Auszug aus der Predigt zum Karfreitag 2013 im Hohen Dom in Augsburg

29.03.2013 08:37

Am Karfreitag ist alles auf den Kopf gestellt. Der Große, Allmächtige geht in Jesus Christus in die totale Ohnmacht. Er, der das Leben ist und es in Fülle gibt, geht in den Tod. Er, der Gott selbst ist, schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Am Karfreitag steht alles Kopf. Gott macht im wahrsten Sinne des Wortes einen Salto mortale.

Warum ist das so? Weil auch der Mensch sich selbst und die Ordnung, wie Gott sie eingerichtet hat, auf den Kopf gestellt hat. Sünde hat immer etwas damit zu tun, dass wir uns loslösen von ihm und uns an seine Stelle setzen. Und das bewirkt genau das Gegenteil von dem, was wir wollen. Das macht uns weder frei noch größer, im Gegenteil, es zieht uns nach unten.

Um uns da heraus zu holen, hat Gott Jesus „für uns zur Sünde gemacht“ (2Kor 5, 21). Jesus nimmt die Sünde der Menschen an, damit wir sie loswerden. Er sucht uns und findet uns da, wo wir uns hineinmanövriert haben: Ganz unten. Da, am toten Punkt, in seinem Kreuzestod, also ganz unten setzt er an, hebelt die Sünde, die Macht des Bösen und den Tod aus und bringt damit die Wende, die Wende vom Tod zum Leben. Er hat sich sozusagen auf den Kopf gestellt, damit wir wieder auf die Füße kommen. Er nimmt uns dadurch mit von unten nach oben, vom Chaos zur Ordnung, von der Verzweiflung zur Hoffnung, vom Dunkel zum Licht und vom Tod zum Leben.

 

Auch uns kann so ein geistiger „Salto mortale“ nicht schaden. Wer sich beugt und klein macht vor Gott, wird merken, dass Großes an ihm geschieht. Wer einverstanden ist mit dem, was Gott mit ihm vorhat, mit dem kann Gott Wunderbares bewirken. Tod und Auferstehung unseres Herrn sollen sich im Alltäglichen auswirken und Hand und Fuß bekommen.

Amen

+ Florian Wörner
Weihbischof