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Texte/Predigten

Predigt zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi – Fronleichnam 2015

05.06.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder,

als wir vor einer Woche das Augsburger Gebetshaus zur gemeinsamen Eucharistiefeier und zum anschließenden Lobpreisgebet in den Dom eingeladen hatten, da hatte ich die Mitbrüder vom Domkapitel schon vorsorglich darüber informiert, dass die jungen Leute im Altarraum eine Leinwand mit einem einfachen Kreuz bezeichnet aufstellen wollten, um für das anschließende Gebet, das keine eucharistische Anbetung war, einen näheren unmittelbaren Bezugspunkt zu haben. Als ich aber am vergangenen Donnerstag den Dom betrat, stellte sich das Ganze schon wesentlich umfangreicher dar. Ich habe nicht schlecht gestaunt, was da an Elektronik und Musik und vor allem an Beleuchtung, Licht- und Farbscheinwerfern bis zum Diskonebel aufgeboten worden war, um, wie man so sagt, „Atmosphäre“ zu schaffen. Atmosphäre als Voraussetzung für die darauf folgende gemeinsame würdige Feier der Eucharistie und das anschließende ohne jeden Zweifel glaubwürdige und ganz und gar ernstzunehmende Lobpreis- und Fürbittgebet der jungen Leute dieser charismatischen Bewegung.

Predigt bei der Diakonenweihe in der Basilika St. Ulrich und Afra

02.05.2015

es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder,
verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Weihekandidaten!

Seitdem die sogenannten Skrutinien, die bischöflichen Prüfungsgespräche für die Eignung der Kandidaten, zur Weihe zum Diakon zugelassen zu werden, seitdem diese Gespräche abgeschlossen waren und ich an diesen Weihegottesdienst und die fällige Ansprache dachte, hatte ich es mir vorgenommen. Ich hatte mir vorgenommen, diese meine Worte mit dem Ausdruck großen Bedauerns zu beginnen. Mein Bedauern nämlich darüber, dass ich mir nicht bei jedem dieser Gespräche diese oder jene Notiz gemacht habe über die Antworten, die die einzelnen Kandidaten ihrer jeweiligen persönlichen Ausprägung entsprechend gegeben haben.

Predigt zur Auferstehung des Herrn 2015

05.04.2015

- es gilt das gesprochene Wort

Wie mögen sie denn wohl die Nacht verbracht haben, die Jünger, nach der Kreuzigung? Wohin der Verrat des Judas geführt hat, wissen wir ja aus dem Evangelium nach Matthäus. Aber Petrus nach seiner Verleugnung, oder Johannes nach der Kreuzigung, oder jener junge Mann, der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war, das er dann aber fallen ließ, als sie ihn packten, und er nackt davon lief. (vgl. Mk 14,51f) Ob sich der Evangelist Markus damit selbst beschrieben hat in seiner Furcht? Wie mag es ihnen allen jetzt ergangen sein, nach dem vertrauten letzten Mahl nun ein für allemal von ihrem Herrn getrennt?

Predigt zum Aschermittwoch 2015

20.02.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

Vor nun schon fast 30 Jahren habe ich im französischen Elsaß meinen Mitbruder besucht, mit dem zusammen ich in Rom studiert habe. Als ich ihn nach Taizé fragte und ob wir nicht einmal dorthin fahren sollten, schaute er mich mit großen Augen an und fragte mich: Wo ist Taizé? Wo ist Taizé in Frankreich? Natürlich wusste er, wo Taizé lag und ist auch mit mir dorthin gefahren. Seine Fragen waren ja nur rhetorisch gemeint und sollten zum Ausdruck bringen, dass von der Bewegung um Taizé offensichtlich im religiösen und gesellschaftlichen Leben Frankreichs kaum etwas zu spüren war. Davon erzählte ich vor wenigen Wochen der Jugend 2000, die zum Prayerfestival im Memmingen zusammengekommen war. Am Schluss meiner Ansprache habe ich mir allerdings erlaubt, die vergleichbare Frage zu stellen, nämlich: Wo ist die Jugend 2000? Wo ist die Jugend 2000 in Bayern und Schwaben, wo ist die Jugend 2000 für Deutschland? Worauf ich einige Tage später einen Brief von einer Frau bekam, die sich von diesen durchaus ernst gemeinten Fragen nicht gerade angenehm betroffen fühlte.

Predigt zu Mariä Lichtmess 2015

02.02.2015

- es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

die Kirchengegner und die Ungläubigen mögen wohl beinahe gejubelt haben, als sie die Überschrift jenes Leitartikels der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unmittelbar nach Weihnachten zur Kenntnis genommen hatten. Unter der Überschrift, die Spätzeit des Christentums habe begonnen, kündigte da ein (kath.) Journalist den unmittelbar bevorstehenden Kollaps der Kirche in Deutschland an und verglich sie in ihrem Zustand obendrein noch mit der späten DDR. Aber ganz so, wie es sich die Feinde der Kirche vorgestellt hätten, war der Artikel nun doch nicht gemeint.

Predigt zum Jahresabschluss 2014 im Hohen Dom

31.12.2014

- es gilt das gesprochene Wort - 

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Der letzte Tag des Jahres ist wie kein anderer dafür geeignet, Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, aber auch uns zu besinnen, dankzusagen und zu bitten. Noch in meiner Kindheit wartete der Pfarrer Jahr für Jahr bei der Jahresschlussandacht mit den Zahlen der Pfarrstatistik auf. Immer waren es überschaubare Zahlen, die die Substanz der kleinen Diasporagemeinde nicht wesentlich berührten. Kirchenaustritte waren an einer Hand abzuzählen.
Dagegen sind doch alle unsere Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften und schon gar nicht unser Bistum zahlenmäßig unter keinen Umständen mit der Diaspora zu vergleichen. Aber eben auch nicht die in diesem Jahr zu verzeichnenden Kirchenaustritte. Allzu viele sind es, die den verhängnisvollen Entschluss gefasst und umgesetzt haben. Hier und heute ist weder Ort noch Zeit, noch haben wir nur annähernd die Möglichkeit, die vielfältigen Ursachen oder Gründe zu erforschen. Unabhängig davon steht aber fest: Unter welchen Bedingungen Kirche auch immer lebt – ob in der Diaspora oder in einem immer noch bestehenden volkskirchlichen Milieu – wahre Zugehörigkeit zur Kirche kann sich nicht mehr nur im Zahlen der Kirchensteuer, sondern muss sich zuerst und vor allem durch ein lebendig wahrgenommenes Glaubensleben erweisen. Auch eine künftige kleine Herde wird keine nur soziologisch geschrumpfte Größe sein können, sondern muss eine theologische Größe derjenigen sein, die sich bei aller bestehenbleibenden Sündhaftigkeit entschieden haben, ihren Glauben zu leben.

Predigt in der Christmette 2014 im Hohen Dom

24.12.2014

- es gilt das gesprochene Wort -

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus! 

Mein Herr und mein Gott – Das sind die letzten Worte eines Menschen nach dem Evangelium des Johannes, bei dem das, was uns soeben feierlich verkündet worden ist, zum Ziel gekommen ist.

Worte eines Menschen, der noch einmal durch die Anfechtung seines Glaubens hindurchgegangen ist. Die tiefste, größte Anfechtung wohl überhaupt mit dem Zweifel an der Göttlichkeit des Menschensohnes, eine Anfechtung, die wohl kaum einem von uns erspart bleibt und aus der wir immer wieder heil hervorgehen sollen.

Predigt zur Eröffnung der Aktion Adveniat 2014

30.11.2014

- es gilt das gesprochene Wort-

Verehrte Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Auch wenn man sich mittlerweile fast schon daran gewöhnt hat, dass bei vielen Autofahrern die Blinkanlage immer mehr außer Gebrauch zu geraten scheint, da waren wir, mein Fahrer und ich, doch einigermaßen erschrocken. Als nämlich der Wagen ein gutes Stück vor uns nicht nur die Spur wechselte ohne zu blinken, sondern nach und nach immer weiter nach links abdriftete, bis er schließlich an der Leitplanke landete, die sich ihm unnachgiebig in den Weg stellte und ihn kratzend, schleifend und funkensprühend daran hinderte, auf die Gegenfahrbahn zu geraten.
Sekundenschlaf nennen das die Fachleute, aus dem der Fahrer dann doch mit tiefen Schrecken jäh erwacht sein musste, um nunmehr hellwach wieder langsam nach rechts zu gleiten bis zum Standstreifen, auf dem er schließlich zum Stehen kam. Das war nun noch einmal mehr als glimpflich abgegangen und potentiell auch für alle anderen Beteiligten.

Predigt von Bischof Dr. Konrad Zdarsa am Dankgottesdienst 50 Jahre „Unitatis redintegratio“

21.11.2014

- es gilt das gesprochene Wort -

 
Jahrzehntelange ökumenische Bemühungen – und kein bisschen weiter!? Solche und ähnliche Stimmen kann man hören, wenn es um die Bewertung der Ergebnisse in der Ökumene nach dem II. Vatikanischen Konzil geht. Wer jedoch nicht nur auf äußere Erfolge schaut, sondern tiefer blickt, der wird sich eines Besseren belehren lassen müssen. Noch im Jahre 1949 – ich selbst war gerade fünf Jahre alt – schärfte das „Heilige Offizium“, die Vorgängerbehörde der heutigen Glaubenskongregation, allen Bischöfen in einer Erklärung zur „ökumenischen Bewegung“ ein, die Gespräche genau zu kontrollieren und darüber regelmäßig nach Rom zu berichten: „Interkonfessionelle Zusammenkünfte sind somit nicht absolut verboten, sie sollen aber nicht abgehalten werden ohne vorherige Bewilligung der zuständigen kirchlichen Behörde.“1

Predigt zum Pfingstfest 2014 im Hohen Dom

08.06.2014

- es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Titel „Hybris“ überschreibt er sein Buch, ein profilierter Vordenker, wie es heißt, mit dem er eine nach seinem Urteil überforderte westliche Gesellschaft an den Pranger stellt. In einer allgegenwärtigen Hybris – wir können auch von Größenwahn und Selbstüberschätzung sprechen – sieht er die wesentliche Ursache für die tiefgreifende Krise unserer westlichen Kultur. Mit dem Untertitel ‚Glückseligkeit‘ scheint er aber auch zugleich mit dem Christentum abzurechnen. Wenn das Christentum etwas geschafft habe, meint er, dann dieses: Es habe Grenzen beseitigt. Klugerweise allerdings nur im Jenseits. Im Diesseits bliebe alles beim Alten, bliebe alles begrenzt, stellt er abschließend fest.

Wenn er mit dieser Einschätzung auf unsere begrenzte menschliche Natur abhebt, mag er ja durchaus Recht haben, seine Gesamteinschätzung des christlichen Glaubens aber ist mehr als holzschnittartig und läuft, auch wenn sie recht kultiviert daherkommt, mehr oder weniger auf die spöttische Bemerkung des Dichters Heinrich Heines hinaus: Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. Warum denn, erlauben wir uns da zu fragen, auf der einen Seite die menschliche Perspektive des christlichen Glaubens anerkennen, wenn auf der anderen Seite alles menschliche Dasein ausschließlich zum Terrain der Selbsthilfegruppen erklärt wird??

Predigt am Hochfest der Auferstehung des Herrn 2014

20.04.2014

- es gilt das gesprochene Wort -

 

Es ist still geworden in Jerusalem. Kein Lärm und Geschrei mehr vor dem Sitz des Hohenpriesters. Keine Kreuzigungsrufe mehr vor dem Praetorium.
Kein Gerangel auf dem Weg nach Golgota.
Keine klagenden Frauen am Wegesrand. Keine Befehle mehr, kein Spott mehr und kein Hohn. Es ist still geworden, totenstill. Und es ist Nacht geworden.

Was waren da vielleicht erst ein paar Monate, Wochen zuvor die Massen unterwegs! Tausende, viertausend oder fünftausend Männer wiederholt bei der wunderbaren Speisung. Und Frauen und Kinder dazu. Sie sind um den See gelaufen. Und waren noch vor Jesus da; der mit dem Boot gefahren war. Sie mussten das Dach durchschlagen, um den Gelähmten vor Jesus hinunterzulassen. So dichtgedrängt standen sie. Gewaltsam wollten ihn die Verwandten dort herausholen. Weil er von Sinnen sei, wie sie sagten. Auch dort ist nun wieder Ruhe eingezogen in Kapharnaum. In Jerusalem aber neigt sich der Sabbat dem Ende zu. Der Morgen dämmert.

Predigt zum Jahresabschluss 2013 von Bischof Dr. Konrad Zdarsa

31.12.2013

- es gilt das gesprochene Wort

Jahresschlussandacht 2013 (Mt 6,24-34)

Liebe Schwestern und Brüder,

bei unserer diesjährigen adventlichen Feier mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bischöflichen Ordinariates wurde uns die Geschichte von der 25. Stunde vorgetragen.

Weil die Menschen keine Zeit mehr zum Beten fanden, hatten die Engel dem lieben Gott vorgeschlagen, ihnen eine 25. Tagesstunde zu schenken. Doch bei den Menschen, so die Geschichte, stieß diese Zweckbestimmung keineswegs auf einmütige Zustimmung. In Kirche und Gesellschaft hatten fast alle einen Grund, warum die dazu gewonnene Tagesstunde nicht dem Gebet gewidmet sein könne.

Wenn da nicht einige Engel von Menschen berichtet hätten, die die geschenkte Zeit wie andere Stunden ihres Lebens dankbar aus den Händen Gottes annahmen – wie es hieß, für ihre Aufgaben, für den Dienst am Mitmenschen, für die Teilnahme an der Hl. Messe und – für das Gebet, für das sie jetzt noch leichter Zeit fanden als bisher.

Predigt in der Christmette 2013 im Hohen Dom

24.12.2013

- es gilt das gesprochene Wort

"Fürchtet euch nicht,
denn ich verkünde euch eine große Freude,
die dem ganzen Volk zuteil werden soll" [1]

Liebe Schwestern und Brüder!

Ob sie wohl den Tempel gekannt haben, die Hirten, mit seinem Kult und seinen Opfern? Ob sie wohl regelmäßig Besucher der Synagogengottesdienste waren, die da Nachtwache hielten bei ihrer Herde?

Für die einen sind sie wohl eher ein Stand am Rande der Gesellschaft, eben draußen, einigermaßen fern von der Heiligen Stadt.

Für die anderen sind sie in der Nähe von Bethlehem, der Stadt Davids, der vom Propheten die Herkunft des Messias angesagt ist.

Wie auch immer: Fakt ist, dass Ihnen die Botschaft von der Menschwerdung Gottes nach Josef und Maria zuerst verkündet wird. Sie sind als Gemeinschaft die ersten Hörer des Wortes:

"Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr." [2]

Predigt am Hochfest der Auferstehung des Herrn 2013

31.03.2013

- es gilt das gesprochene Wort

Liebe Schwestern und Brüder,

auf die Frage, warum denn am Palmsonntag keine Predigt gehalten wurde, antwortete ich der Vertreterin des Fernsehteams, dass an diesem ersten Tag der Heiligen Woche – wie eigentlich in der gesamten Heiligen Woche – die liturgischen Vollzüge, Riten und Handlungen mehr als sonst für sich selbst sprechen. Am ehesten hätte eine Homilie gehalten werden können nach dem Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem, draußen vor dem Portal des Domes, was in diesem Jahr schon wegen der eisigen Kälte als nicht geraten erschien.

Ob es denn einen Bezug der Palmsonntagsliturgie zu den gesellschaftlichen Entwicklungen auch im Zusammenhang mit dem Amtsantritt des neuen Papstes und seiner Bescheidenheit gebe, setzte die Journalistin nach. Darauf habe ich zunächst über unsere menschliche Begeisterungsfähigkeit gesprochen, die allzu rasch vom „Hosanna!“ in das „Kreuzige ihn!“ umschlagen kann, wenn die Entwicklung einer Person oder ihrer Veranlassungen nicht mehr unseren Vorstellungen entspricht. Dann aber habe ich hinzugefügt, was für die gesamte Feier unseres Glaubens und seine Bezeugung gilt: In jeder Predigt und Verkündigung muss es zuerst und vor allem  darum gehen, die großen Taten Gottes zu verkünden, Gott zu loben und zu preisen. Erst danach und wenn es sich aus den Zusammenhang ergebe, sei es angebracht oder sogar notwendig, zu Personen oder deren Amtsführung Stellung zu nehmen und auch kritische, mahnende, ja vielleicht sogar warnende Töne anzuschlagen, wenn eine gesellschaftliche Entwicklung vonstatten geht, die sich mit unserem Glauben und der christlichen Moral nicht vereinbaren lässt, und der Ehre Gottes und dem Heil aller Menschen widerspricht.

Predigt in der Christmette 2012 im Hohen Dom

25.12.2012

- es gilt das gesprochene Wort

„Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn.“ (PS 118,26)
„Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“ (Lk 19,38)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

so riefen die Jünger Jesu, als sie sich zusammen mit ihrem Meister der Stadt Jerusalem vom Ölberg her näherten. Gemeinsam mit ihnen war Jesus im Begriff, nach Jerusalem hinauf zu gehen, um Leiden und Sterben auf sich zu nehmen und seinen irdischen Auftrag zu vollenden. Viele Male hatte er davon gesprochen, um sie auf das, was sich da ereignen sollte, vorzubereiten. Aber diese Botschaft ließen sie einfach nicht bis in ihre Herzen vordringen. Bis zu seiner Gefangennahme waren sie beseelt von der Idee eines irdischen Königtums. Und ihre Enttäuschung nach seinem Tod auf Golgotha wurde nicht weniger von diesem Gedanken bestimmt.

Dabei hatte Jesus von sich weder als dem Messias gesprochen noch als einem König. Er hat wohl Stellung dazu bezogen, wenn seine Jünger oder Gegner ihn darauf ansprachen. Noch in der Stunde der höchsten Gefahr, beim Verhör vor dem Hohen Rat, bekennt er sich dazu und spricht dann doch wieder vom Menschensohn, der von nun an zur Rechten des allmächtigen Gottes sitzen wird. (vgl. Lk 22,69) Und vor dem römischen Landpfleger bekennt er sich zu seinem Königtum, das nicht von dieser Welt ist, und nennt den Grund für seine Ankunft und Geburt: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, das ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ – und fügt dann die bedeutungsvollen Worte hinzu: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ (vgl. Joh. 18,36 ff)

Predigt von Bischof Dr. Konrad Zdarsa zur Weihe von Florian Wörner zum Weihbischof

28.07.2012

- es gilt das gesprochene Wort

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des Herrn

 

Verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Vor wem soll er sich denn nicht fürchten, der Prophet? Es bleibt zumindest in dem Abschnitt, den wir aus dem Buch Jeremia gehört haben, offen, ob vor Menschen oder vor den Aufgaben, die er übernehmen soll. Allem Anschein nach werden es aber doch wohl die Menschen sein aus seinem Volk, denen er alles andere als nach dem Munde reden müssen wird, der Prophet Jeremia. Er ist in der gesamten Hl. Schrift keineswegs der einzige, der alle möglichen Hindernisse, - seine Jugend, seine Unfähigkeit zu reden, ja sogar sein Unvermögen -, überhaupt als Prophet aufzutreten, geltend macht, um sich dem Anspruch der Berufung zu entziehen. Aber auch in der gern wiederholten Pressemeldung dieser Tage, dass unser Weihekandidat der jüngste (Weih-)Bischof von ganz Deutschland sein wird, scheint sich die eine oder andere leise Anfrage ähnlicher Art zu verbergen.

Predigt bei der Diakonweihe am 5. Mai 2012 in der Basilika St. Ulrich und Afra

05.05.2012

Verehrte liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Liebe Kandidaten für die Hl. Weihe zum Diakon der Kirche!

Immer wenn ich mal wieder zum Briefschreiben komme – das heißt, wenn es die Zeit erlaubt – und wenn ich mich dazu aufraffen kann, dann geschieht es, dass ich zwar an verschiedene Adressaten schreibe, aber die verschiedenen Briefe doch immer wieder manches Gemeinsame beinhalten, Dinge, Ereignisse, die mich beschäftigen und bewegen, die ich in letzter Zeit unternommen habe oder auch die mir zu schaffen machen – kurzum, die ich für meine Freunde, Verwandten und Bekannten für mitteilungswürdig und erörterungsfähig halte.

Fast genau so ergeht es mir heute bei der Betrachtung der Lesung aus dem Brief an die Philipper am Tag Eurer Weihe zum Diakon der Kirche.

Predigt am Hochfest der Auferstehung des Herrn 2012

08.04.2012

„Als Christus noch auf Erden lebte, ertrugen sie den Angriff der Juden nicht, wie sollten sie sich nach seinem Tod gegen eine so große Welt gestellt haben, wenn er, wie behauptet, nicht auferstanden wäre, wenn er nicht mit ihnen gesprochen und ihnen Mut gemacht hätte?

Hätten sie nicht bei sich gesagt: Wie ist das? er konnte sich selbst nicht retten, und uns sollte er helfen? Er konnte sich nicht helfen, als er noch lebte, und uns sollte er die Hand reichen, jetzt da er tot ist?

Als er noch am Leben war, unterwarf er sich nicht ein einziges Volk, und wir wollen die ganz Welt überzeugen, wenn wir seinen Namen nennen? Wie sollte es einen Sinn haben, das zu tun oder auch nur zu denken?

So ist es denn offenbar: Wenn sie nicht den Auferstandenen gesehen und den größten Beweis seiner Macht erhalten hätten, dann hätten sie nicht mit so hohem Einsatz gewürfelt!"

Liebe Schwestern und Brüder,

mit diesen, ziemlich modern anmutenden Worten spricht der Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus am Beginn des 5. Jahrhunderts in einer Auslegung des 1. Briefes an die Korinther von den Aposteln.

Predigt in der Chrisam-Messe am Mittwoch in der Karwoche 2012

05.04.2012

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst!

Nächst der Feier der Einsetzung des allerheiligsten Sakraments des Altares und des Priestertums am Abend des Hohen Donnerstags und einem jeden feierlichen Weihegottesdienst ist wohl keine Feier der Kirche dergestalt auf das Weihepriestertum ausgerichtet wie diese Feier zur Weihe der Hl. Öle und der Erneuerung der versprochenen Bereitschaft zum priesterlichen Dienst.

Jeder einzelne von uns ist dabei besonders angesprochen, sich seiner Erwählung und seiner Verpflichtung aufs Neue bewusst zu werden. Jeder einzelne soll darin bestärkt werden, dass er als Mensch in allem ganz herausgefordert, ja angefochten und vielleicht sogar ausgeliefert ist, nicht aber um dabei nach und nach unterzugehen und in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, sondern um teilzuhaben an der königlichen Würde, die ihm Christus geschenkt hat, und am Priestertum Jesu Christi, um Gott und dem Menschen zu dienen und gleich ihm sein Leben einzusetzen und hinzugeben für die vielen.

Predigt am Hochfest der Auferstehung des Herrn 2011

24.04.2011

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

je älter wir werden, so scheint es jedenfalls, um so mehr schöpfen wir aus der Vergangenheit. Wenn wir einander zuhören, sofern wir uns dazu einmal die Zeit nehmen, umso mehr scheinen die Details des Geschehenen eine immer größere Bedeutung zu erlangen. Mancher vermag da nämlich oft noch genauestens zu schildern, was eigentlich schon sehr lange zurückliegt, was aber – das wird ihm vielleicht erst mit steigenden Jahren so recht bewusst – für sein gesamtes Leben von höchster Bedeutung war.