TERESA VON ÁVILA: Vom inneren Gebet und islamischen Spuren in ihren Schriften
Vortrags- und Gesprächsabend mit Prof. Dr. mult. Mariano Delgado im Akademischen Forum am Mittwoch, 1. März 2023
Die Schriften von Teresa von Ávila (1515-1582) haben große Aufmerksamkeit geweckt, weil sie in einer neuen spirituellen Sprache voller origineller Alltagsmetaphern und zugleich mit analytischer Schärfe das Grundthema menschlicher Existenz behandeln: die göttliche Berufung des Menschen und den Zusammenhang von Gottes- und Selbsterkenntnis. Auf dieser Grundlage entfaltete Professor Mariano Delgado von der Universität Fribourg in Thesen die Lehre vom „inneren Gebet“ bei Teresa von Ávila. Für sie kann und soll jeder und jede dieses Beten praktizieren.
Es geht dabei um einen „freundschaftlichen, vertrauten Umgang“ mit Jesus, denn inneres Beten ist für sie nichts Anderes, „als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt“. Es kommt auf die persönliche, liebevolle Beziehung zu Jesus an, unabhängig von Orten und Zeiten, immer im Bewusstsein seiner Liebe, aber auch der Verwandtschaft und des Unterschiedes zwischen ihm und uns. Denn auch als „unser Freund“ bleibt er „der Herr“. Ein solches Beten bedarf nicht immer der Worte.
In einem zweiten Vortrag zeigte Professor Delgado Theorien auf, die in den Schriften von Teresa von Avila, vor allem in der Schrift „Wohnungen der inneren Burg“ (1577) islamische Spuren vermuten und erkennen. Bei allen Analogien zur islamischen Mystik handelt es sich bei Teresa von Ávila (und Johanes vom Kreuz) um eine genuin christliche Mystik, die durch das unterscheidend Christliche geprägt ist: „Was Gott beansprucht, ist, uns zu Göttern durch Teilhabe zu machen, wie er es von Natur aus ist, so wie das Feuer alle Dinge in Feuer verwandelt.“ Und hier zeigen sich auch die Abgrenzungen zur islamischen Mystik: Kein islamischer Mystiker könnte sich so ausdrücken, denn das setzt das Geheimnis der Menschwerdung mit dem „wunderbaren Tausch“ in der Nacht zu Bethlehem voraus: Gott wird Mensch, damit wir durch die Nachahmung Jesu als Weg zu Gott unserer göttlichen Berufung (der Gottebenbildlichkeit) besser entsprechen können.
Im Anschluss an die beiden Vorträge fand eine lebendige Diskussion mit den 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung statt.