung des pastoralen Personals einer Seelsorgeeinheit liegen folgende Kriterien zu Grunde, d. h. dass sich z. B. die Stelle für einen weiteren Priester bezogen auf eine Seelsorgeeinheit bemisst an: 50 % Anzahl der Katholiken 20 % Anzahl der Pfarreien, Filialen und weiteren Kirchen 10 % Fläche 10 % Anzahl Sakramente 10 % Anzahl Einrichtungen Die jeweilige Zahl eines Kriteriums einer Seelsorgeeinheit wird bezogen (dividiert) auf die entsprechende Diözesan-Gesamtsumme. Das Ergebnis wird mit dem entsprechendem Prozentsatz (50 %, 20 % oder 10 %) der insgesamt zu vergebenden Stellen (150 für ‚Weitere Priester’ und 200 für ‚Pastorale Mitarbeiter/innen’) multipliziert. Daraus ergibt sich, dass im rein rechnerischen Gesamtergebnis die insgesamt zu vergebenden Stellen nicht überschritten werden. Die rechnerischen Ergebnisse wurden nach folgenden Kriterien gerundet: Bei ‚Weitere Priester’ konnte erst ab einem Rechenergebnis von i. d. R. 0,62 auf eine volle Stelle aufgerundet werden, um letztlich die Vorgabe von insgesamt 150 Stellen für ‚Weitere Priester’ in etwa einhalten zu können. Im Raum Augsburg sind einige wenige ‚halbe’ Stellen für ‚Weitere Priester’ vergeben worden.
Der leitende Priester ist jeweils nicht extra aufgeführt. Bei ‚Pastorale Mitarbeiter/-innen’ wurde das Rechenergebnis auf je halbe Stellen gerundet: Bis 0,25 bzw. 0,75 wurde i. d. R. abgerundet und ab 0,26 bzw. 0,76 wurde i. d. R. aufgerundet. Seelsorgliche Sondersituationen, wie z. B. Krankenhaus (nicht: Kur- und Rehaeinrichtungen), Wallfahrt, Anzahl der Pfarreien u. ä. sind unabhängig von der Berechnungsgrundlage in Form von einem zusätzlichen ‚Bonus’ (0,5) berücksichtigt.
Dies ist bei der Angabe des pastoralen Personals in der jeweils blau hinterlegten Abschlusszeile pro Seelsorgeeinheit in Klammer mit einem Stichwort (Grund) aufgeführt.
Das bedeutet, dass beim ausgewiesenen Stellenumfang für ‚Weitere Priester’ oder ‚Pastorale Mitarbeiter/innen’ eine zusätzliche halbe Stelle enthalten ist.
Krankenhäuser, die im Orientierungsrahmen ‚Kategorialseelsorge’ geführt werden, sind im Orientierungsrahmen ‚Territorialseelsorge’ nicht aufgeführt. Beim Kriterium ‚Einrichtungen’ wurden, unabhängig von der Größe, Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft und Altenheime berücksichtigt.
Insbesondere bei Alten- und Pflegeheimen wird bei größeren Zentren ein Bonus für pastorales Personal zu prüfen sein. Bei Seelsorgeeinheiten mit mindestens 6 Pfarreien und über 3.500 Katholiken ist immer ein weiterer Priester vorgesehen. Falls sich dieser nicht schon aus der Berechnung ergibt, wurde ein Bonus gewährt.
Bei Seelsorgeeinheiten mit 6 Pfarreien und zwischen 3.000 und 3.500 Katholiken wurde, falls kein weiterer Priester vorgesehen ist, die Stelle ‚Pastorale Mitarbeiter/innen’ auf eine volle Stelle aufgerundet. Ergänzende Hinweise in zwei Einzelfällen:
Die Personalbesetzung der Pfarreiengemeinschaft Benediktbeuern muss wegen der geographischen Lage der Einzelpfarreien St. Nikolaus, Jachenau und St. Ulrich, Walchensee, je gesondert geprüft werden.
Die Leitung der Pfarrei St. Joseph, Tutzing, Dekanat Starnberg ist verbunden mit der Leitung der katholischen Seelsorge an der Klinik Höhenried. Berechnungsgrundlage Personalplanung - Territorialseelsorge Berechnete Anteile Berechnungsformel Katholikenanzahl: 50 % Katholiken der PG / X 50 % der Stellen 2 Gesamtzahl Katholiken: 1.369.591 1 Pfarreien, Filialen und weitere Kirchen: 20 % Seelsorgestellen in PG 3 / X 20 % der Stellen 2 Gesamtzahl Seelsorgestellen: 1.322 Fläche: 10 %: Fläche der PG / X 10 % der Stellen 2 Gesamtfläche: 13.549.439.806 qm Mittelwert Sakramente / Beerdigungen 4: 10 % Sakramente, Beerdigungen der PG / X 10 % der Stellen 2 Gesamtzahl der Sakramente/Beerdigungen Altenheime / Kindertagesstätten: 10 % Altenheime, Kita's der PG / X 10 % der Stellen 2 Gesamt: 713 (257 Altenheime, 456 Kita’s) 100% 1 Für die Berechnungen des Stellenplans wurden die Katholikenzahlen vom 31.12.2010 zugrunde gelegt (vgl. Amtsblatt für die Diözese Augsburg 2012, Nr. 11 vom 13. Juli 2012 ). In dieser Publikation sind die Katholikenzahlen vom 31.12.2013 angegeben. 2 Grundlage sind 150 Stellen ‚Weitere Priester’ und 200 Stellen für ‚Pastorale Mitarbeiter/innen’ 3 Bewertung/Zählung: Pfarrei = 1; Filiale = 0,5, wenn Filiale mit Kirchenverwaltung + 0,25, wenn auch mit PGR + 0,25; weitere Kirchen (nichtselbständige Filialen) = je 0,25 (angerechnet werden max. 4 weitere Kirchen = max. ‚1’) 4 Für ‚Weitere Priester’: Summe der Mittelwerte von Taufen, Trauungen und Beerdigungen (doppelte Gewichtung, da nicht planbar); analog für ‚Pastorale Mitarbeiter/innen: Erstkommunionen und Firmungen.
Mittelwerte der Jahre 2005 - 2010: Taufen: 11.409; Trauungen: 3.149; Erstkommunionen: 15.832; Firmungen: 14.984; Beerdigungen: 14.560 (doppelt: 29.114)
AUGSBURG – Der neue Generalvikar, Monsignore Harald Heinrich (45), steht im Exklusivinterview mit der Katholischen Sonntagszeitung Rede und Antwort zur Bistumsreform und ihren Herausforderungen. Herr Generalvikar, Sie haben zusätzlich zur Leitung der Hauptabteilung Planung und Personal das Amt des Generalvikars übernommen – und damit noch mehr Verantwortung für die viel diskutierte pastorale Raumplanung. Wie ist der Stand? Seit über zwei Jahren, zuvor auch schon als stellvertretender Generalvikar, bin ich nun mit dem Thema befasst. Es geht – ganz einfach gesagt – leider um einen Mangel, und darauf muss geantwortet werden: der Mangel an Priestern und an pastoralen Berufen. Bisher war geplant, 292 Pfarreiengemeinschaften zu schaffen. Wir mussten feststellen, dass wir diese Zahl nicht besetzen können. Und so haben wir eine Planung vorgenommen, nach der wir langfristig bis zum Jahr 2025 auf 203 Seelsorgeeinheiten reduzieren. Das ist in einem langen Gesprächsprozess erfolgt und wurde nicht irgendwie „verordnet“. Ich habe in Gesprächen mit Pfarreien immer gesagt, dass die Zahl der Priester nicht zur Diskussion steht. Sie ist einfach ein Faktum. Alles andere wäre unehrlich, auch wenn ich es mir so leichter gemacht hätte. Was die Zuordnung der Pfarreien angeht, war bei der Planung manches offensichtlich – etwa, was die politischen Einheiten anbelangt oder den Standort der Schule. Doch es gibt auch Verflechtungen, die über Jahrhunderte gewachsen sind und die man nicht einfach vom Schreibtisch aus erkennen kann. Deshalb waren uns die Rückmeldungen so wichtig. Auf den ersten Entwurf haben wir über 1000 erhalten – das sind 90 Prozent. Daraus haben wir einen zweiten Entwurf gefertigt, die Dekane einbezogen und wieder Rückmeldungen eingeholt. Das hat eine Weile gedauert. Aber es hat sich gelohnt, weil wir letztlich bis auf ganz wenige Fälle einen Konsens erzielt haben. Ich bin sehr froh, dass dieser Weg der Kommunikation und des Dialogs zu einem guten Ergebnis geführt hat. Es gab aber Kritik am Vorhaben überhaupt und am Informations-Stil? Natürlich kann man nicht immer jeden Brief beantworten. Die Arbeitsgruppe, die mit der Aufgabe beschäftigt war, bestand lange Zeit aus zwei Personen: nämlich aus mir und Herrn Karl Wolf. Es gab also keinen „Apparat“, der dahinter stand. Zwischendurch kamen einige Personen hinzu, um bestimmte Fälle zu besprechen. Aber es wurde jeder Brief nicht nur gelesen, sondern ein eigenes Programm entwickelt, um alle Bedenken und Änderungsvorschläge einzuarbeiten. Nichts ist unter den Tisch gefallen. Wirklich jede Pfarrei, jede Filiale hat die Möglichkeit gehabt, sich zu äußern. Jetzt haben wir die letztgültige Fassung noch einmal rausgeschickt zum Korrekturlesen, um wirklich auch den letzten Fehler aufzuspüren. Die Berechnung des Stellenschlüssels ist sehr kompliziert. Jede Filiale, jedes Altenheim, Kindergärten usw. werden eingerechnet. Wir haben eine größtmögliche Differenzierung versucht. Die Katholikenzahl fließt genauso wie die Fläche ein. Wir sind eine Diözese mit Pfarreien, die vielleicht bloß 900 oder 1000 Katholiken haben, aber ein relativ großes Gebiet. All das war zu berücksichtigen, damit Gerechtigkeit entsteht. Leider wird bei der Kritik auch dramatisiert. Wir reduzieren insgesamt behutsam auf 203 Seelsorgeeinheiten. Davon werden 44 weniger als 4000 Katholiken umfassen. Es entstehen also keineswegs lauter „Monstereinheiten“. Es gibt einige größere Einheiten, aber vergleichsweise wenig. Gerade einmal drei Seelsorgeeinheiten zählen mehr als 14 000 Katholiken. Hier sind oft Ängste geschürt worden, die nicht berechtigt sind. Wie ist das weitere methodische Vorgehen? Den zunächst angekündigten Stichtag wird es nicht geben! Wir führen den Weg fort, den wir bisher verfolgt haben, und gehen bei der Umsetzung der pastoralen Raumplanung sukzessiv vor: etwa, wenn ein Priester in Ruhestand geht, wenn jemand versetzt wird oder wechselt. In Einzelfällen werden wir nicht umhin kommen, auch mal einen Pfarrer anzusprechen: „Bitte geh an eine andere Stelle, wir brauchen Dich dort, weil sonst eine große Pfarreiengemeinschaft vakant bleibt.“ Man darf auch einmal betonen: Im Gegensatz zu anderen Diözesen lassen wir Stellen nach Möglichkeit nicht vakant – es gab zurückliegend nur einen „größeren Fall“, Illertissen. Manche Diözesen halten Pfarreien zunächst einmal bewusst vakant, nach dem Motto: „Wenn sich niemand bewirbt, dann bewirbt sich eben niemand.“ Wir haben bisher immer versucht, jede Stelle zu besetzen. Auch in diesem Jahr ist das wieder gelungen. Zwar ist der Priestermangel da, aber er wird erst Schritt für Schritt noch spürbarer werden. Das ist ganz wesentlich der Mithilfe der vielen ausländischen Mitbrüder zu verdanken. Bis 2025 werden wir die geplanten 203 Seelsorgeeinheiten wohl umgesetzt haben. Aber wir wollen es behutsam machen. Beim Personal ist eine Bündelung vorgesehen. Was kommt da beispielsweise auf die Pfarrsekretärinnen und Hausmeister zu? Eines vorneweg: Es ist nicht daran gedacht, irgendwelche Leute zu entlassen oder dergleichen. Es geht, wie Sie gesagt haben, um Bündelung. Nennen wir ein ganz konkretes Beispiel – Kaufbeuren: Da kommt eine große Pfarreiengemeinschaft aus sieben Pfarreien zustande. Da sind ursprünglich neun Sekretärinnen und eine ganze Reihe von Pfarrbüros. Wir müssen nun Wege finden, wie wir das vorhandene Personal so einsetzen können, damit gut gearbeitet werden kann und vor allem der Pfarrer seine Leitung sinnvoll wahrnehmen kann – bzw. auch wo wir jemand woanders einsetzen können. Es geht nicht um Entlassungen! Genauso verhält es sich bei den Hausmeistern – es werden ja keine Pfarrheime zugesperrt. Diese Leute brauchen wir, wir brauchen auch weiterhin Mesner. Es geht um eine andere Perspektive – das Stichwort heißt „zentrales Pfarrbüro“. Manche Pfarreiengemeinschaften sind fast so groß wie mittelständische Betriebe. Der Pfarrer in Kaufbeuren beispielsweise ist für 59 Immobilien zuständig. Das kann er nicht alleine schaffen. In dem Fall wird ein Verwaltungsfachmann angestellt, der dem Pfarrer nicht bloß zur Seite steht, sondern ihn wirklich entlastet und diese Aufgaben übernimmt. Sonst wäre es womöglich auch eine Überforderung von Ehrenamtlichen. Es ist gut, wenn Ehrenamtliche da sind für solche Dinge. Aber wir kommen zusehends an einen Punkt, an dem sich die Dinge so professionalisieren und auch vergrößern, dass auch die Ehrenamtlichen sagen: „Mensch, da blicken wir gar nicht mehr durch bzw. das wird uns zuviel.“ Und nicht immer sitzt zufällig der Sparkassendirektor in der Kirchenverwaltung, der sagt: „Kein Problem!“ Oder der Finanzbeamte, der sagt: „Das kenne ich.“ Da sind – zum Glück! – auch Charismen vertreten, die mehr praktisch veranlagt sind. Also brauchen wir professionelle Unterstützung. Konnten Sie auf Erfahrungen in anderen Diözesen zurückgreifen? Strukturprozesse – ein schreckliches Wort – haben alle Diözesen beschäftigt und beschäftigen sie zum Teil noch. Mir ist aber auch klar geworden: Man kann die Dinge nicht einfach übernehmen. Jede Diözese hat ihr ganz eigenes Profil. Wir sind eine ganz stark ländlich geprägte Diözese mit einer Vielzahl von über 1000 Pfarreien. Es gibt kein Bistum im bayerischen Raum, das so viele Pfarreien hat. Das macht die Sache natürlich oft schwierig. Auf der anderen Seite liegt darin auch die große Stärke: Die Nähe zur eigenen Kirche im eigenen Dorf ist etwas Positives und noch sehr ausgeprägt. Und es soll ja auch keine Dorfkirche zugesperrt werden! Aber die katholische Kirche endet nicht an der Dorfgrenze. Das Zusammenwachsen zu einer größeren Einheit können wir nicht verordnen. Wir können versuchen, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Weg dorthin wird mal länger, mal kürzer dauern. Es liegt auch an der Unterstützung durch die Pfarrer, und ob sie sagen: „Mensch, da liegt ein Mehrwert drin!“ Wir müssen den Weg miteinander gehen und uns Zeit lassen. Aber das Ziel – das Zusammenwachsen – dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren. Wird 2014 statt eines Pfarrgemeinderates ein Pastoralrat gewählt – und was unterscheidet ihn vom bisherigen Gremium? Zunächst einmal wird 2014 ein Pfarrgemeinderat gewählt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, einen Pastoralrat zu wählen. Die Aufgabe des Pfarrgemeinderats wird sich verschieben. Was die spezifisch kirchlichen Themen, die Pastoral, anbelangt, wird der Pastoralrat zuständig sein. Es ist daran gedacht, dass aus den einzelnen Pfarrgemeinderäten Leute in den Pastoralrat entsandt werden. Wir haben schon jetzt Seelsorgeeinheiten, bei denen in den einzelnen Dörfern kein Pfarrgemeinderat mehr besteht, sondern ein Gesamtpfarrgemeinderat. Es besteht also die Möglichkeit, zu sagen: „Wir wählen gleich den Pastoralrat auf der gesamten Ebene.“ Ganz wichtig sind die künftigen Satzungen. Hier führt Prälat Bertram Meier derzeit Gespräche mit dem Diözesanrat. Es geht nicht um Entmachtung! Es geht darum: Wie können wir gut und effizient miteinander in die Zukunft gehen? Welches sind die Aufgaben, die mehr vor Ort wahrgenommen werden müssen? Und wo müssen wir sagen: „Mensch, da geht‘s um wichtige fachliche Dinge, die die ganze Einheit betreffen.“ Wie ist die Stimmung bei den Priestern, wie bei den Gläubigen? Ich bin immer ein bisschen vorsichtig zu verallgemeinern. Stimmung wird manchmal auch provoziert. Die Medien sind uns nicht immer wohlgesonnen; manchmal wurden Dinge vermittelt, die schlicht und ergreifend falsch waren. Aber ich möchte bei der Kommunikation selbstkritisch hinzufügen: Wir haben da manches unterschätzt. Und deshalb müssen wir uns Zeit nehmen, noch einmal zu kommunizieren. Ich bin immer wieder in Pfarreien und sehe, dass man die Dinge nicht auf Strukturfragen reduzieren darf. Das hat eine Erschütterung ausgelöst, gar keine Frage, auch Verunsicherung, manchmal auch Ärger, auch Verletzungen. Jetzt müssen wir gegebenenfalls nochmal in Ruhe reden. Wo gibt es Gesprächsbedarf? Wo sind wir flexibel? Wo muss ich sagen: „Nein, davon können wir nicht abgehen.“ Wir müssen manches noch einmal besser erklären und vertiefen, das Thema Wortgottesdienste zum Beispiel. Ich nehme durchaus wahr, dass es Kritik gibt. Ich sehe meine Aufgabe auch darin, zuzuhören und zu sehen, was an Gefühlen da ist. In einem Begrüßungsbrief an alle Priester, pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiter im Ordinariat haben Sie gebeten, die Umbrüche auch aus der Perspektive des Glaubens wahrzunehmen. Können Sie vielleicht ein Beispiel formulieren? Bei einem Studientag zum II. Vatikanum im Haus St. Ulrich hat der Regens der Diözese Hildesheim gesagt: „Wir haben zwölf Jahre über Strukturen diskutiert.“ Das ist für mich eine Horrorvision. Das darf nicht sein. Wir brauchen Strukturen – aber es handelt sich um Rahmenbedingungen, also auch um einen Orientierungsrahmen, der veränderbar ist. Den Blick in die berühmte Glaskugel können wir nicht werfen. Wir sind dafür verantwortlich, dass wir eine gute Planung hinkriegen. Aber dann müssen wir auch wieder zum Wesentlichen kommen! Worum geht es im Bistum eigentlich? Was ist, wie man immer so schön sagt, unser Kerngeschäft? Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Glaube, dass das Evangelium immer noch die gleiche Sprengkraft hat – die innere Kraft, die es immer hatte. Das müssen wir wieder mehr in den Blickpunkt stellen. Es geht um Jesus Christus! Darum, dass das Leben in Berührung kommt mit dem Evangelium, mit Christus – ein Leben, das immer auch ein Leben mit der Kirche ist, mit der Gemeinschaft aus den Sakramenten. Mir ist ganz wichtig, dass wir da wieder hinkommen. Es geht nicht darum, Dinge zu verdrängen. Aber bitte jetzt auch wieder nach vorne schauen! In dem Brief haben Sie auch davor gewarnt, Resignation und das Bewahren von Besitzständen zur Richtschnur des Handelns zu machen. Was aber sagen Sie den Gläubigen und Priestern, die ganz einfach Angst haben, die bisherigen Strukturen loszulassen? Veränderungen lösen immer auch Ängste aus. Wir sollten noch mehr darauf achten! Vielleicht war das unser Problem in der bisherigen Kommunikation: Wir haben sehr sachlich argumentiert, aber zu wenig berücksichtigt, dass auch Gefühle und Ängste ausgelöst werden. Das ist das eine. Das andere: Vertrauen wir doch wieder mehr auf Gott! Wie oft heißt es im Evangelium: Fürchtet Euch nicht! Nicht wir sind die Herren der Kirche – es ist seine Kirche! Aus der Kraft des Evangeliums gilt es nach vorne zu schauen, weiter zu gehen und aus der Geschichte zu lernen. Wir müssen miteinander versuchen, diese Perspektive zurückzugewinnen. Interview: Gerhard Buck u. Johannes Müller Das Interview im Original-Layout: AU_12-29_s02_03_klein (379,6 kB)