Familienbund kritisiert Pläne von Schwesig zu „Familienarbeitszeit“

Mehr wirtschafts- als familienfreundlich

20.07.2016 16:45

Der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg kritisiert den jüngsten Entwurf von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig für eine Familienarbeitszeit als wirtschaftsorientiert und wenig familienfreundlich. „Das Modell schafft eher Anreize, die Arbeitszeit zu erhöhen anstatt sie den individuellen Bedürfnissen der Familien anzupassen“, sagt der Diözesanvorsitzende Pavel Jerabek.  Grund sei die hohe Anzahl vorgesehener Wochenarbeitsstunden: „Das Konzept geht an den Bedürfnissen der meisten Familien vorbei, weil es nicht die notwendigen Wahlmöglichkeiten bei der Gestaltung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit enthält.“

Schwesigs Konzept sieht eine Spanne von 28 bis 36 Wochenarbeitsstunden für beide Elternteile über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren vor und entpuppt sich damit als „vollzeitnah“.

Eltern, die sich für dieses Modell entscheiden, würden zusammen 300 Euro im Monat „Familiengeld“ vom Staat bekommen, maximal 24 Monate lang, für Kinder bis zu acht Jahren. Auch Alleinerziehende sollen 300 Euro erhalten.

Jerabek hält es für unverständlich, warum weiter versucht werde, beide Eltern in „vollzeitnahe“ Beschäftigungsverhältnisse zu drängen, obwohl das Familienmodell mit einem Voll- und einem Teilzeitjob mit 40 Prozent das häufigste und am stärksten wachsende Modell ist. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt.

„Die Lebenswirklichkeit der Menschen verlangt nach Flexibilität und Wahlfreiheit: Auch Halb- und Teilzeitbeschäftigte sowie Elternteile, die sich zeitweise ganz der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder widmen, müssen in den Genuss eines Familiengeldes kommen“, erklärt Jerabek. Der Familienbund fordert deshalb schon seit langem ein Erziehungsgehalt.

„Nach Schwesigs Konzept gibt es Familiengeld nur für Familien, in denen beide Partner außerhäuslich vollzeitnah arbeiten. Das dient der Wirtschaft, nicht den Familien“, kritisiert Jerabek. Anstatt endlich auch die häusliche Erziehungs- und Bildungsarbeit zu honorieren, wie es ansatzweise mit dem bayerischen Betreuungsgeld gedacht sei, müsse man befürchten, dass den Familien mit Schwesigs Modell am Ende sogar weniger Zeit für ihre Kinder zur Verfügung bleibt. „Das ist die falsche Richtung.“