Nachruf auf Michael Widmann

20.12.2021 10:22

Wir trauern um unseren stellvertretenden Vorsitzenden Michael Widmann. Er ist am Donnerstag, 16. Dezember, nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren verstorben. 15 Jahre lang hat er sich im Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg engagiert und dessen Arbeit und Profil in verschiedenen Funktionen mitgeprägt.

1964 in München geboren, wuchs Michael Widmann in Starnberg auf. Sein Philosophie- und Theologiestudium absolvierte er in Frankfurt, Wien und München und blieb darüber hinaus zeitlebens ein Studierender: Mit Neugier, Tiefgang und kritischem Geist beobachtete und analysierte er das gesellschaftspolitische und kirchliche Geschehen, widmete sich mit Leidenschaft philosophischen und theologischen Fragestellungen. Die europäische Integration, der interreligiöse Dialog, insbesondere mit dem Islam, bioethische Fragen und die Familie gehörten zu seinen vielfältigen Interessensgebieten, denen er sich auch beruflich – zunächst als Journalist und Lektor beim Sankt Ulrich Verlag – widmete.

Im Jahr 2006 trat Michael Widmann dem Familienbund bei, 2013 wurde er Vorstandsmitglied und Bundesdelegierter. Nach seiner Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden des Familienbunds im Bistum Augsburg 2017 schrieb er in seiner Kurzvorstellung in der Mitgliederzeitschrift „Familienbunt“: „Meine wichtigsten Ziele hat die Glaubenskongregation zusammengestellt. Es sind Grundsätze und Forderungen, bei denen »der Kern der moralischen Ordnung auf dem Spiel steht, der das Gesamtwohl der Person betrifft«. Und das ist der Fall bei der Gesetzgebung zu Abtreibung und der Euthanasie sowie den Rechten des Embryos.“ In analoger Weise, so zitierte er aus einer Lehrmäßigen Note von 2002, müsse „der Schutz und die Förderung der Familie gewährleistet werden, die auf der monogamen Ehe zwischen Personen verschiedenen Geschlechts gründet und die in ihrer Einheit und Stabilität gegenüber den modernen Gesetzen über die Ehescheidung zu schützen ist.“ Auch mit dem Postulat, dass die Freiheit der Eltern in der Erziehung ihrer eigenen Kinder „ein unaufgebbares Recht“ ist, konnte er sich als katholischer Familienvater voll und ganz identifizieren.

Michael Widmanns klarer Standpunkt, etwa in der Bioethik, gründete aber nicht nur auf der Lehre der Kirche, sondern immer auch auf Erkenntnissen der Wissenschaft und Forschung, deren neueste Ergebnisse er gewissenhaft studierte und mit seinen Vorstandskollegen teilte. Mit seinem großen Wissen und seinem Erfahrungsschatz, auch aus dem Pastoralen Dienst, in dem er seit 2012 wieder wirkte, gestaltete er die Arbeit im Vorstand des Diözesanverbandes aktiv mit. Seine Essays und Interviews, die er für die Zeitschrift „Familienbunt“ verfasste, zeugen von diesen vielfältigen Charismen.

Dankbar in Erinnerung bleiben wird Michael Widmann auch für seine stets konstruktiven und kollegial-freundschaftlichen Umgang, für seinen feinen Humor, der immer wieder auch sein komödiantisches Talent durchschimmern ließ, für seine angenehme, warmherzige, charmante Art. Er wird uns sehr fehlen.

Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Frau Judith und seinem Sohn Benedikt. Gott vergelte all sein Tun und Wirken für seine Familie, für die Familie Gottes und im Familienbund.
Pavel Jerabek