Abtreibung „völlig okay“?

Familienbund kritisiert Minister Spahn für Haltung zum Bluttest

11.04.2019 17:23

Als „ethisches Armutszeugnis für einen Christdemokraten“ hat der Vorsitzende des Familienbundes im Bistum Augsburg, Pavel Jerabek, jüngste Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu vorgeburtlichen Bluttests bezeichnet. Spahn hatte in einem Interview mit der Bildzeitung (BILD-Talk „Die richtigen Fragen“, 8. April, Minute 14) gesagt, man müsse Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom erwarten, das Signal geben, es sei „völlig okay“, wie sie sich entscheiden, ob für oder gegen eine Abtreibung.

Der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg wendet sich entschieden gegen die Position von Minister Spahn und weiterer Spitzenpolitiker auf Bundesebene zugunsten einer Kassenfinanzierung vorgeburtlicher Untersuchungen auf Trisomie 21. „Entsprechende Tests bieten keinerlei therapeutischen Nutzen und führen heute in rund 90 Prozent der Fälle zur Tötung des ungeborenen Kindes“, begründet Vorsitzender Pavel Jerabek die Haltung seines Verbandes. Eine bereits jetzt dominierende skandalöse Kultur der Selektion drohe sich durch eine Kostenübernahme von Bluttests durch Krankenkassen weiter zu verfestigen. Die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung müsse mit der unbedingten Achtung ihres Lebensrechts von der Zeugung an beginnen.
 
Der Familienbund appelliert insbesondere an die dem Lebensschutz durch grundlegende programmatische Festlegungen der eigenen Parteien besonders verpflichteten Vertreter von CDU und CSU, eine weitere Erosion bioethischer Standards in der Gesellschaft abzuwenden. „Pränatale Bluttests dürfen keine Kassenleistung werden“, so Vorsitzender Jerabek. Es gelte vielmehr, die aktuelle Diskussion dazu zu nutzen, auch andere Testverfahren wie die Fruchtwasseruntersuchung unter den Vorgaben der UN-Behindertenkonvention kritisch zu überprüfen. „Letztlich geht es um die Frage, ob wir eine Gesellschaft sein wollen, in der Menschen mit bestimmten Merkmalen vor der Geburt aussortiert werden. Wir wollen das nicht!“ Vor allem die Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder seien aus Sicht des Familienbundes gefordert, klar Farbe für einen umfassenden Schutz auch ungeborener Menschen zu bekennen.