Familienbund nimmt Stellung zu einer Umfrage und fordert ein Erziehungsgehalt

Gebt den Familien endlich Wahl-Freiheit!

09.05.2017 17:07

Zur jüngsten EMNID-Wahl-Studie der Zeitschrift „Eltern“ (1) erklärt Pavel Jerabek, Vorsitzender des Familienbundes der Katholiken im Bistum Augsburg:

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie zeigen, dass die aktuelle Familienpolitik die Bedürfnisse der Familien in weiten Teilen verfehlt. Denn:

  • 87 Prozent der Befragten finden, der Druck auf Familien hat eher zugenommen.
  • 60 Prozent der Eltern fühlen sich nicht frei in ihrer Entscheidung, wann und in welcher Form sie nach ihrer Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen.
  • Lediglich elf Prozent der Eltern wollen gleich (nach zwei Monaten oder einem halben Jahr) wieder arbeiten, aber über 51 Prozent finden eine Babypause von zwei Jahren oder mehr richtig.
  • Von den in der EMNID-Studie befragten Eltern, die sich aktuell in Elternzeit befinden bzw. sich ganz der häuslichen Erziehung und Bildung der Kinder widmen, wollen nur acht (!) Prozent in einen Vollzeitjob zurück.

Das von Familienministerin Schwesig propagierte Konzept der Familienarbeitszeit mit vollzeitnaher Beschäftigung von Vater und Mutter erweist sich vor diesem Hintergrund als realitätsfernes Polit-Korsett, das mehr der Wirtschaft als den Familien dient. Eltern wollen keine Bevormundung und schon gar nicht in bestimmte, wirtschaftskompatible Muster gepresst werden. Es muss endlich Schluss sein damit, dass Familien am Gängelband von Wirtschaftsinteressen und Polit-Ideologen hängen.

Der Familienbund fordert daher eine moderne Familienpolitik, die die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Eltern achtet. Konkret fordert der Familienbund, ein steuer- und sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt einzuführen. Das würde den Bedürfnissen der Familien in Deutschland gerechter werden als eine Familienpolitik in Funktion des Arbeitsmarktes. Ein Erziehungsgehalt / Erziehungslohn wäre eine Anerkennung der gesellschaftlich notwendigen Erziehungsleistung, mithin ein Schritt zu mehr Leistungsgerechtigkeit. Es gäbe den Familien mehr ökonomische Unabhängigkeit und würde erst wirklich die freie Wahl der Lebensführung ermöglichen. Außerdem würde es den Eltern die Möglichkeit eröffnen, mit ihrer erzieherischen, in ihrer Bedeutung für unseren Wohlstand stets unterschätzten Arbeit auch für ihre eigene Alterssicherung vorzusorgen.

Die EMNID-Befragung zeigt auch: Eltern ist ein deutlich höheres Kindergeld (das finden 55 Prozent „sehr wichtig“) und der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit (44 Prozent) wichtiger als die ganztägige Unterbringung der Kinder in einer verpflichtenden Ganztagsschule (16 Prozent). Die Wirtschaft sollte diesem wachsenden Bedarf an Teilzeitstellen mit mehr Flexibilität Rechnung tragen. Tut sie es nicht, sollte die Politik nachhelfen.

Der Familienbund zieht aus der Studie das Fazit: Die Rahmenbedingungen – auch die finanziellen –, die eine freie Wahl der Lebensführung ermöglichen, bleiben eine der größten Baustellen der Familienpolitik.

 

 

 

(1) http://www.eltern.de/familie-urlaub/familienleben/familie-2017-eltern-wollen-die-wahl-haben