Rasur für alle

14.07.2016 13:56

-

Immer wieder lese ich von bemerkenswerten Männern. Vor kurzem von Pascal Jahn, 34, der seit 15 Jahren Friseur ist. Seit einem halben Jahr führt er in Aachen den "Frankenberger Barber & Social Club - exklusiv für Männer. Dort können Männer ein Bier trinken, während ihnen Bart und Haare gemacht werden.

Und nun wird es interessant. Scheinbar regt es auf, dass es einen Friseur nur für Männer gibt. Am Eingang seines Geschäfts ist zu lesen, dass Frauen hier unerwünscht sind. Doch dieses Frauenverbot erregt Unmut und hat sichtbare Folgen. Am Ladenfenster standen mit Graffiti die Worte "Rasur für alle". Das Auto des Friseurs wurde zerkratzt und das Schaufenster mit Lippenstift beschmiert.

Frauen haben ihre Räume, wo sie unter sich sind. Können es manche Zeitgenossen nicht zulassen, dass es auch eine Männeroase gibt? Der Friseur sagt schon, dass Frauen kurz reinkommen können, um einen Gutschein zu kaufen oder einen Termin für ihre Männer auszumachen. Aber Händchenhalten mit den Männern gehe in seinem Laden nicht, so das Haarkünstler.

Was stört denn die Atmosphäre, wenn Frauen da sind? Jahn antwortet sehr klar: "Wenn sich hier fünf Männer ohne Filter unterhalten und dann kommt das Gequake von den Frauen dazwischen, dann wäre die Stimmung schlagartig im Keller. Und wenn eine hübsche Frau hereinkommt, werden die Männer zu Jägern." Jahn möchte dies nicht.

Auf die Frage, warum er jetzt nach 15 Jahren als Friseur auf die Idee kommt, einen reinen Männershop zu eröffnen, kommt die Antwort: "Ich hatte vor diesem Laden zwei Friseursalons. Da standen immer die Frauen im Vordergrund. Aber ich wollte, dass auch Männer die Zeit bekommen, die sie verdienen. Dass sie nicht bloß schnell mal drankommen, während bei den Frauen die Farbe einwirkt."

Mich faszinieren Männer wie dieser Friseur. Denn sie sorgen ebenso für Räume, wo Männer unter sich sein können. Es sind heilklimatische Orte für die Männerseele.

Auch in unseren Breitengraden gibt es Friseure nur für Männer. Meist sind türkische Männer die Inhaber dieser Männeroasen.

 

Diakon Gerhard Kahl