Wir verweigern den Segen nicht

17.03.2021 13:20

 

 

 

„Wir verweigern den Segen nicht!“               

Vor wenigen Tagen hat die römische Glaubenskongregation in einem Schreiben gleichgeschlechtlichen Paaren ausdrücklich den Segen verwehrt, weil eine solche Liebesbeziehung nicht der „Absicht Gottes“ entspreche.

Als Männerseelsorger bin ich über diese halt– und herzlose Position des Vatikans maßlos enttäuscht, traurig, aber auch wütend!

Bei unseren Männerveranstaltungen und allen pastoralen Begleitangeboten für Männer fragen wir weder nach konfessioneller Zugehörigkeit noch nach der sexuellen Orientierung. Wir begleiten Männer in unterschiedlichsten Lebensphasen und unterstützen sie darin, ihren ganz eigenen Weg zu finden und zu gehen, damit ihr Leben gelingt.

Für die meisten Männer spielt dabei eine partnerschaftliche persönliche – und ja, auch sexuell stimmige und erfüllende Beziehung „auf Augenhöhe“ eine wichtige Rolle.

In der Begegnung mit Männern erlebe ich, dass dies sowohl für hetero– als auch für homosexuelle Partnerschaften gilt. Wenn also schwule Paare nach dem Segen der Kirche fragen (was sie ohnehin viel zu selten tun, weil die Verletzungen, die sie bisher durch kirchenamtliche Ausgrenzung erfahren haben, viel zu tief sind…), dann freue ich mich, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Gott diese Paare mit ihrer ganz persönlichen Geschichte längst liebt und angenommen hat!

Theologische Argumente und Erkenntnisgewinne sind zur Genüge ausgetauscht, jetzt gilt es klare Position zu beziehen!  Zusammen mit vielen Kolleg*innen im pastoralen Dienst schließe ich mich deshalb folgender Stellungnahme an:

„Wir werden Menschen, die sich auf eine verbindliche Partnerschaft
einlassen, auch in Zukunft begleiten und ihre Beziehung segnen.
Wir verweigern eine Segensfeier nicht.
Wir tun dies in unserer Verantwortung als Seelsorgerinnen und
Seelsorger, die Menschen in wichtigen Momenten ihres Lebens den Segen
zusagen, den Gott allein schenkt.
Wir respektieren und schätzen ihre Liebe und glauben darüber hinaus,
dass der Segen Gottes mit ihnen ist.
Wir nehmen nicht hin, dass eine ausgrenzende und veraltete Sexualmoral
auf dem Rücken von Minderheiten ausgetragen wird und unsere Arbeit in
der Seelsorge untergräbt.“

(Diese Stellungnahme wurde von Hochschulseelsorger Burkard Hose und anderen pastoralen Mitarbeiter*innen erstellt und wird dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing überreicht werden)

 

Franz Snehotta, Pastoralreferent in der Männerseelsorge, 17.03.2021

 

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